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Unter frischer Leitung in neue Gewässer - unter diesem Motto steht “Police Story III”, das zweite Sequel aus Jackie Chans erfolgreicher Cop-Action-Franchise. Stanley Tong, der bis dahin eher als Actionchoreograph von sich reden machte, liefert hier seine zweite Regiearbeit ab, und es sollte nicht seine letzte Regentschaft über einen Chan-Film sein - noch 2005 folgte mit “The Myth” der bislang jüngste Streich.

Die Neukonzeption steht dem Ergebnis gut zu Gesicht; nicht nur, weil jede Filmreihe über kurz oder lang eine Erfrischung braucht. Auch Chans eingeschlagener Weg in “Police Story II” erforderte es langfristig, sich neu zu orientieren. Die große Stärke des zweiten Teils lag in der Weiterstrickung des Plots aus dem ersten Teil, jedoch litt die Inszenierung in Ansätzen schon an Abnutzungserscheinungen und zeigte typische Defizite eines Sequels. Die Action war noch bombastischer, noch größer als zuvor, doch was dabei fehlte, das war der Aha-Effekt des Originals. Und den bekommt man mit dem dritten Teil definitiv wieder geboten.

Als Restbestand der Filmreihe bleibt die Einleitung, die allerdings recht schnell abgehandelt wird, damit man sich auf den eigentlichen Plot konzentrieren kann. Hier treffen wir noch auf Jackies Freundin May (Maggie Cheung) und den Polizeikommissar Bill (Bill Tung), der seinen “Supercop” widerwillig in einen gefährlichen Undercovereinsatz schickt, weil der es unbedingt so will. Die Freundin wird zu diesem Zweck etwas auf den Arm genommen, weil sie es nicht erlauben würde, dass ihr Jackie in eine solch gefährliche Mission entlassen wird - so sagt man ihr, dass er einen Monat lang in eine Art “Urlaubseinsatz” geschickt wird. Das hat später noch Auswirkungen...

Die stetige Bezeichnung “Supercop” zu Beginn scheint mir dabei etwas ironisch angehaucht; wäre dem nicht so, müsste man dem Film einen gewissen Trashgehalt zuschreiben, denn Sätze wie “Besorgen Sie mir einen Supercop!” wirken mir doch arg unfreiwillig komisch, weswegen ich mal so frei bin, dies als gewollte Persiflage auf den absurden Actiongehalt der Filme und Jackies gekonnten Umgang damit auszulegen - tatsächlich kann man auf diesen Gedanken kommen, wenn Jackie später bei der Polizei von Hongkong über dieses “Supercop”-Image ausgefragt wird.

Dann jedoch werden alle Restbestände der “Police Story”-Reihe abgestreift, quasi ein Kapitel geschlossen, um ein neues zu beginnen - mit einer vollkommen eigenständigen Handlung. Der diesmalige Undercoverstatus der Hauptfigur erweist sich als Glücksgriff, denn schematisch bekommt man einen vollkommen anderen Police Story-Film zu Gesicht, während die Charakterzeichnung Jackies weiter unterstützt wird. So gilt es mehrmals, Opfer hinzunehmen, die ansonsten hätten gerettet werden können, um den Undercoverstatus aufrechtzuerhalten. Das entspricht dem Protagonisten, der in den ersten beiden Teilen schwere Geschütze aufgefahren und gar so manches Gesetz gebrochen hatte, um sein rechtschaffenes Ziel durchzusetzen. Allerdings ist zu erwähnen, dass Chans Figur (in der deutschen Fassung übrigens ebenfalls “Jackie Chan”) ähnlich wie heute ein Jack Bauer noch mehr düstere Seiten abbekommt, schlicht und ergreifend dadurch, was er in diesem Film durchlebt, wenngleich ihm nach wie vor Raum für Komödie geboten wird. Zur Entwicklung dieser Figur ist also eine gewisse Zweischneidigkeit anzumerken, die mit den von der Stimmung her grundverschiedenen vierten und fünften Teilen der Serie noch deutlicher gemacht wurde.

