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ACHTUNG SPOILER!


HANDLUNG:

Seit einigen Monaten hält eine Bande von Auto-Rockern die Kleinstadt Brooks in Arizona in Atem. Sie überfallen Pärchen und Einzelgänger und zwingen sie unter Gewaltandrohung zu illegalen Autorennen auf den Highways. Wetteinsatz ist das jeweilige Auto. Aber gegen die getuneten Maschinen der Rocker haben die Opfer keine Chance und so müssen sie ihre Fahrzeuge widerwillig abgeben. In ihrer abgelegenen Werkstatt motzen die Autodiebe die so “gewonnenen” Autos ebenfalls auf, um sie entweder bei weiteren Rennen einzusetzen oder zu verkaufen. Wenn sie keine Rennen veranstalten oder in ihrer Werkstatt arbeiten, hängen sie im örtlichen Burger-Imbiss ab. Dort arbeitet die hübsche Keri Johnson (Sherilyn Fenn), die sich Packard Walsh (Nick Cassavetes), der egozentrische und gewalttätige Anführer der Bande, als Freundin auserkoren hat. Packard kommandiert seine Bande nicht nur mit harter Hand, sondern ist auch für seine Eifersucht berüchtigt. Deshalb ist es Keri kaum möglich, sich dieser aufgezwungenen Beziehung zu entziehen.

Die illegalen Autorennen sind auch dem ansässigen Sheriff Loomis (Randy Quaid) nicht entgangen. Er lässt den kaum beeindruckten Packard und seine Gang wissen, dass er sie beobachtet. Da Loomis jedoch kurz vor seiner Wiederwahl steht, hält er lieber die Füße still und tut die Auseinandersetzungen als Streitigkeiten zwischen Halbstarken ab. Doch das ändert sich bald.

Nachdem Billy Hankins (Matthew Barry), der Betreiber des Imbiss und Bruder von Keris ermordeten Freundes Jamie, von Packard zu einem Rennen herausfordert wird, weil er Keri nach Hause fahren wollte, taucht plötzlich ein schwarzer Turbo Interceptor mit verdunkelten Scheiben auf. Der futuristisch anmutende Sportwagen weckt umgehend Packards Aufmerksamkeit und der unbekannte Fahrer wird seinerseits zu einem Rennen herausgefordert. Dies endet für Oggie Fisher (Griffin O’Neal), den Fahrer der Gang, allerdings durch einen provozierten Zusammenstoß tödlich. Mysteriöserweise werden am Unfallort keine Trümmer des anderen Fahrzeugs gefunden. Trotz der Explosion ist Fishers nackte Leiche nahezu unversehrt; nur die Augen sind nicht mehr vorhanden.

Gleichzeitig mit dem Auftauchen des Turbo Interceptors erscheint ein ebenfalls unbekannter Motorradfahrer namens Jake Kesey (Charlie Sheen), der sehr schnell freundschaftlichen Kontakt zu Keri aufnimmt. Das bleibt Packards rasender Eifersucht nicht unentdeckt und er beauftragt seine Kumpanen, die beiden zu beobachten und sich um den Neuling zu kümmern. Doch Packard und seine Bande erhalten eine eindringliche Botschaft vom Fahrer des offenbar unzerstörbaren Turbo Interceptors. Als das nicht ausreicht, taucht er eines Nachts in der Werkstatt auf und schießt die ganze Ausrüstung zusammen. So kommt es zu einem weiteren Rennen mit tödlichem Ausgang, was den Sheriff auf den Plan ruft. Loomis lässt mit einem Aufgebot an Polizisten Straßensperren errichten. Aber der Turbo durchbricht diese mit Leichtigkeit und ohne die geringste Beschädigung. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd löst sich der Turbo in mehreren Lichterscheinungen auf, die sich wie Sterne am Himmel bewegen und sich an anderer Stelle wieder als Auto zusammensetzen.

