Review

Es ist häufig ein cleverer Schachzug, episodenhafte Geschichten zeitlich und örtlich verschachtelt zu erzählen, wie man es von Streifen wie "8 Blickwinkel" oder diversen Werken von Tarantino kennt. Der Österreicher Thomas Woschitz lässt es in seiner Tragikomödie verhältnismäßig ruhig angehen und punktet mit einer recht düsteren Atmosphäre, wogegen die dünne Handlung nicht allzu spannend ausfällt.

Vier Personen im Kärntner Hinterland sind auf der Suche nach einer Kehrtwende: Lippo wird nach vielen Jahren von seinem Chef im Wettbüro gekündigt und will Rache, Dagmar hat Mietschulden und arbeitet an einer Tankstelle, welche ihr Freund mit der soeben gefundenen Waffe überfallen soll und Mechaniker Karl und sein Kumpel Rizzo finden einen Beutel mit Geld, womit die Probleme erst anfangen...

Drei Autounfälle sind größtenteils Auslöser für die Schicksale der Protagonisten, welche sich teilweise gar nicht begegnen und von daher nicht wirklich konsequent miteinander verwoben sind. An den Dialekt muss man sich allerdings erst eine Weile gewöhnen, da die Laiendarsteller keinen Hehl um ihre Herkunft machen und sich entsprechend nuschelig durch die Gegend bewegen.

Der Erzählfluss ist durchgehend ruhig, - umso wuchtiger erscheinen plötzliche Skurrilitäten, wie etwa ein vom Himmel fallendes Auto oder ein sich lösender Schuss. Allerdings gibt es auch einige völlig redundante Momente, komplett unnötige Einstellungen und ein paar Dialoge ohne Aussage, was stets den Fokus wanken lässt. Zwar passt sich der ausgezeichnete Score der düsteren Grundstimmung an, doch ein wenig Leerlauf ist trotz der kurzen Laufzeit von 80 Minuten wahrnehmbar.

Dennoch punktet ab und an der schwarze Humor, denn natürlich gehen nahezu alle Unterfangen nach hinten los, sind von Pleiten und Pech durchzogen oder vom ungünstigen Timing, denn im namenlosen Hinterland, dessen Dreh- und Angelpunkt die schäbige Tankstelle ist, spiegelt sich ein recht überschaubarer Kosmos wider.
Da fällt eine serbische Blaskapelle im Reisebus natürlich regelrecht auf und auch die Tatsache, dass in und um die Tankstelle herum massiv geraucht wird, während typische Säufer stundenlang in der Tanke abhängen. Manche Situationen wirken beinahe so, als sei Tarantino auf Helge Schneider gestoßen.

Leider fallen die Pointen durchweg flach aus oder enden ohne sonderliche Aussage. Teilweise scheint der Weg das Ziel zu sein, was die Betonung auf diverse groteske Situationen untermauert. Action und Spannungsmomente sind demgegenüber kaum auszumachen, - obgleich die Unfälle recht sauber in Szene gesetzt sind.
Die Laien machen ihre Sache recht überzeugend, zumal ihr Spiel deutlich zur Authentizität beiträgt, - viel wird ihnen allerdings auch nicht abverlangt.

Nicht erst am Ende sollte man sich entscheiden, ob man entsprechende Untertitel wählt oder die Lautstärke entsprechend erhöht, denn der Dialekt ist für hochdeutsche Hörgewohnheiten nicht ohne. Wenn man sich dann noch auf die ruhige Erzählweise mit etwas Stillleben gewöhnt, erhält man ein passables Gesellschaftsdrama mit ein wenig Humor, kleinen Krimianleihen und einer Handvoll irrwitziger Situationen. Teils etwas trocken und nicht immer fokussiert, aber phasenweise recht unterhaltsam.
Knapp
6 von 10

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