Wenn man der amerikanischen Filmlandschaft der Achtziger sicherlich eins nicht vorwerfen kann, dann, dass sie zuviel schwer verdauliche, weil anspruchsvolle Filmkost auf ihr Publikum losließ. „The Wraith“ ist da ein herrliches Beispiel, gerade weil er so hoffnungslos in seiner Dekade hängen blieb, schon damals nicht die Biege bekam und deswegen heute erst recht aufgrund seines naiven Trashcharmes belächelt werden kann. Mich jedenfalls versetzen diese Filme immer wieder in Verzückung.
Charlie Sheen, der im gleichen Jahr dann mit „Platoon“ seinen Durchbruch feiern konnte und in die Fußstapfen seines Vaters Martin („Apocalypse Now“) trat, trudelt hier in einer Kleinstadt mitten in der Wüste Arizonas ein, und macht sich als Neuling sogleich daran die liebenswerte Keri (Sherilyn Fenn, „Ruby“, „Darkness Falls“) anzubaggern. Nun wird sie aber vom lokalen Rowdie Packard Walsh (Nick Cassavetes, „Delta Force 3: The Killing Game“, „Class of 1999 II: The Substitute“) ständig auf den Beifahrersitz gezwungen und darf deswegen gar nicht mit ihm anbandeln. Da drängt sich ein Konflikt förmlich auf...
„The Wraith“ ist doof, aber so richtig und wer sich hier nicht nach wenigen Minuten zusammenreimen kann, wer in diesem schwarzen Wunderauto steckt, das alsbald die Straßen der Kleinstadt unsicher macht, sollte sich ernsthaft fragen, ob Filme gucken das richtige Hobby für ihn ist.
Mal ganz davon abgesehen, dass dieses Wunderauto irgendwie vom Himmel kommt, verschwindet und dann plötzlich beliebig wieder auftaucht, ist der Film Schonkost für das Gehirn. Denn der Ablauf ist einfach wie simpel. Dieser ominöse Wagen, seinerzeit ein Prototyp von Chrysler, fordert halt ständig provokant Packard und seine P.S. – Gang zum Fahrduell auf, rast mit einem um die Wette, stellt sich quer auf die Fahrbahn und lässt seinen Kontrahenten feurig-explosiv sterben, um, wie von Wunderhand, unbeschädigt aus den Trümmern zu tuckern und sich den nächsten vorzunehmen.
Dieser Ablauf ist einsilbig wie vorhersehbar und gerade deshalb gewinnt der Film bei mir die dringend benötigten Sympathien. Zu Mucke der Achtziger (Billy Idol, Ozzy Osbourne) wird, festgehalten von immerhin recht rasanten Kamerafahrten, durch die wüste, karge Einöde gefetzt, denn als Jugendlicher hat man dort ohnehin nichts Besseres zu tun, außer vielleicht am Badesee zu liegen oder an der lokalen Frittenbude (mit Rollschuhbedienung!) etwas für den Cholesterinspiegel zu tun. Die naive Ansammlung von Klischees und die damit verbundene kitschige Romanze zwischen Charlie Sheen und seinem Engelchen sind kaum überbietbar.
Die Idylle trüben nur eben immer wieder Walsh und seine Gang, die in zwei Fällen dem geistigen Niveau von Beavis und Butthead entsprechen. Denn der Walsh ist nun mal eine hundsgemeine, die Schwächeren terrorisierende, aber feige, Sau, der sich an Angst vor ihm ergötzt und nur mit Vollmeisen umgibt, was für die wiederum dank des schwarzen Autos reichlich ungesund ist.
Während Sheriff Loomis (Randy Quaid, „Days of Thunder”, „Hard Rain”) jeweils nur noch die rätselhaft entstellten Leichen einsammelt und Walsh beziehungsweise dessen Bande eher halbherzig ins Gewissen redet (Immerhin befreit der Unbekannte ihn vom lokalen Abschaum..), geht der Rächer schon in die Vollen, deutet mit einem Auftritt auf dem Friedhof schon mal einiges an und besucht gleich zweimal die Schrauberbude der Gang, um sie dem Erdboden gleich zu machen.
Nach Nachvollziehbarkeit und Hintergründe wird nie gefragt. Woher das Auto nun kommt, was dieser Anzug mit den vielen Schläuchen nun eigentlich soll und warum die Narben auf Sheens Rücken eigentlich keine bedeutende Rolle spielen, interessiert auch nicht. Dementsprechend fallen auch in etwa die mauen Leistungen der Darsteller aus, die mit ihren Figuren deutlich unterfordert zu sein schienen.
Doch dafür gibt es immerhin den unverfälschlichen Flair der Achtziger, kompetente Arbeit der fleißigen Pyrotechniker, schicke P.S. – Monster und so skurrile Schauplätze wie der Flugzeug- und Hubschrauberfriedhof.
Fazit:
Alles in allem, ist „The Wraith“ ein sehr wilder, ungestümer Mix aus Teeniedrama, Revenge-Story und Science-Fiction-Elementen, der halbgar zusammengekleistert wurde und seine Müh’ und Not hat, sich über die Runden zu retten, denn das Skript ist wirklich arg dünn und macht aus seinen Anschlussfehlern oder fehlender Logik nie einen Hehl. Regisseur und Drehbuchautor Mike Marvin, sonst eher ein Mann für das Fernsehen, vergaß sogar solche eigentlich elementaren Dinge, wie die Enthüllung der Identität des Rächers gegenüber seinem Peiniger vor dem finalen Duell, zumal Flashbacks ja genau darauf hinarbeiten.
Letztlich empfehle ich den Film nur Zuschauern, die sich wirklich als Fans der Achtziger outen, denn anders lässt sich „The Wraith“ kaum noch ertragen. Der Plot ist einfach zu hohl, die Geschichte zu dümmlich (weil sie nicht ansatzweise um Erklärung bemüht ist und nahezu transparent erscheint) und die zumindest souverän inszenierte Action nicht von Höhepunkten geprägt wird. Das Actionkino der Achtziger steckte voller Rennen oder Verfolgungsjagden, die weitaus spannender und spektakulärer waren...