Dass Komiker und manchmal auch Figuren aus „Saturday Night Live“ im Kino reüssieren dürfen, hat durchaus Tradition, Anfang der 1990er waren es Mike Myers‘ Kopfgeburten, die mit „Wayne’s World“ zum Kult wurden.
Wayne Campbell (Mike Myers) und Garth Algar (Dana Carvey) sind zwei Rock-Fans, die im Keller von Waynes Eltern ihre eigene Nonsens-Sendung „Wayne’s World“ aufnehmen und im Lokalfernsehen ausstrahlen. Unter jugendlichen Musikfans sind sie Kult und gehen regelmäßig in Szeneclubs, wo Wayne die Aufmerksamkeit der Sängerin Cassandra Wong (Tia Carrere) gewinnen kann. Ihre Sendung erhält wiederum die Aufmerksamkeit des Produzenten Benjamin Oliver (Rob Lowe), weil dessen Freundin Elyse (Ione Skye) Fan ist, während Ben den Appeal vorerst nicht versteht. Zwei frühere Brat-Pack-Mitglieder der 1980er in etwas gesetzteren Rollen, doch während Rob Lowe dauerhaft eine größere Karriere schaffte, wurde es für Ione Skye trotz hoch gelobter Hauptrollenleistungen in „Das Messer am Ufer“ und „Teen Lover“ nichts mit dem größeren Durchbruch nach dem Teeniefilm-Boom der Eighties.
Benjamin will die Sendung ins landesweite Programm bringen, was die beiden Dudes freut. Weniger erfreulich: Das Ganze geht einher mit Sponsoring, neuem, unkomfortablem Studio und Eingriffen in den Sendungsablauf. Ganz zu schweigen davon, dass Schmierlappen Benjamin ganz heftig Cassandra anbaggert…
Wayne und Garth gelten als Kultfiguren. Vielleicht auch deshalb, weil „Wayne’s World“ der richtige Film zum richtigen Zeitpunkt war. Don Simpson und Jerry Bruckheimer hatten 1983 mit „Flashdance“ erfolgreich die Verbindung von Musikfernsehen und Kino etabliert, weshalb Anfang der 1990er kaum ein jugendaffiner Film ohne entsprechenden Soundtrack inklusive Musikvideo auskam. Hier also ein Film fürs MTV-Publikum, mit Musik und Fernsehen als Hauptthemen und zielgruppengerechtem Soundtrack, zeitgemäßer Jugendsprache und zeitgemäßer Mode. Noch dazu erinnert die fiktive Wayne-und-Garth-Sendung mit ihrem Rumgehänge und -geblödel auch an das damalige MTV-Format „The Real World“, die Figuren sind perfekte Generation-X-Jugendhelden der Slacker-Art, die noch dazu in einem Idiom sprechen, das (zumindest im O-Ton) teilweise verdächtig an den kurz zuvor entstandenen „Bill & Ted’s verrückte Reise durch die Zeit“ erinnert, aber auch eigene Phrasen wie den Lendensalut „Schwing!“ etablierte. Die Ziele der beiden Malocher Wayne und Garth sind bescheiden: Ein bisschen Kohle mit etwas verdienen, woran man Spaß hat, sich die Traumgitarre vom Typ Fender Strat gönnen können, mit coolen Leuten abhängen und die örtliche Traumfrau für sich gewinnen.
Dementsprechend sekundär ist auch die Handlung geraten: Erst kommt die Verführung durch das Geld (zum Spottpreis von 5.000 Dollar pro Nase), dann das böse Erwachen und schließlich der Befreiungsschlag. Zwischendurch zerstreiten sich die beiden untereinander und Wayne mit Cassandra, aber dass das nicht von Dauer sein wird, ist von Anfang an klar. Schließlich sind die Antagonisten reine Schießbudenfiguren, absolute Klischee-Avatare des Corporate America. Etwa der windige Sponsor aus der Spielhallenbranche, der sich hinter den Kulissen rühmt, dass man an seinen Automaten gar nicht gewinnen kann. Und natürlich allen voran der ölige Benjamin, der sich an Cassandra ranmacht, die Helden mit Knebelverträgen knechtet oder die beiden Dumpfbacken mit offensichtlichen Ködern wie Alice-Cooper-Tickets ablenkt. Denn ähnlich wie Bill und Ted zuvor oder das „Dumm und dümmer“-Duo danach sind Wayne und Garth zwar ursympathisch und grundehrlich, aber nicht die Hellsten.