Rughead (Clint Howard), der Mechaniker der Gang, bekommt es offenkundig mit der Angst zu tun. Er ahnt, dass das Auftauchen des Turbos mit Jamies Ermordung zusammenhängen muss und will sich aus dem Staub machen. In diesem Moment rast der Turbo in die Tuningwerkstatt und zerstört diese in einer gewaltigen Explosion. Nachdem der Turbo unbeschadet davonfährt, sucht der fassungslose Rughead nach seinen Freunden Skank (David Sherrill) und Gutterboy (Jamie Bozian), die sich noch in der Werkstatt aufgehalten haben. Aber sie sind spurlos verschwunden.

Unterdessen hat sich zwischen Jake und Keri eine Liebesbeziehung angebahnt, die Keri ermutigt, sich gegen Packard zu stellen. Da dieser nunmehr auf sich allein gestellt ist, entführt er kurzerhand Keri und will mit ihr die Stadt verlassen. Während der Fahrt konfrontiert Keri Packard mit dem Mord an ihrem Exfreund Jamie, den Packard schließlich eingesteht. Plötzlich taucht der Turbo Interceptor wieder auf und fordert Packard zum alles entscheidenden Rennen heraus, bei dem er schließlich sein Leben lassen muss.

Am folgenden Abend gibt sich Jake gegenüber Keri als Fahrer des Turbo Interceptors und Reinkarnation des ermordeten Jamie zu erkennen. Da sein Rachefeldzug beendet ist, überlässt er das Auto seinem Bruder und verlässt mit Keri die Stadt, um ein neues, zweites Leben zu beginnen. 


KRITIK:

Liebe überwindet alles - sogar den Tod! In wie vielen Ausführungen hat man sich mittlerweile dieser Thematik angenommen? Nach seinem Spielfilmdebüt HAMBURGER - THE MOVIE (1986), einer schrillen Mixtur aus Fast-Food-Satire und College-Klamotte, versuchte der Neuling Mike Marvin, das Thema mit einer Maschinerie gut geölter und PS-starker Motoren in dynamischere Gefilde zu bewegen. Mit Hilfe eines umgebauten Dodge und einer auf den ersten Blick absolut durchschaubaren Rachegeschichte machte er sich daran, die abgelegenen Straßen in Tucson, Arizona unsicher zu machen. In der Titelrolle des rasenden Racheengels steuert ein sehr junger Charlie Sheen, der noch im selben Jahr mit PLATOON seinen internationalen Durchbruch feiern konnte, einen schwarzen Turbo Interceptor aus dem Jenseits kosmischer Dimensionen zurück ins Diesseits, um an einer Bande von durchgeknallten Auto-Rockern Vergeltung zu üben, von denen er zu Lebzeiten um die Ecke gebracht wurde. 

So kurz und bündig sich die Geschichte zusammenfassen lässt, so oberflächlich ist leider auch die Inszenierung. Gerade in der Mitte der 1980er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts war die amerikanische Popkultur von stilvollen Oberflächlichkeiten geprägt, die auch vor Hollywoods Rand-Studios keinen Halt gemacht haben. INTERCEPTOR macht da keine Ausnahme, sondern könnte sogar als ein Paradebeispiel dafür dienen. Ob die an Kitsch überschäumende Liebesgeschichte oder die hanebüchenen Charakterzeichnungen und absolut nervigen Figuren mit dem Tiefgang einer Untertasse (insbesondere Skank, der sich, statt Alkohol, alles Mögliche an Motorflüssigkeiten hinter die Binde kippt), Mike Marvin bedient sämtliche Klischees eines dämlichen Teenager-Films inklusive Badeszenen und Szenetreffs an der Burger-Bude. 

Alles geht Hand in Hand mit einer absoluten Vorhersehbarkeit der Handlung. Wer ahnt nicht bereits im ersten Moment, dass das Phantom in seinem futuristisch anmutenden Flitzer insgeheim der wie aus dem Nichts auftauchende Junge mit dem Motorrad ist? Ebenso wenig überraschend ist der Ausgang der Geschichte. Nachdem er seine Aufgabe erfüllt hat, schnappt sich der Rächer seine Süße und braust mit ihr gen Sonnenuntergang, fort von all dem Schrecken der Vergangenheit, um ein neues Leben anzufangen. Wieso Marvin aber dann ausgerechnet auf eine essentielle Abfolge zum Ende hin - als dramatischen Höhepunkt die Preisgabe der Identität des Rächers gegenüber seinem Erzfeind - nicht berücksichtigt hat, bleibt ein Rätsel.

