Ich hätte es ja eigentlich besser wissen müssen, aber am Ende siegte (wie immer) die Neugier...
UNKNOWN USER ist so etwas wie das BLAIR WITCH PROJECT der Social-Media-Generation. Wo in dem Hexenprojekt noch fleißig mit Handkamera das Found-Footage-Genre erneut entdeckt wurde, wird bei diesem Film hier wohl der Grundstein für ein komplett neues Genre geschaffen, der sich wohl auf Echtzeit-Social-Media-Desktop-Aufzeichnung konzentrieren wird...ich schlage für das neue Genre treffenderweise den Begriff Live-SM-Horror vor..
Dabei mag die Idee sogar noch wirklich interessante Ansätze haben. Durch Einsatz von allerlei Programmen gibt es durchaus Potential. Seien es mehr oder wenige direkte Dialoge und Konfrontationen durch Videotelefonie, Dialoge durch Chats, Erzählung durch Videos und Musikuntermalung durch Streaming. All das hat zumindest am Anfang des Films durchaus seinen Reiz. Was danach jedoch folgt, ist das absolute Grauen und der wirklich einzige Horror an diesem Film.Ich habe schon bei BLAIR WITCH PROJECT schon nicht verstanden, weshalb man aus fadenscheinigen "Authentizitätsgründen" die Handkamera so sehr herumwackeln lassen muss, dass man fast kaum erkennt was eigentlich so passiert. Und hier? Hier werden doch tatsächlich Dinge eingefügt, wie die berühmten Ladebalken bei YouTube und ständige Video- und Tonaussetzer bei der Skype-Telefonie. Soll ja auch schließlich alles so echt und "authentisch" wie möglich sein. Das solche Dinge beim privaten Gebrauch der hier gesehenen Programme schon so nerven wie Sand in der Badehose und man sowas in einem Film nicht auch noch sehen möchte, fragt sich anscheinend keiner der Macher. Hauptsache es ist alles möglichst realistisch und authentisch. Das wäre ja vielleicht noch mit ganz viel Augenzudrücken noch zu verschmerzen gewesen. Aber dann kommt auch schon die zweite Stufe dieses ungewollten Torture-Porns.
Da veranstalten doch die Chatteilnehmer und ganz besonders die Hauptfigur tatsächlich, ganz dem Vorbild der Hauptfigur aus BLAIR WITCH PROJECT, eine Feier des Rumflennens und wirren Durcheinanderschreiens. Ab dem Zeitpunkt war das dann für mich vorbei. Wild durcheinander quatschende, streitende, labernde pubertären Kids kann ich in der realen Welt auch im Bus oder der Stadtbahn haben. Das sich hier die Beteiligten dann anscheinend noch einen Tick dümmlicher anstellen und so meine persönliche Filmcharakterdummheitsschwelle weit unterbieten setzt dem ganzen noch die Krone auf. Aber, es gibt ja auch noch die dritte Stufe dieser elendig langen Desktop-Aufzeichnung.Der ganzen Chose hätte ich vielleicht immer noch etwas mehr abgewinnen können, wenn bei aller Authentizitätswichserei auch die Story dementsprechend wäre. Aber hier verlassen die Macher dann aller guten Geister. Wo ich zum Anfang des Films wirklich noch die Hoffnung hatte, dass zumindest ein halbwegs runder, bodenständiger Plot dabei rumkommt, geht hier ein als Hacker getarnter Geist eines durch Cybermobbing in den Selbstmord getriebenen Mädels durch das Cyberspace und spielt mit ihren ehemaligen Freunden Agatha Christies "10 kleine Negerlein" nach. ! . Das war der Punkt für mich, an dem ich das ganze hier nicht mehr ernst nehmen konnte.
Genau wie BLAIR WITCH PROJECT wird auch UNKNOWN USER bestimmt sein Publikum finden, ich gehöre allerdings nicht dazu. Daher wird UNKNOWN USER von mir erstmal geunfriended...