kurz angerissen*
Immerhin: Verglichen mit den vielen anderen Eltern-Kind-Trauma-Gruselfilmen, mit denen man in letzter Zeit überschwemmt wird („The Other Side Of The Door“, „Visions“, „Shutter“) weiß „Before I Wake“ zumindest mit erhöhten Produktionswerten und mehr Sorgfalt im Drehbuch zu punkten. Obwohl Kate Bosworth keine besonders ausgefeilte oder herausragende Leistung abliefert (Thomas Jane, der eher durch seine seltsame Frisur als durch pointierte Spielweise auffällt, erst recht nicht), erlaubt Mike Flanagans einfühlsame Regie durchaus, dass man sich in ihre Situation hineinversetzt und die Sehnsucht nach der Sicherheit einer normalen Familie nachfühlen kann.
Mit Schmetterlingen aus dem Rechner und bunten Leuchteffekten in dunkel gestrichenen Wohnwänden bedient er zunächst einmal eher das melancholische Drama als den Horror. Gesetzt den Fall, dass man die nötige Geduld aufbringt, wird dieser Kontrapunkt durchaus effektiv umgesetzt; droht die Stimmung nämlich zu kippen, so geschieht dies mit einem lauten Grummeln im Magen.
Weniger ist der Buhmann dafür ein Garant, eine typische, aus einzelnen Partikeln zusammengesetzte CGI-Flatterfigur, sondern vielmehr der verstorbene Sohn, der als Manifestation der Träume des Adoptivsohns mal als kleiner Schatten in der Ecke, mal als falsch lächelnde Vergangenheitsprojektion oder mit großen starren Augen auftaucht und wieder verschwindet.
Subplots mit Anknüpfpunkt an die Realität, hier die Vermittlung des Adoptivsohns durch eine Sozialarbeiterin (Annabeth Gish), gehören wohl irgendwie dazu, sind aber zu den entbehrlichen Momenten zu zählen. Glücklicherweise konzentriert sich das Skript hauptsächlich auf das Treiben im Haus und überrascht auch mal mit unvorhergesehenen Wendungen und später im Akt der Aufklärung mit manch netter Bildkomposition (immer an der Grenze zur künstlichen Überstilisierung).
Die Auflösung muss trotz allem als konstruiert bezeichnet werden, auch wenn es zu diesem Thema noch wesentlich negativere Beispiele gibt; überhaupt ist es meistens einfach schöner, die Dinge im Dunkeln zu lassen. „Before I Wake“ kann der Versuchung nicht widerstehen, das Bild mit den letzten Puzzleteilchen zu komplettieren, ist aber dennoch einer der wenigen sehenswerten Vertreter seiner Art, die man momentan zu sehen bekommt.
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