Review
von Leimbacher-Mario
Selbstmordkommando
Ein grausamer und extrem blutiger 54-facher (!) Selbstmord von Schulmädchen, die sich vor einen durchfahrenden Zug werfen, ist erst der Anfang einer bizarren Serie an Selbsttötungen quer durch Japan. Eine Gruppe von Polizisten sucht den möglichen Grund und die Zusammenhänge…
Ein Brett von Shion Sono! Anders kann man „Suicide Club“ nicht nennen. Mit einer der ungemütlichsten Eingangsszenen (nicht nur) in der J-Horror-Region, mit einem unerhört und ebenfalls ungemütlich offenen Ende, das man frech bis genial finden kann. Gerade dieser aus heutiger Sicht unscharfe DVD-Look macht solche J-Horror-Schocker für mich irgendwie noch schauriger. Die zweite Hälfte ist zwar deutlich schwächer als der Beginn mit den ganzen Auslösern der Story und Fragen, „Norikos Dinner Table“ ist als Sequel und Prequel in einem vielleicht sogar noch ein Stück runder - aber „Suicide Circle“ war damals - und ist es immer noch! - definitiv ein gänsehautbringender Wegweiser aus Fernost. Auch wenn er im Westen leider nie den Hype eines „Ring“ oder „Grudge“ bekommen hat. Dafür lingert er einem noch viel länger im Mark und Gedächtnis, stellt Fragen über freies Leben und unabhängige Entscheidungen, über Gruppenzwang und Gesellschaftsdruck. Sogar über verrohende und kaputte Popmusik und den Sinn des Seins. Ganz schön viel für einen „Grusler“.
Fazit: gefährlich und gruselig gut! „Suicide Circle“ ist ein meisterhafter Shion Sono voller psychologischer, menschlicher, philosophischer und gesellschaftlicher Unruhe. Eine polarisierende Perle, ein sensibler Rebell.