Es ist der erste Spielfilm unter der Regie von Russel Crowe, der, einer wahren Begebenheit folgend, die Schlacht von Gallipoli thematisiert. Ridley Scott war ihm offenbar ein starkes Vorbild, denn Crowe orientiert sich bei seinem Nachkriegsdrama auf die Stärken von "Gladiator".
Im Jahre 1919 verliert der australische Farmer Joshua Connor (Crowe) plötzlich seine Frau, nachdem seine drei Söhne vor vier Jahren in der Türkei als gefallen gemeldet wurden.
Kurzerhand reist er nach Istanbul und trifft hier auf die Hotelmanagerin Ayshe (Olga Kurylenko) und ihren zehnjährigen Sohn Orhan (Dylan Georiades), welcher Connor zum damaligen Befehlshaber Hasan (Yilmaz Erdogan) führt. Umgeben von pedantischen Briten und einigen merkwürdigen Einheimischen gestalten sich Connors Nachforschungen zusehends beschwerlicher...
Rund 100 Jahre nach der Schlacht von Gallipoli, welche beispielhaft für das sinnlose Blutvergießen des Ersten Weltkriegs ist, da hier beinahe die Hälfte aller im Einsatz befindlichen Soldaten starben, ist es zunächst einmal löblich, die historischen Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Crowe klammert allerdings einige Randdaten aus, so dass es schwer fällt, für geschichtlich weniger bewanderte Zuschauer einen Kontext zu finden, zumal er die 1919 verübten Genozide an den Armeniern völlig außen vor lässt und den sich anbahnenden Griechisch-Türkischen Krieg lediglich andeutet.
Gelungen ist indes, dass zu keiner Zeit Partei ergriffen wird, sondern Einzelschicksale Emotionalität einfließen lassen, wenn auch nicht immer günstig gewichtet.
Denn die anberaumte Romanze zwischen Connor und Ayshe verhindert zeitweilig die Konzentration aufs Wesentliche und obgleich das Zusammenspiel zwischen Orhan kleinere Aufheiterungen beschert, - die reine Suche im einst osmanischen Reich und im Unbruch befindlichen Land hätte wahrscheinlich weitaus mehr Spannung aufkommen lassen.
Denn die epischen Bilder von Kameramann Andrew Lesnie ("Herr der Ringe") sind teilweise weltklasse und in nahezu jeder Einstellung gelungen. Hinzu gesellen sich eine tolle, oftmals in goldgelb gehaltene Farbgebung, unglaublich detailreich ausgestattete Kostüme und eine hochkarätige Besetzung, bei der neben Crowe selbst auch Erdogan und Jai Courtney in Nebenrollen brillieren.
Beim Stoff mit starken Bildern, einem willensstarken Einzelgänger und einem abwechslungsreichen Score wähnt man zeitweilig sogar die Stimme von Lisa Gerrard zu vernehmen, aber so gänzlich lassen sich Vorbilder eben nicht abschütteln.
Für ein historisch korrekt bebildertes Antikriegsdrama macht es sich Crowe einerseits zu einfach, indem er halbgare Fakten einbindet und wesentliche Tatsachen weglässt, andererseits verleiht er dem Treiben eine menschliche Komponente, welche lediglich mit der angedeuteten Liaison daneben greift. Ansonsten liefern die 111 Minuten Laufzeit mehrheitlich ansehnliche Unterhaltung, - ein besseres Drehbuch und Crowe steigt auf seine nicht mehr ganz so jungen Jahre vielleicht noch zu einem Tausendsassa wie Clint Eastwood auf...
6,5 von 10