Oft propagieren die beiden noch ihr Fandom als Heavy-Metal-Enthusiasten, was der Film allerdings nicht ganz einlöst, da für das Kreativteam um Michael Myers und Regisseurin Penelope Spheeris anscheinend jede etwas härtere Gitarrenmusik für Metal hielt. In dem Bereich gibt es ein paar Megadeth-Poster im Hintergrund und einen Song der Metal-Pioniere Black Sabbath auf dem Soundtrack, der Rest ist Rock, Hard Rock oder Pop-Rock. Cassandras Band covert unter anderem „Ballroom Blitz“ von The Sweet (von Tia Carrere selbst eingesungen), im Auto performt man zu „Bohemian Rhapsody“ von Queen, ansonsten sind unter anderem Soundgarden, die Red Hot Chili Peppers und Ugly Kid Joe musikalisch vertreten. Einen Gastauftritt als er selbst hat Schock-Rocker Alice Cooper, der im Film (wie im wahren Leben) ein echter Experte für Geschichte ist. Weitere Cameos haben Meat Loaf als Türsteher, Chris Farley als Info-Dump-Bodyguard, Ed O’Neill als möglicherweise mörderischer Donutladen-Manager sowie Robert Patrick als Motorradcop in einer Parodie seiner „Terminator 2“-Paraderolle als T-1000.
Mit seinen dauernden Brüchen der vierten Wand, wenn sich Wayne und Garth regelmäßig an das Filmpublikum wenden, war „Wayne’s World“ anno 1992 noch recht erfrischend und unverbraucht, sonderlich clever oder meta aber auch nicht. Hin und wieder gibt es halbwegs hintersinnige Gags, etwa wenn Wayne und Garth gegen Schleichwerbung in ihrer Sendung protestieren, während sie in Product-Placement-Outfits dasitzen oder sie das Filmende so lange wiederholen (erst schlechtes Ende, dann Scooby-Doo-Parodie und schließlich Überkitsch mit Zuckerguss), bis es ihnen passt bzw. es das Hollywood-Klischee erfüllt. Sonst wird halbwegs launig geblödelt, die Trefferquote ist okay, obwohl manches ziemlich ausgelutscht ist (etwa Garth, der in Gegenwart seiner Traumfrau keinen Ton herausbekommt oder das dauernd unterbrochene Hockeyspiel).
Zudem sind Mike Myers und Dana Carvey zwar sympathisch und launig, aber recht eindimensional in ihren Rollen: Myers‘ Wayne ist der großmäulige Frechdachs, Carveys Garth der zottelig-verträumte Sidekick, beide ebenso begeisterungsfähig wie simpel, in den richtigen Momenten bauernschlau. Tia Carrere gibt die rockende Traumfrau recht gut, Rob Lowe verkörpert den eindimensionalen Schleimscheißer mit großer Hingabe. Ein kleiner Besetzungscoup ist „Twin Peaks“-Star Lara Flynn Boyle als Garths Ex-Freundin: Ausgerechnet eine der umschwärmtesten Darstellerinnen der Zeit wird als psychotische Stalkerin besetzt, die dem Slacker Wayne nachstellt und sich nicht damit abfinden kann, dass er mit ihr Schluss gemacht hat.
„Wayne’s World“ ist dementsprechend ein Zeitgeist-Phänomen, dessen Plakate zum Standard der Jugendclubs der 1990er gehörten. Zwar mit der Brechstange auf Kult gebürstet, aber das mit Erfolg. Zwar ist das Ganze nicht mehr als eine Aneinanderreihung mal mehr, mal weniger lustiger Szenen mit Alibiplot. Einiges ist wirklich memorabel, etwa die Cameos von Robert Patrick und Alice Cooper oder Sponsoring-Gag, aber das eventuelle Vorbild „Bill & Ted“ ist (trotz ähnlich episodischen Charakters) doch etwas besser. 5,5 Punkte.