Review

Als Wong Jing, der Vielfilmer und fast einzige konstante Repräsentant der kantonesischen Unterhaltungsbranche, so gegen Ende Juli 2013 sein neuestes Projekt From Vegas to Macau a.k.a. The Man from Macau bekannt und eigentlich dort auch nur den Titel und den Alternativtitel selber vorgab, wurde damit allein bereits der Grundstein für den kommenden Erfolg gelegt. Angekündigt als Rückkehr zu seinen Wurzeln und dem bis dato auch von den Kritikern und den Publikum am geschätzten und auch 'wertvoll' im Sinne eines Markensteins angesehenen Filmes, dem God of Gamblers (1989) selber, hatte der späte Nachzügler alle Türen bereits weit offen und die Aufmerksamkeit auch noch ohne konkrete Weitergabe von Details schon festgelegt. Der mit 95 Mio. USD mehr als moderate Erfolg an den Kassen, der dem damaligen Start zum Chinesischen Neujahr 2014 und dem Starbonus von sowohl Chow Yun-fat als auch Nicholas Tse und (im kleineren Rahmen) Chapman To zugrunde lag, machte die weitere Fortsetzung schnell zu einem sicheren und krisenfesten Geschäft, die hiernach auch schon propagiert noch zu einer Trilogie auswächst.

Part II nimmt völlig zu recht die altbekannte Formel des langjährigen Erfolges und blickt dabei tatsächlich auf die Quellen von Wong Jings Karriere und Schaffen, allerdings dies manchmal auch mit Wehmut und Betrübnis an die längst vergangenen Zeiten, die hier puerilistisch verzerrt und Faxen machend entstellt werden zurück. Vorhang auf, Manege frei und losgelegt:

Als der Casino Manager und Spielerexperte Ken [ Chow Yun-fat ] von seinem Patenkind Vincent [ Shawn Yu ] bezüglich der Hilfe der Bekämpfung des Verbrechersyndikates D.O.A. und so der Unterstützung von Interpol angesprochen wird, fliegen ihm bereits die ersten Kugeln um die Ohren. Vincent und sein Team wollen den auf der Flucht befindlichen Buchhalter der Gangster, Mark [ Nick Cheung ] in ihre Schutzhaft bringen, bekommen es allerdings mit angeheuerten Elitetruppen unter der Führung von Aoi [ Jin Qiaoqiao ] zu tun und verlieren ihren einzigen Zeugen und dessen kleine Tochter Chor-yat [ Angela Wang ] alsbald im thailändischen Niemandsland. Ken, der im Alleingang erfolgreicher als die Männer vom Gesetz ist, kann Mark nebst Anhang in seinem Refugium in Sicherheit bringen, stösst allerdings auf private Wirren, als er seine Exfreundin Molly [ Carina Lau ] und Mark in Sorge um sein Kind ebenso seine frühere Frau [ Yuan Quan ] wiedertrifft.

Im Ton einig bei der Betrachtung des zuvor als 'God of Gamblers 4' im Marketing proklamierten war man sich in der Erkenntnis, dass früheres wenig zu imitieren, zumindest nicht im Gefühl, in der Aura, selbst nicht in der Art des Humors zu wiederholen, sondern nur die (je nach Standpunkt oft) verunglückte Nachahmung zu finden ist. Part I, der nicht die Abenteuer von Ko Chun, sondern von einem Ken erzählt und nur die Methoden und Zutaten, nicht aber die gleiche Wirkung wie ein Vierteljahrhundert zuvor das 'Original' erwählt, gilt gemeinhin als reines Entertainmentprodukt. Eine Mischung aus bekannten Namen und/oder Gesichtern, dazu viel von dem typischen mo lei tau, der Nonsensekomik, die auf Logik und Korrektheit und auch Originalität oder gar Erwachsenentum pfeift, solange eine Pointe am Ende des als eh provisorisch zu betrachtenden Sketches steht. Eingerahmt in eine Geschichte, die die Nacherzählung nicht wert ist und von Gut und Böse handelt, wobei das Erstere triumphiert und das Zweite mit etwas Action, etwas Unfug und viel Quassele aus dem Rennen gepflügt und wie auch die Nerven ungewohnter und so unvorbereiteter Zuschauer vernichtend geschlagen wird.

