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Alvin Rakoff brachte 1980 mit Death Ship einen Horrorfilm heraus, der ein Geisterschiff zum Thema hat, das als Relikt aus dem 2. Weltkrieg bis in die heutige Zeit auf den Meeren kreist, Kreuzfahrtschiffe rammt und Menschen für seine Zwecke zu instrumentalisieren versucht. Der kanadische Regisseur russisch-ukrainischer Herkunft hatte zuvor schon einige TV-Formate produziert, bevor er sich in diesem Genre versuchte. Für Death Ship, das zu zwei Drittel den klassischen Horrorfilm und zu einem Drittel Naziploitation bedient konnte er immerhin George Kennedy (Captain Ashland), "Rambo-Ausbilder" Richard Crenna (Trevor Marshall) sowie Nick Mancuso (als... Nick) gewinnen.

Captain Ashland ist mit einigen anderen auf einem Kreuzfahrtschiff, seine schlechte Laune, gepaart mit Arroganz, ist spürbar während das titelgebende Death Ship in der Dunkelheit den Vergnügungsdampfer mittschiffs rammt. Diese Szene wurde mangels Budget aus irgendwelcher Stock footage lieblos und viel zu schnell zusammengeschustert, ehe man sichs versieht treiben die Überlebenden in einem Schlauchboot, als plötzlich hinter ihnen das Geisterschiff auftaucht. Mit einigen Schwierigkeiten gehts an Bord, wo offenbar kein Mensch mehr wohnt oder steuert. Der unsympathische Captain Ashland macht alsbald eine seltsame Wandlung durch, er wird, so will es das Script, vom dunklen Nazigeist des Schiffes ergriffen - mit frischer Kriegsmarine-Uniform steuert er das Death Ship in Richtung vermeintlicher Feinde.

Eine reichlich verquaste Geschichte also auf dem Death Ship, die Logiklöcher stapeln sich im Minutentakt, was dem Film aber gelingt, ist eine sehr gruselige Atmosphäre. Während die anderen Überlebenden (ein junges und ein mittleres Pärchen, eine Oma, zwei nervige Kinder) das Schiff durchsuchen, dabei seltsame Dinge entdecken wie eine Tiefkühlkammer mit Leichen, einen Projektorraum, dessen projezierter Film weiterläuft auch nachdem der Projektor zerstört wurde, eine Blut-Dusche und natürlich auch ein Raum mit Nazi-Devotionalien, steht der besessene neue Kapitän dieses schaurig verrosteten Kahns am Ruder und interessiert sich nicht für die Anderen. Zu den gröbsten Logiklöchern gehört, daß der alte Kahn ein Frachter ist (Ladebrücken), bei seinen Rammspielchen selbst absolut keine Schäden abbekommt und von Anfang an heimtückische Fallen für die Schiffbrüchigen offeriert, was diesen jedoch ziemlich wurscht ist. Letztere helfen sich gegenseitig kaum und scheinen sich auf dem Geisterschiff erstmal wohlzufühlen, obwohl sie schon bald dezimiert werden. Dies sind, wiegesagt, nur die gröbsten Logiklöcher.

Das Drehbuch bedient sich hierbei einiger medienwirksamer Thematiken wie einem (Nazi-)Geisterschiff, KZ-Experimenten an Bord (einen Raum mit massenweise Zahngold finden die Schiffbrüchigen neben der Leichenkammer auch), dem üblichen "selbst-schuld" in Horror-filmen (hier: wenn man harmlose Bonbons nascht und sich hinterher in ein Monster verwandelt) wie auch der Schluss-these dass es nicht ratsam ist, sich dem Nazigeist anzudienen (auch Captain Ashland beißt schlussendlich ins Gras).

Was an Death Ship so bemerkenswert ist, ist die wirklich überzeugende Grusel-Atmosphäre - neben den verschiedenen Ansichten des rostigen Kahns vor allem soundtechnisch vermittelt durch einfachste Zutaten wie ein Schiffshorn, ein furioses Orchester-Thema nebst ein paar schrägen Töne aus dem Synthesizer sowie die hineingeschnittene Stimme eines deutschen Offiziers - mehr ist es eigentlich nicht. Das aber reicht aus, um tatsächlich Gänsehaut-Feeling zu erzeugen.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Der Film ist nach messbaren Kriterien hundsmiserabel. Die Story ist belanglos, der Plot mit dem Geisterschiff nicht wirklich neu, die schauspielerischen Leistungen bescheiden, die Location billig, die Verwendung von erkennbarer Stock footage schwach, die Schnitt-Technik zur Einbindung derselben unter aller Kritik, die Kameraführung abenteuerlich und die Geschehnisse auf dem Schiff an den Haaren herbeigezogen - dazu kommen mehrere Jump cuts, Filmfolgefehler und dergleichen. Mit anderen Worten, Death Ship ist - expressis verbis - so scheisse, daß er schon wieder gut ist. Demzufolge ist meine Wertung als Trash-Liebhaber-Wertung zu verstehen: 8 Punkte.
"Tuuuuuuuuut - Feind in Sicht - Tuuuuuuuuuut"

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