Neben Sheen stechen eigentlich nur Nick Cassavetes als tyrannischer, aber im Grunde feigen Bandenchef Packard und Randy Quaid in der Rolle des Möchtegern-Sheriff aus dem Cast heraus. Cassavetes sah man nachfolgend beispielsweise in BLACK MOON (1986), wo er Bekanntschaft mit einem anderen Super-Flitzer gemacht hat, und in John Woos spannungsgeladenen Action-Spektakel IM KÖRPER DES FEINDES (1997) an der Seite von Nicolas Cage und John Travolta. Quaid dürfte den meisten aus den “National Lampoon’s Vacation”-Komödien bekannt sein, wo er regelmäßig Chevy Chase als dessen heruntergekommener Cousin Eddie an den Rand der Verzweiflung gebracht hat. 

In der weiblichen Hauptrolle sei Sherilyn Fenn dennoch zu erwähnen, die vor allem durch ihre Rolle in David Lynchs außergewöhnlichen Krimi-Serie TWIN PEAKS (1989-1991) in Erinnerung geblieben sein dürfte. Weitaus bizarrer ist allerdings ihre Rolle in BOXING HELENA (1993), wo ein von ihr besessener Chirurg (gespielt von Julian Sands) sie in seiner Villa gefangen hält und ihr die Gliedmaßen amputiert. Regie führte hier übrigens David Lynchs Tochter Jennifer (nur so am Rande erwähnt).

Pluspunkte sammelt der Film bei der ordentlichen Pyrotechnik, mit der der Budenzauber in Szene gesetzt wurde, mit diversen Schauplätzen (die Schrauberhütte und Karosserie-Friedhöfe) und mit den aufgemotzten PS-Monstern, die hier durch die Wüste rasen. Auch wenn die Autorennen optisch ganz ansprechend in Szene gesetzt sind, hat man das alles schon das eine oder andere Mal woanders besser gesehen. Als Ausgleich dazu gibt es immerhin einen fetzigen Soundtrack mit passenden Beiträgen von Ozzy Osbourne, Billy Idol oder Lion auf die Ohren. Heraus sticht dabei Mark Tiemens’ verträumte Pop-Ballade “Hold On Blue Eyes”, die das Achtziger-Gefühl des Films perfekt abrundet. Womöglich hat genau dieser Umstand dem Streifen dazu verholfen, einen kleinen Kultstatus zu erlangen.

Aber das große Problem, das INTERCEPTOR hat, sind die vielen Logiklöcher. Zum Beispiel macht es überhaupt keinen Sinn, wenn in den abgebrannten Autos die Körper der toten Fahrer nackt und unversehrt gefunden werden, mit Ausnahme, dass sie keine Augen mehr haben. Fragen nach der Herkunft des Superautos, wieso Sheens Rücken mit Narben übersät ist, aber ansonsten sein Aussehen verändert ist, oder warum seine Phantom gleiche Erscheinung wie eine fetische Kreuzung aus Biker und Roboter ist, bleiben unbeantwortet. Man könnte einen Hauch von Cyberpunk und “Body Horror”-Elementen vermuten, aber gemessen am Rest des Films, dient das alles wohl nur der Coolness, die vielleicht noch minderjährige Zuschauer in Erstaunen versetzen dürfte.

Dass der generell harmlose Film hierzulande sowohl in der Kinoauswertung, als auch später die Videofassung leicht gekürzt waren, ist eine für diese Zeit übliche Zensur nichts besonderes. Zwar gibt es mal erfreulicherweise keine Handlungsschnitte, aber dafür wurden wie so oft Gewaltdarstellungen, von denen der Film weißgott nicht viele hat, um die “härtesten” Anteile entschärft. Seit seiner Einführung in das digitale Zeitalter, darf dieser kleine Kultfilm ohne Beanstandungen über die heimischen Fernseher sausen.

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