„Police Story 3“ ist keine gewöhnliche Fortsetzung, sondern markiert einen Wechsel in Jackies Filmographie. Bisher waren Jackie Filme vorrangig auf das asiatische Publikum zugeschnitten, besondern deutlich beim Humor und den halsbrecherischen handmade Stunts zu sehen. Regisseur Stanley Tong hatte aber für den dritten Teil der beliebten Copreihe andere Pläne, die sich mehr als je zuvor am Actionkonzept Hollywoods orientieren.
Schwang beim legendären ersten Teil und beim kaum minder gelungenen Sequel noch Jackie Chan höchstselbst das Regiezepter, reichte er diese Verantwortung nun an Stanley Tong weiter. Tongs Kooperation mit Jackie blieb auch keine Eintagsfliege, beide arbeiteten auch erfolgreich am inoffiziellen vierten Teil „First Strike“ und dem Fantasyactionfilm „The Myth“ zusammen. Jackie konnte sich somit auch wieder etwas mehr auf sein Können vor der Kamera konzentrieren, was in diesem Fall auch ziemlich gut funktioniert. Große Schauspielkunst wird dennoch niemand ernsthaft erwarten, zumal im Gegensatz zum dramatischen zweiten Teil auch wieder deutlich in lockerere Gefilde zurückgerudert wird.
Dennoch gibt sich Jackie überraschend frisch, was durch Tongs westlich-geprägten Regiestil noch begünstigt wird. „Police Story 3“ ist im Vergleich zu beiden Vorgängern auch keine Jackie-One Man Show mehr, denn mit Famme Fatale Michelle Yeoh bekommt erangemessene Verstärkung zur Seite gestellt. Yeoh gehört zu den wenigen Frauen die ebenfalls fest im Hongkong Actionkino verwurzelt sind und in den 80`ern zu den beliebtesten weiblichen Darstellern ihres Fachs gehörte. Gleichzeitig gehört sie auch zu den talentiertesten Actiondarstellerinnen Asiens, unter anderem zu sehen in der "In the Line of Duty"-Reihe. Selbst vor harten Stunts schreckt Yeoh nicht zurück und erledigt sie obendrein ohne Double. Ende der 80`er begann ihr Stern etwas zu sinken, doch an der Seite von Jackie feierte sie ein fulminantes Comeback.
Beide ergänzen sich wunderbar vor der Kamera und geben ein schlagkräftiges Power Duo ab. Besonders durch Michelles Unterstützung gewinnt „Police Story 3“ ungemein an Profil, was sich in einigen ziemlich genialen Actionszenen wiederspiegelt. Gutes Beispiel ist eine Verfolgungsjagd durch die Innenstadt von Kuala-Lumpur, in der Michelle Yeoh auf einem fahrenden LKW eine Reihe halsbrecherischer Stunts absolvieren muss – da werden sogar Erinnerungen wach an Chans legendäre Busverfolgung des ersten Teils. Nicht minder spektakulär ist das Finale auf einem fahrenden Zug, das mit allem aufwartet was das Herz des Actionfans höher schlagen lässt.
Vielleicht unterscheidet sich „Police Story 3“ gerade deshalb einwenig von den ersten beiden Teilen. Martial Arts spielt dieses Mal nur eine ziemlich untergeordnete Rolle und kommt auch nur vereinzelt zur Geltung, wenn dann aber immer passend und solide choreographiert. Chan selbst kann zwar nicht mit solch legendären Stunts und Fights aufwarten wie in früheren Filmen, die lebensmüde Hängepartie an einem Helikopter ohne Netz und doppelten Boden entschädigt dann aber doch ganz ordentlich. Tongs Anlehnung an amerikanisches Actionkino ist deutlich zu spüren, insbesondere bei der Inszenierung. Es wird deutlich mehr Wert auf Explosionen und Waffengewalt gelegt als man es sonst von Jackie kennt. Eigentlich sind das Hilfsmittel die Jackie nie brauchte und deshalb etwas befremdlich wirken. Auf der anderen Seite verleihen gerade diese Elemente der Reihe frischen Wind und sind gut in die Handlung platziert, welche im Übrigen für Jackies Verhältnisse durchaus gelungen ist.
Zur Abwechslung spielt der dritten Teil der Reihe nur zu Beginn im heimatlichen Hongkong und begibt sich recht schnell aufs kommunistische Festland, anschließend nach Malaysia. Chan wird von seinem Vorgesetzten (wieder gespielt von Bill Tung) als Undercoveragent eingesetzt um ein Drogensyndikat auszuheben. Unterstützung erhält er vom chinesischen Geheimdienst (verkörpert von Michelle Yeoh). Wieder mit dabei ist auch wieder Maggie Cheung als Jackies Freundin, zusammen mit Bill Tung die einzigen Charaktere die auch schon in allen vorangegangenen Filmen zu sehen waren. Ihr Auftauchen sorgt auch dieses Mal wieder für einige Lacher, die überraschend gut funktionieren. Glücklicherweise ist vom Hampelmann-Klamauk hier recht wenig zu sehen, was wohl ebenfalls ein Verdienst von Stanley Tong ist.
Fazit:
Fans von Jackies Cop-Reihe kommen auch im dritten Teil wieder ganz auf ihre Kosten. Mit Stanley Tong nimmt Jackie zudem ein internationaleres Publikum ins Visier, was sich an der geradlinigen und schnörkellosen Umsetzung zeigt. Im Gegensatz zum inoffiziellen vierten Teil First Strike ist „Police Story 3“ deutlich abwechslungsreicher und wartet mit der besseren Action auf.