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Anders als in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo sich das Medium der Fernsehserie erst in den letzten wenigen Jahren eine Bedeutsamkeit erkämpft hat und davor eher als Niedergang von Karriere und Kultur betrachtet wurde, hatte in HK das Fernsehen vor allem in den Achtzigern und Neunzigern bereits seinen Stellenwert. Die Ausbildungsstätten von vor allem Television Broadcasts Limited, aber auch Asia Television galten lange Zeit als Sprungbrett für Mehr und als Lieferanten auch von Qualität, selbst später im Kino populäre Darsteller hatten keinerlei Probleme damit, nebenbei für die sogenannte kleine Mattscheibe zu arbeiten oder Lohn und Brot gar hauptsächlich damit und gutdotierten Verträgen zu verdienen. Erfolgreiche Kinofilme vor allem im Wuxia-Bereich müssen sich gar jederzeit mit den wesentlich ausführlicheren und enger an die Vorlage halten könnenden Serien in der Gunst der Zuschauer messen und stellen so eben nicht den Vorteil von Geld, Talent und Größe, sondern nur eine andere Variante der Erzählung, ein anderes Medium, gleichwertig, nicht höherrangig und herabschauend dar.

Ein Zusammenschluss von TVB mit den Shaw Brothers Studios als Co-Produzent für das auch anberaumte Kinogeschäft dabei als logische Konsequenz, wobei 2009 die damals äußerst beliebte Emergency Unit zu dem Neunzigminüter Turning Point als Spinoff verwandelte wurde und 2011 das gleiche Spiel mit Lives of Omission zum Sequel Turning Point 2 geschah. Triumph in the Skies wiederholt die Formel, in einem anderen Genre, aber mit ähnlichem Sinn:

Nach der Übernahme der Fluggesellschaft „Skylette“ durch den gleichsam auch als Piloten arbeitenden, allerdings auch schwerreichen Branson Cheung [ Louis Koo ] wird dessen alter Freund und neuer Angestellter Sam Tong [ Francis Ng ] dazu verdonnert, auch bei der anlaufenden Werbekampagne mit der berühmten Sängerin und Rock/Popidol TM [ Sammi Cheng ] mitzuwirken. Dumm nur, dass Sam die von ihrer Arbeit und der Berufshetze schwer Gestressten kurz zuvor wegen Zuspätkommens am Terminal die kalte Schulter gezeigt hat und ohne sie und Entourage abgeflogen ist. Umso schöner, dass die Chemie nunmehr zu stimmen scheint und sich die Beiden bei einem zufällig gemeinsamen England- Aufenthalt nunmehr umso näher kommen. Ähnliches hat auch Branson mit seiner früheren Freundin und der jetzigen Stewardess Sze [ Charmaine Sheh ] und der Privatflugzeuge zu Parties kutschierende Jayden Koo alias „Captain Cool“ [ Julian Cheung ] mit der flippigen Feiermieze Kika [ Amber Kuo ] vor.

Dabei ist der Film problemlos ohne die Vorgeschichte und Vorkenntnisse der beiden serial drama Triumph in the Skies (2003) und Triumph in the Skies II (2013) goutierbar, wirkt aber ohne deren Hintergründe leider doch alleinstehend für sich in der großen weiten Welt und so noch blasser und leerer als das Endprodukt so schon ist. Die Übernahme ein Teil der Darsteller, ihrer Figuren und bisherigen Erlebnisse, wobei letzteres natürlich nicht extra noch einmal zusammengefasst wird und so für das unbewusste Publikum auch nicht vorhanden ist, trägt zu einer gleichzeitigen Weiterführung als auch eben Neuerzählung von Beginn an, einer abgeschlossenen Handlung im großen Universum des Lebens bei.

Das Mittel der Wahl ist dabei die Romantik, die fliegende Seifenoper in drei und mehr Konstellationen, was angesichts der Beteiligten vor und vor allem auch hinter der Kamera und dem hier gebotenen Aufwand von Produktion und Inszenierung leider viel zu wenig und in demselben Augenblick auch viel zu drüber, wie eine Parodie darauf, und wie der "overkill of romance" ist.

Denn aussehen tut das Werk von Matt Chow und Wilson Yip – zwei Kompagnons von früher, wobei der Eine damals Ruhm und Anerkennung nötig hatte und dafür der Andere dies dringend jetzt – wie geleckt. Geschniegelt und gestriegelt, hübsche Menschen noch schöner und göttlich als Idol eingefangen und vor ebensolchen Posen und Landschaften und Dekorationen, wie das perfekte Bilderbuch, das fotografierte Poesiealbum, den Reise- und den Werbeführer gesetzt. Ein glänzendes Stück Zelluloid, was zwar durch Farbfilter und Überschärfungen und Licht bis zur Überleuchtung niemals echt, aber halt umso erhabener, dem Auge hold, wie die Wohltat für das Visuelle aussieht. Teilweise funktioniert dieser hohle Schein auch, spricht es tatsächlich die (optischen) Sinne an und wirkt edel für das Gemüt, täuscht aber leider niemals über das Blasse darunter und die schnöde Langeweile all dieser 'Konflikte' und 'Begebenheiten' und dem Austausch von Phrasen und Palaber hinweg.

So sind die drei Paarungen, denen man folgt und dessen Weg zum vielleicht gemeinsamen Glück man zusieht, schon uninteressant und wird jedes halbwegs Bedeutsame entweder gleich totgequatscht oder im dusseligen Popsong nebenbei genauso kommerziell in die flache Breite gezogen und die Eintönigkeit gerückt. Überhaupt ist die lange Songlist mit drei Dutzend an Pop-, Bubblegum- und Fahrstuhlmusik schon der erste große Nervtöter für sich, während sich in Bälde auch das Ensemble selber in diese gefährliche Nähe des Zukleisterns drückt. Denn leider ist alles nur Behauptung und Attitüde, nur Hochglanz und Klarlackprofil, nur Mäzchen der Regie, die selber daran nicht glaubt und deswegen auch nur so tun kann als ob. Die Leute auf der Leinwand haben kein Leben, nur Silhouette, aber keine Kontur. Alle haben sichtlich zuviel Zeit und nichts Richtiges zu tun, was ihnen überhaupt die Muße für diese 'Dispute' und sonstigen Redereien, die Spielchen um Anziehung und Ablehnung und das Dahinschweben im Kosmos der postulierten Gefühle gibt.

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