Review

Ein heftiger Tritt in die Eier jeder mündigen Frau...

... und jedes Filmfans. Und jedes Mannes. Der Frauenbewegung der letzten 100 Jahre. Sogar in die wirklich winzigen Weichteile der "Twilight"-Filme. Kein Wunder, da "Fifty Shades of Grey" ja Fan-Fiction eben dieser Bücher bzw. Filme war. Ein Abfallprodukt eines Abfallproduktes, zum Teil auf dem Handy eines Fans geschrieben. Und das ist nun der Film dazu. Minus & Minus ergibt in diesem Fall leider nicht Plus. Und dreimal Null ist Null bleibt Null, würde man bei uns in Köln sagen. Ich will die Bedeutung einer solchen flachen Hausfrauen-Phantasie, des Buchs & deren Erfolg nicht zu hoch hängen, aber es spricht nicht gerade für unsere Gesellschaft, meine Generation. Er wäre gerne der "Tango in Paris" oder "In The Realm of Senses" unserer Zeit, doch er ist so clean, seicht &, unpassend zu seinem Thema, sauber, dass man nur peinlich berührt sein kann. Nicht weil der Film so zur Sache geht oder man verklemmt wäre, sondern weil er einen aufregt, richtig mies ist & sich viel zu wichtig nimmt. Ich musste so oft die Stirnrunzeln, morgen sehe ich mit Sicherheit 5 Jahre älter aus. 

Spaß beiseite - "Fifty Shades" ist einer der schlechtesten Filme des Jahrzehnts, trotz ansehnlichem Look & klasse Soundtrack. Jeder der ihn mag oder sich sogar auf die, nächstes Valentin erscheinende Fortsetzung freut, sollte wirklich mal seinen Geschmack überdenken. Und dabei ist das Thema Sado Maso so viel interessanter, aufregender & tiefgründiger als in diesem Schnarcher zum Fremdschämen dargestellt. Dann doch besser zu "Secretary" oder anderen Filmen greifen. Eigentlich ist dieser graue Brei sogar eine Beleidigung aller Hausfrauen, wenn man ihn als Hausfrauenporno abtut... umso mehr ich über ihn nachdenke, umso mehr turnt er mich ab. Nicht gerade im Sinne von Mr. Grey würde ich annehmen...

Ein Möchtegern-Skandalfilm, der nur skandalös langweilig ist. Außer ein paar Teenager oder ganz verklemmte Mauerblümchen wird man damit sicher keinen gut unterhalten oder erröten lassen. Ich bin ungern der Spielverderber, Miesmacher oder stelle mich über andere, jedem das seine - aber hier verstehe ich jeden, der sein Geld oder die zwei Stunden zurückverlangt. Gegen diesen Popoklatsch-Schmalz wirkt jeder Til Schweiger-Film wie realistisches, gutes Kino. Und um die Fans etwas zu beruhigen & nicht nur stocksteif & plakativ zu kritisieren, hier schwarz auf weiß was ich an diesem Schlappen von Film mochte. Der Soundtrack ist klasse, von The-Weekend bis Beyonce war da mehr Erotik & Stimmung drin als im ganzen Film. Plus den zwei Hauptdarstellern Dakota Johnson & Jamie Dornan bescheinige ich durchaus Talent & eine Zukunft, beide geben sich Mühe & hier und da kommt sogar Chemie zwischen ihnen auf. Das war es leider. 

Und nun zu dem, was mir fast schon körperliche Schmerzen brachte. Die Dialoge sind so dumm, unfreiwillig komisch & dilettantisch, da hätten selbst Mery Streep & Clint Eastwood mit blöd ausgesehen. Die Charakter sind so oberflächlich, fernab von der Realität oder jeglicher Zuneigung & Sympathie geschrieben, da tun einem die Darsteller wirklich leid. Erst recht bei Verpflichtungen über mehrere Filme. Ich hätte den Film & besonders den Charakter der Anastasia Steele gerne mal von einer starken Frau oder gar Feministin auseinandergenommen gesehen. Dazu eine Behandlung des Fetischthemas, so keimfrei & synthetisch, da bleibt einem die Spucke weg. Und das nicht auf Grund von Tabubrüchen. Der Film ist zudem viel zu lang, tritt auf der Stelle & sprüht nicht vor Sex, sondern vor Langeweile. 

Eine richtig faule Tomate, von der eigentlich alle Beteiligten im Nachhinein Abstand nehmen sollten. Erfolg gibt recht - doch hierauf sollte trotzdem keiner stolz sein, erst recht nicht die beteiligten Frauen oder gar die Schöpferin dieser Blamage. Gemacht für Parodien, unfassbares Zeug. Und das Ende stößt dann glaube ich sogar dem größten Fan nochmal den Stöpsel rein... Ein Trauerspiel & die meisten Soaps sind sehenswerter!

Fazit: schade um den tollen Soundtrack & die sicher gar nicht so talentfreien Darsteller - dieser Hochglanz-Softporno ist Zeitverschwendung & alles andere als ein Turn On. Noch nichtmal ein Guilty Pleasure oder so mies, das er wieder gut ist. Eine Beleidigung des Verstandes & vor allem aller selbstbewussten Frauen. Da wünschte ich mir doch selbst schnellstmöglich ein Codewort zur Beendigung meiner Qualen!

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