Ihm zur Seite steht mit Michelle Yeoh aber auch ein schlagfertiges Gegenstück. Zunächst als Instruktions- und Kontaktperson für die Vorbereitung, im Undercovereinsatz dann als seine Schwester, verteilt sie die komplette Laufzeit über mindestens ebenso effektiv Arschtritte wie Jackie selbst. Yeoh mimt keinen klassischen Buddy, sondern vielmehr eine sinnvolle Ergänzung im “förderlichen” Sinne, das heißt, ohne Jackie dazwischenzufunken - diesen Part übernimmt dann seine Maggie Cheung, die natürlich mitten in den verdeckten Einsatz platzt und Chaos anrichtet. Aus der Schauspielergarde herausgehoben werden muss neben dem wieder mal herrlichen Bill Tung (diesmal mit urkomischer Tarnkleidung) Jackies Kontaktperson Yuen Wah, der wie der Hauptdarsteller auf der Hongkong Opernschule ausgebildet wurde und mit “Panther” einen sehr markanten Charakter geschaffen hat, der den Gratwandel zwischen Verbrechen, Partner- bzw. Freundschaft und Verrat geradezu klassisch aufführt. Bemerkenswert fies ist derweil Kenneth Tsang als skrupelloser Gangsterboss.

Eine bemerkenswerte Eigenschaft von “Police Story III” ist der Umstand, dass actiontechnisch von Minute zu Minute angezogen wird, sozusagen chronologisch und parallel zur absinkenden Aufmerksamkeitsspanne des Zuschauers. Lebt der Beginn noch von der lockeren Klamotte mit vereinzelten Kampfeinlagen (im Ausbildungscenter), reihen sich schon bald langsam die einzelnen Actionsegmente aneinander, um fast unverhofft in einem gigantischen Finale zu münden - da wäre zunächst der Ausbruch, dann die explosive Auseinandersetzung in den Holzbehausungen des Drogenbosses, die Szenen im Hotel und schließlich ein Klimax, der den Actionfan zum Sabbern bringen wird und selbst die finale Szene aus “Mission: Impossible” unkreativ wirken lässt. Da werden einfach mal alle erdenklichen Fortbewegungsmittel - ein Zug, ein Motorrad und ein Hubschrauber - zur gleichen Zeit am gleichen Ort zusammengeführt und das sich daraus ergebende Schlachtfeld als Arena zum Herumturnen missbraucht. Die Schießerei am Rande des Dschungels war schon ein Leckerbissen, aber das setzt dem Ganzen die Krone auf. Und es ist nicht mal primäre die (trotzdem unermessliche) Explosionskraft, die hier das Actionherz so erfreut - es ist die Kreativität, das endliche Ausweichen vom klassischen Fabrik-Finale auf eine Ebene, die in ihrer Realisierung nur zu gut vorstellbar einen riesigen Aufwand zu verbuchen hat.

Etwas zu kurz kommen leider die Martial Arts-Fähigkeiten der Beteiligten. Zwar fehlen sie nicht ganz, doch ein Vergleich zu der Glassplitterschlacht aus “Police Story” ist hier nicht zu ziehen. Dabei zeigen sowohl Chan als auch vor allem Michelle Yeoh Ansätze ihres Könnens, dem man gerne noch länger zugesehen hätte. Yuen Wah, der in “Todesgrüsse aus Shanghai” immerhin als Bruce Lee-Ersatzmann engagiert wurde, bleibt gleich vollends auf seine schauspielerischen Fähigkeiten beschränkt.

Das soll jedoch nur ein kleiner Wermutstropfen in einem wahren Freudenfest sein. “Police Story III” beschreitet geschickt neues Story-Terrain und punktet mit kontinuierlichem Spannungsanstieg und einem furiosen Finale, das der Police Story-Reihe alle Ehre macht. Die Undercover-Konzeption gefällt und trägt ihren Teil dazu bei, dass Jackies Figur emotional weiterhin dekonstruiert wird. So sollten Sequels aussehen.

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