Dabei geht es hier entsprechend weiter, existiert das Böse noch oder schon wieder und wird auch mit Rückblenden dessen kurz vorgestellt und in den Kenntnisstand eingefügt. Mehr Vorbereitung braucht man nicht, sind die Mit- und die Gegenspieler aus dem Vorgänger nicht mehr da und werden hier durch ähnliche Figuren mit etwas anderen Eigenarten und Fähigkeiten ersetzt. Knapp an Charakteristik, die ehrlich gesagt aber auch nicht interessiert, wenn man sich denn die wenigen Szenen anschaut, die sich in der zweiten Hälfte der Laufzeit und kurz vor dem Showdown noch etwas darum und Persönlichkeit und Gefühl bemühen.

Wieder die mysteriöse Verbrecherorganisation, wieder die weitgehend nutzlosen Gesetzeshüter vom Staat, die entweder als Trottel für Jokes oder auch als Kanonenfutter in einer ausgedehnten Attacke einer feindlichen Spezialeinheit herhalten. Dazu etwas Motivation, sich stetig in Bewegung und auf Reise zu begeben, diesmal mit exotischen Flair, welches gerade durch pralle Landschaftsaufnahmen der thailändischen Geographie und aerial shots von Bangkok, Pattaya und Sriracha erzielt wird. Überhaupt sieht das Werk dank dem director of photography Andrew Lau, de sein Handwerk versteht, absolut prächtig, satt bis knallend in den Farben und teuer sowieso und dort auf jeden Fall besser, d.j. aufwändiger und tatsächlich getreu der Fortsetzungsregel größer als der Vorgänger aus. Auch die Actionszenen sind eine ganze Schippe saftiger, gerade der Angriff einer ausländischen Söldnertruppe per Drohnenbeschuss als Rückversicherung und zuvor dem Ausschalten der lokalen Wachmannschaft mit dem Scharfschützengewehr, Handgranaten und Raketenwerfer ist ein strammer Vormarsch voller wuchtig einschlagender Höhepunkte. Eine militante Erstürmung eines Safe House, in der erst die Außenmauern und bald das innen liegende Mobiliar den Betreffenden um die Ohren fliegen; was wenig mit dem üblichen Behändigkeit des HK-Kinos gemein hat, aber trotz seiner Amerikanisierung absolut blendend auch in Kamera und Schnitt aussieht.

Leider ist man da erst in Minute 40 von insgesamt 110 angelangt, und folgt gleichwertiges oder annähernd versuchtes im Anschluss nicht mehr. Festhalten muss man sich dann an viel Spielfreude des Hauptdarstellers, der den Hampelmann mit scheinbar viel Spaß und voller Überzeugung gibt, sowie an diversen Kleinauftritten solider Nebenfiguren wie Patrick Keung, Kenny Wong, Derek Tsang oder doch den albernen Cameos von Eric Tsang, Nat Chan und Ken Lo. Auch der Epilog gleitet mit einem Extraauftritt aus, ist dort doch tatsächlich Andy Lau als seine Personifikation des 'Knife' aus dem Original und dies in der direkten Nachstellung des damaligen (und auch noch heute verwendeten) Postermotivs zu sehen. Eine Aussicht auf Teil III, was bei dem mit fast 160 Mio. USD hervorragenden Einspiel hier keine Frage des Wollens, aber doch eine des Wissens, wann etwas noch gut und ertragbar und wann etwas zu kindisch und infantil ist.

Details
Ähnliche Filme