"Battle Royale" gehört, ohne Frage, zu den kontroversesten Filmen, die es in der Filmwelt gibt. Das japanische Meisterwerk um eine Gruppe Jugendlicher, die sich auf einer Insel gegenseitig umbringen müssen, erschreckte und begeisterte die Menschen auf der ganzen Welt. Klar, dass sich Japan nun nicht lumpen lässt und weitere Filme, mit höchst diskutierbaren und sozialkritischem Inhalt, auf die Menschheit loslässt. Und mit "Sucide Club" gelang dem Regisseur Shion Sono wieder ein höchst finanzieller Erfolg. Von den Qualitäten eines "Battle Roylale", ist dieses krude Allerlei aber weit entfernt.
Wie der Titel schon sagt, geht es in "Suicide Club" um Selbstmord. Genauer gesagt, um den Massenselbstmord von High-School-Schülern in Japan. Täglich bringen sich immer mehr Teenies, scheinbar unbegründet, ums Leben und die Polizei tappt im Dunkeln, bis die ersten Hinweise, auf eine mysteriöse Website kommen und sich merkwürdige Anrufer melden. Und eine nervtötende aber beliebte Teenie-Band, scheint auch mit den Ereignissen verknüpft zu sein. Was sich auf den ersten Blick recht genauso spannend und interessant wie riskant und fragwürdig anhört, entpuppt sich leider schnell als ein krudes, wie von vielen Drehbuchschreibern zusammengewürfeltes, Irgendwas, bei dem der eine Schreiber nicht weiß, was der Andere tut. Das Drehbuch ist wirr, wirkt zusammengeflickt und ohne jeglichen roten Faden. Dazu Logiklöcher noch und nöcher und überhaupt keinen Sinn dafür, das Ganze wenigstens auf einem nachvollziehbaren Weg zu lösen!
Dafür vermischt Sono hier anscheinend wahllos die Genres Thriller, Drama, Horror und pechschwarze Komödie, wobei letzteres vielleicht sogar unbeabsichtigt sein dürfte. Ein Teil des Streifens beschäftigt sich mit der Aufklärung des Falles und dieser Part ist noch mit am besten gelungen. Die vielen mysteriösen Hinweise, rund um die Website, dem merkwürdigen, aus Hautfetzen bestehenden, aufrollbaren Fleischklotz und dem mysteriösen, ständig hustenden, Anrufer, wurden recht spannend zusammen getragen und bringen dem Zuschauer dazu am Ball zu bleiben und interessiert auf die Auflösung zu warten. Diese bleibt dann aber größtenteils im Verborgenen, ich würde sogar meinen, dass man hier ganz bewusst auf eine wirkliche Auflösung des Ganzen verzichtet hat.
Zwischen diesen spannenden Parts bleibt das Treiben aber teilweise unannehmbar. Denn immer wieder wirkt das Geschehen auch (unfreiwillig?) komisch, wenn auch auf eine tiefschwarze Art und Weise. Wenn die Polizei z. Bsp. ein abgetrenntes Ohr vom Fenstersims schmeißt, sich eine Schülergruppe so mir nichts dir nichts, einfach aus einer Laune heraus, plötzlich und fröhlich lachend vom Dach stürzt und wirklich jeder Selbstmord in seinem Blut nahezu zu ertrinken vermag, dann hat man eigentlich nicht mehr das Gefühl, dass die Geschichte wirklich ernst gemeint ist. Vor allem das überdimensional viele Blut, welches hier vergossen wirkt, wirkt fast schon lächerlich. Allen voran die Szene, in der sich eine Frau langsam selbst in Stücke zerschneidet, dass Blut im Übermaßen fließt und sie dabei keine Mine verzieht. Zudem wird das Geschehen auch mit einer derartig lächerlichen und nervtötenden Musik unterlegt, dass man es wirklich nicht mehr schafft ernst zu bleiben, so ernst die eigentliche Thematik auch ist!
Und zwischendurch verkommt "Suicide Club" dann auch ab und an mal zum Horrorfilm. Wenn der Nachtwächter allein durch das Haus schleicht, die Musik bedrohlich anschwillt und er dabei plötzlich irgendwelche Visionen hat, dann sollen wir uns wohl gar noch fürchten.
Sicherlich mag so eine Mischung wirklich recht mutig und ungewöhnlich sein. Doch im Angesicht des einfach zu bitteren Grundthemas, ist der Film im Gesamten weder sonderlich ernst zu nehmen, noch kann er irgendwie unterhalten. Völlig emotionslos bleibt der Zuschauer zurück! Ich persönlich habe mich jedenfalls die ganze Zeit nur gefragt, was der Regisseur hiermit eigentlich wollte.
Vielleicht steuerte er mit Absicht auf das völlig Undefinierbare hin und möchte dem Zuschauer eigentlich nur das letzte Lied der Kiddie-Gruppe aufs Auge drücken, welches die üblichen Moral-Floskeln wie "Seid lieb zueinander" und "Seid lieb zu euch selbst" beinhaltet. Diese letzte Schuss in den Ofen, hat mir den Streifen dann jedenfalls endgültig verdorben.
Zu den Schauspielern sei noch schnell gesagt, dass sie ihre Sache alle ganz annehmbar machen, wobei allerdings die Darsteller aus z. Bsp. "Battle Royale" wesentlich glaubwürdiger waren. Aber man kann, zumindest mit ihnen, zufrieden sein.
Fazit: Merkwürdig! Das ist vielleicht das einzige Fazit, was man hier wirklich ziehen kann. Die ernste Thematik des Films, die leicht durchschimmernde Sozialkritik und die spannende, wenn auch unbefriedigend ausgehende, Spurensuche und Aufklärung der Selbstmorde, kann den Zuschauer zwar dazu bringen bis zum Schluss durchzuhalten. Aber das völlig hanebüchene Drehbuch, die immer wieder aufblitzende, tiefschwarze und völlig unpassende Komik des Films (egal ob nun gewollt oder nicht) und der viel zu übertriebene -wenn auch Japan-typische- Einsatz der Bluteffekte, lassen den Streifen mehr wie eine Farce wirken, als ein wirklich ernstzunehmendes, kontroverses Drama alla "Battle Royale"!
Für mich jedenfalls ein Film, der völlig an seinem Thema vorbei gegangen ist!
Wertung: 4/10 Punkte