Review

"Ich bin in 50 Varianten abgefuckt." "Ich möchte dich ficken, bis du nicht mehr stehen kannst." - Ganz klar, wer so spricht, mit dem stimmt was nicht. Wer das als Zuschauer gut findet, ist aber auch nicht ganz knusper... oder es stimmt was nicht mit mir. Fakt ist, dass hier in jedem Fall irgendwas nicht richtig hinhaut!

Sehr befremdlich ist er, dieser Christian Grey, der mit knapp 30 Jahren quasi die Welt regiert von seinem Büro in Seattle aus und sich trotzdem nicht zu schade ist, einer kleinen Studentenzeitschrift ein Interview zu geben. Die als Vertretung geschickte Anastasia Steele, die gern rot wird, ständig devot nach unten blickt, auf ihrer Lippe herumbeißt, dass dem Christian ganz anders wird (kennt man ja aus dem Alltag) und sich kleidet wie ein Mauerblümchen (Schuluniformoutfit mit Blümchenbluse etc.) findet den geleckten "Master of the Universe" natürlich sofort zum Niederknien. Dennoch ist ihr klar, dass er für sie unerreichbar ist - aber wie das Leben eben so spielt, der Christian hat nur auf sie gewartet!

Dumm nur, dass der mit einer normalen Beziehung nix anfangen kann (Crackhurenmutter-Kindheitstrauma), sondern, wie er Anastasia bald wissen lässt, statt mit jemandem "Sex zu haben" einfach nur "hart fickt". Bevor es aber zur Sache geht, muss sie erstmal einen Verschwiegenheitsvertrag unterzeichnen (Christian: "Ich fürchte, mein Anwalt besteht darauf.") und darf einen weiteren Vertrag mit nach Hause nehmen, der sie zur Sklavin des "abgefuckten Typen" macht. Wer würde das nicht wollen! In besagtem Vertrag steht etwa geschrieben, dass sie sich als "Sub" allerlei Schweinkram gefallen lassen muss ("Fisting" etc., muss erstmal gegoogelt werden, worum er sie auch bittet und sogar einen niegelnagelneuen Laptop zu diesem Zwecke zur Verfügung stellt) von ihm, dem "Dom". Was sie davon hätte, fragt sie ihn - na, sie hat dann halt ihn, ist doch ein prima Geschäft!

Diesen Vertrag wird Anastasia bis zuletzt nicht unterschreiben, zu sexuellen Handlungen kommt es trotzdem. Geschockt darüber, dass sie noch Jungfrau ist (Frechheit!), wird dieses "Problem" auf der Stelle aus dem Weg geschafft - noch auf die ganz klassische Weise. Nachdem das geschafft ist, gehts dann in sein Spielzimmer. Sie zeigt Entgegenkommen, ohne ihm aber den Gefallen zu tun, sich völlig unterzuordnen. Er ist unzufrieden und stellt allerlei Sachen an, um sie zu überzeugen (super auch, dass sie immer schon bei der kleinsten Berührung total heiß ist und mächtig stöhnt, was er ihr aber gern verbietet...). So geht das hin und her, bis es am Ende ordentlich kracht und sie im Fahrstuhl von dannen zieht... (letzte Worte: "Anastasia..." - "Mr. Grey"... Fahrstuhltür zu).

Den beiden 2 Stunden bei ihrem Hin und Her zuzuschauen, ist anfangs unerträglich langweilig und die Handlung - ganz der Romanvorlage entsprechend - sowas von an den Haaren herbeigezogen, dass der Zuschauer aus lauter Verzweiflung oft nur lachen kann. Im zweiten Teil, wenn man/frau sich halbwegs damit abgefunden hat, dass hier Logik und Anspruch einfach nicht vorhanden sind und man bereit ist, das Hirn auszuschalten, fühlt man sich zumindest leidlich unterhalten. Dakota Johnson müht sich redlich, die "erotischen Szenen" nett aussehen zu lassen und auch Jamie Dornan gibt sich durchaus Mühe - aber das hilft am Ende trotzdem nicht um der substanzlosen Geschichte ein Prickeln zu verleihen (ich frage mich wirklich, wie es dazu kommen konnte, dass eine Zuschauerin im Kino anfing zu masturbieren).

Fazit: Ich hatte mit meinen Freundinnen trotz allem einen netten Abend und habe viel gelacht. Stoff zum Diskutieren und Aufregen liefert der Film (der 2 von 5 Damen trotz kritischer Anmerkungen gefiel) auf jeden Fall. Gesehen haben muss man das alles aber nicht. Und wer sich prickelnde Erotik erhofft, sollte lieber nach was anderem Ausschau halten.

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