Fifty Shades of Grey(2015)
Spoiler inside...
Warum sollte man sich diesen Film ansehen? Wie nährt man sich den Hype um Shades of Grey ohne voreingenommen zu sein? Was steckt hinter dem großen Mysterium das die halbe westliche Welt erröten lässt? Vielleicht nähren wir uns mit Durchfall?!
Nicht im Sinne der Qualität des Filmes lieber Leser...also bitte. Nein. Nach dem zweifelsfrei interessanten und sinnlichen Genuss des Filmes, beschäftigte mich das Thema noch ein paar Tage bis zu jenem geselligen Abend unter Freunden. Da mein Humor im Familienkreis durchaus berüchtigt ist, wollte ich meine Grenzen neu ausloten. Eben ganz wie die sexuell ziemlich gierigen Protagonisten dieser aufgeblasenen Story. Durchfall passt als Gesprächsthema zum abendlichen Dinner genauso gut, wie die Jungfräulichkeit der Anastasia Steele, die nach Bekanntgabe jener welcher einfach nur unglaubwürdig wirkt...niemand hat dreimal Sex und ist dann so drauf. Ganz große Comedy.
Wer zu Baguette, Bier und Gegrillten von Konsistenz, Dichte und Druck der eigenen Fäkalien spricht, der braucht sich nicht zu wundern, dass alle Gäste die Augen hoch ziehen und sich fragen, ob hier nicht ein paar Schrauben zu locker sitzen. Selber schuld...entgegnete ich. Wer über Fifty Shades of Grey so in Lob, Liebe und Erotik schwelgt, darf die Logik und Glaubwürdigkeit nicht vergessen.
Auf die Ausgangslage dieser Geschichte werde ich nicht nochmal groß eingehen. Jeder dürfte wissen um was es geht. Die quirlige Anastasia Steele(Dakota Johnson) und eigenwillige Christian Grey(Jamie Dornan) gehen eine Art SM Beziehung ein, sie will Nähe und Gefühle, er will nur HART und ohne Mimik. Hin und her, nochmal umgekehrt und fertig ist ein modernes Märchen mit leblosem Cliffhanger ohne emotionale Höhepunkte(auch Physische bleiben eher verhalten).
Ein bisschen Familiengekröse hier und schlechte Kindheit Geblubber dort und wir werden Zeuge einer unausgegorenen Romanze, die jegliche Chemie vermissen lässt. Zugeben...ein paar sinnliche und betörende Einstellungen gibt es, aber sobald Christian Grey seinen niederen Ledertrieben Wörter verleiht, wankt das Gesehene stark in die Lächerlichkeit. Die Autorin hatte offenbar keine Ahnung, wie man einen wirklich interessanten männlichen Part füllt, ohne ihn so ulkig und patzig wirken zu lassen.
Dakota Johnson macht die meisten Punkte. Sie spielt außerordentlich, ihr Charisma steht ihrem tollen Körper in nichts nach. Hier gibt es Punkte. Jamie Dornan macht an für sich auch nichts falsch. Body und Ausstrahlung passen...die gesprochenen Zeilen sind halt eine Zumutung. Eine verborgene Leidenschaft für Abartiges(nennen wir es mal so) kann man sicher auch weniger dümmlich und komisch widergeben.
Am Ende bleibt ein Film, der weder dem Hype gerecht wird, noch für irgendeinen Skandal gut wäre. Es ist eine Art Romanze, die nur bedingt zündet, weil das Thema einfach verfehlt wird. Die Charaktere sind holprig geschrieben und da gibt es halt wenig zu holen. Der Film funktioniert einfach nicht, als das, was er gern funktionieren will. Unfreiwillige Komik und ein kaum nachvollziehbarer männlicher Charakter machen eben doch einen ehr halbgaren Film.
50 Shades of Grey tut nicht weh, begeistert aber in keinem Punkt und bleibt über weite Strecken ein unnahbarer Murks, der höchstens dann Prickeln oder Hitze auslöst, wenn man noch nie etwas von Pornographie oder echten speziellen Neigungen gehört hat. Wer das also wirklich ergreifend findet, der braucht sich nicht über Kot beim Abendbrot beschweren...5
P.S...ich habe nur die Kinofassung gesehen. Bestätigten Gerüchten zufolge muss wohl bei den zusätzlichen Szenen Conchita aus der Trickfilmserie Family Guy die "Werkzeuge" des Christian Grey reinigen und gründlich desinfizieren. Hätte ich das gewusst, hätte ich gleich die verlängerte Fassung gesichtet, da mir das in der Kinofassung echt fehlte...hüstel.