Nachdem das Paranormale mittlerweile jedes zweite Wohnhaus in den Staaten umschlungen hat und der letzte Exorzismus sogar bis Anneliese M. vordrang, ist es mal wieder Zeit, ein wenig in die Vergangenheit zu reisen, um zumindest auf pseudo-dokumentarische Weise in die Siebziger einzutauchen.
Von 1973 bis 1976 leitete Dr. Henry West das titelgebende Institut, in dem er an Probanten telepathische und telekinetische Fähigkeiten austestete. Als eine gewisse Judith Winstead vorstellig wird, scheint die Dame in ihrer Apathie eine eher durchschnittliche Patientin zu sein, doch schließlich stellen die Wissenschaftler Fähigkeiten fest, welche sogar das Militär auf den Plan rufen...
Autor und Regisseur Chris Sparling beweist ein treffsicheres Gespür für die Zeit der Siebziger und den entsprechenden technischen Möglichkeiten. Die im kontrastarmen Gelb gehaltenen Archivaufnahmen im Institut wirken absolut authentisch, hinzu gesellen sich Fotos und Standbilder mit entsprechenden Abnutzungserscheinungen, lediglich die zeitgenössischen Interviewfetzen, in denen Zeitzeugen damalige Ereignisse erörtern, benötigen keine Verfremdungen.
Die Siebziger sind rein thematisch insofern interessant, als dass die Wissenschaft des Paranormalen seinerzeit wenige effiziente Mittel zur Erforschung kannte. Da wird noch mit Trennwänden und Symbolkarten gearbeitet und sollte jemand das Institut täuschen wollen, so funktioniert immer noch der Trick mit einem Magneten. Als Judith untersucht wird, schleicht sich indes eine bedrohliche Stimmung ein, da sofort klar wird, dass diese Dame mit ihrer latent schiefen Körperhaltung mehr kann, als nur Löffel zu verbiegen.
Klar wird allerdings auch, worauf die Sache hinausläuft, spätestens als Überwachungskameras festhalten, wie ein Student während einer Wache fluchtartig den Raum verlässt und Judiths Artikulationen ungewöhnliche Ausmaße annehmen, woraufhin die Patientin nur noch mit "Es" betitelt wird.
Aufgrund diverser Verfremdungen und bildtechnischer Defizite kommen einige Momente durchaus spooky, während die Interviewparts im letzten Drittel glücklicherweise etwas weniger werden, um während des Showdowns komplett auf die Ereignisse im Institut fokussiert zu sein.
Performt wird durch die Bank solide, fast schon ein wenig zu nuanciert spielen jene Mimen in den Interviews, wogegen Rya Kihlstedt als Judith eine großartige Performance hinlegt und mit vollem Körpereinsatz das latent Unberechenbare effektiv transportiert.
Der eher zurückhaltende Score fügt sich dem vermeintlich nüchternen Stil der Mockumentary und obgleich sich das Werk ein wenig wie Found Footage anfühlt, bleibt die Kamera meistens angenehm ruhig, zuweilen jedoch auch in etwas größerer Distanz, was die wenigen Effekte natürlich leichter umzusetzen lässt.
Sonderliche Abwechslung bringen paranormale Mischungen seit einiger Zeit kaum noch, doch in Kombination mit diversen Genreanleihen geht "The Atticus Institute" als kurzweiliger, weil auch nur knapp 80 Minuten langer Streifen durch, bei dem die beklemmende Atmosphäre deutlicher punktet als die eher vorhersehbare Geschichte.
6 von 10