Review
von Leimbacher-Mario
Mehr 80er als Schulterpolster
„Interceptor“ aka „The Wraith“ hat keine auch nur halbwegs glaubhafte Story, keine allzu guten Darsteller, keine nachvollziehbare Charakterentwicklung, keine echten Sympathieträger oder gar Heldenfiguren, keine qualitativ hochwertigen Rocktracks, keinen legendären Schauspieler, keine Chemie im Cast, keine angsteinflössenden Bad Guys, keinen echten Konflikt und keine Auflösung, die Sinn ergibt, sobald man länger als drei Sekunden über sie nachdenkt. Und dennoch ist das krachende Charlie Sheen-Vehikel einer meiner 80er-Jahre-Lieblinge in derselben Schublade wie etwa „Road House“ oder „Savage Streets“. Es geht um einen futuristischen Phantomwagen und seinen aus dem Jenseits zurückgekehrten Fahrer, der sich Mann für Mann an der Gang rächt, die ihn kaltblütig ermordet hat...
Was mich an diesem leicht senilen Fantasy-Actioner fasziniert? Dass er sich nie für seine Oberflächlichkeit schämt, auf diese sogar eher noch stolz ist. Dass er ideal als Musikvideo funktionieren könnte. Dass er sein Jahrzehnt käsig zelebriert. Dass er Overacting groß schreibt und belohnt. Dass seine Autoduelle noch handgemacht sind. Dass er Sheen noch als Held aufbauen konnte. Dass der Soundtrack auf Vinyl in meine Sammlung muss. Dass es viele Hamburger zu essen gibt. Dass das Mädel ultraheiss ist. Dass einem nie langweilig wird. Dass die Bösen völlig verdient ihr Fett wegkriegen. Dass er all seine Schwächen und Unzulänglichkeiten vergessen macht. Dass er geile Karren bietet. Dass er unfähige Cops zeigt. Dass damals Männer noch bauchfrei tragen konnten. Das Poster. Dass er eine bizarre Mischung aus „Knight Rider“ und „The Exterminator“ ist. Dass ich ihn noch immer jedem „Fast & Furious“ vorziehen würde. Und dass „Interceptor“ einfach rockt!!!
Fazit: eher Musikvideo als Film, eher 80s-Collage als Sinn, eher Guilty Pleasure als Qualitätsfilm - und trotz allem ist „Interceptor“ einfach ein geiles Geschoss! Manche Filme muss man fühlen, nicht verstehen.