Gegen jede Wahrscheinlichkeit ist Colonel Hogan (David Campbell, Scarecrows) noch am Leben (siehe Deadly Prey (Tödliche Beute, 1987), insbesondere dessen Ende) und erfreut sich bester Gesundheit. Anstatt die Radieschen von unten zu begutachten hat er die Zeit im Gefängnis verbracht und perfide Rachepläne geschmiedet. Nun, da er endlich freigelassen wurde, zaudert er keine Sekunde und beginnt sogleich damit, diese in die Tat umzusetzen. Das neue Camp inklusive vieler mordlustiger Söldner-Azubis steht bereits, da hat seine Vertretung und rechte Hand Sophia (Tara Kleinpeter) gute Vorarbeit geleistet. Und auch Thornton (Fritz Matthews), der Zwillingsbruder des in Deadly Prey gefallenen Killers, steht parat und wetzt die Klingen respektive ölt die Schußwaffen. Die Bäume des Waldes, in dem Hogan seine Rache zu vollziehen gedenkt - gedreht wurde diesmal in Mobile, Alabama -, sind mit unzähligen Kameras ausgestattet, plant er doch, seinen Triumph live ins Internet zu übertragen. Es fehlt eigentlich nur noch der Hauptdarsteller, dann kann der große Spaß beginnen. Dieser weiß noch nichts von seinem Glück und lebt mit Frau Allison (Cat Tomeny) und Sohn Michael (Michael Charles Prior) zufrieden in seinem kleinen Häuschen.
"He went to take the trash out and he never came back", meint Allison wenig später besorgt. Und tatsächlich, Vietnamkriegsveteran Mike Danton (Ted Prior, Killer Workout), der vor mehr als fünfundzwanzig Jahren durch Colonel Hogans Männer geprescht ist, als wären sie Spielzeugsoldaten (siehe Deadly Prey), wurde abermals beim Müllraustragen überwältigt und in einen Wald verfrachtet, wo ihm Hogan ins Gesicht grinst und ihm ein hämisches "run" entgegenraunt. Die Menschenjagd ist somit eröffnet. Wird es dem in die Jahre gekommenen Mike erneut gelingen, den Spieß umzudrehen und seine Häscher einen nach dem anderen in die ewigen Jagdgründe zu befördern? Nicht nur für Mike "I will kill you all" Danton und Colonel "I've killed more people than cancer" Hogan ist Deadliest Prey ein einzig großes Déjà-vu, sondern auch für den verblüfften Zuschauer, hat Drehbuchautor und Regisseur David A. Prior (Sledgehammer) doch die außerordentliche Chuzpe, sein Sequel als Remake anzulegen. Es ist beinahe nicht zu glauben, aber die beiden Filme laufen nahezu identisch ab! Es hat den Anschein, als hätte Prior Deadly Prey einfach als grobe Blaupause hergenommen; ganze Szenen wurden fast eins zu eins nachgestellt.
Daß seit Deadly Prey allerdings viele Sommer gekommen und wieder gegangen sind, ist nicht zu übersehen. Und obwohl uns Prior im Prinzip noch einmal dasselbe in grün vor den Latz knallt, ist Deadliest Prey ein völlig anderer Film geworden. Das liegt nicht am Inhalt; der ist wie gesagt fast derselbe. Aber die Gangart ist eine andere, die ist dieses Mal weit gemütlicher. Sind die Männer, allen voran Ted Prior, im Original noch voller Energie durch den Wald gelaufen, so ist nun meist schlurfen, schlendern und spazieren angesagt. Mit Mitte Fünfzig geht die Action halt nicht mehr so leicht von der Hand. Damit zusammenhängend wurde auch die generelle Plausibilität für null und nichtig erklärt. Da geht ein Söldner einen Pfad entlang, auf der Suche nach Mike Danton, welcher unvermittelt neben ihm steht und ihn sofort abmurkst. Die Wahrscheinlichkeit, daß der Mann Mike weder gesehen noch gehört hat, geht stramm gegen null. Und Szenen dieser Art gibt es viele. Kommt man bei Deadly Prey noch ins Grübeln, ob die ganze Chose ernst gemeint ist oder nicht, so läßt Prior bei Deadliest Prey keinen Zweifel darüber aufkommen. Sein Film ist ein augenzwinkernder Camp-Spaß, wo das Zwinkern sehr sympathisch daherkommt, auch dank Dialogen wie:
Colonel Hogan: "You ready?"
Thornton: "I was born ready!"
Leider ist Deadliest Prey weder so gelungen noch so unterhaltsam wie der kultige Vorgänger. Das liegt vor allem an dem billigen Look, der den zweifellos extrem kostengünstig produzierten Streifen bisweilen wie einen Amateurfilm wirken läßt. Und da sich der überwiegende Teil der Handlung im Wald abspielt, verleitet einen diese unschöne Ästhetik dazu zu glauben, man befinde sich mitten in einem dieser lustlos hingerotzten Wald-und-Wiesen-Amateur-Epen. Dies ist gottlob nicht der Fall, denn erstens war David Prior kein Amateur, und zweitens kann man weder ihm noch seinen Leuten Lustlosigkeit vorwerfen. Die sind mit Spaß und Engagement bei der Sache und genießen es sichtlich, noch einmal auf den Putz zu hauen. Ted Prior gibt einen coolen Helden ab, Fritz Matthews überzeugt als Killermaschine mit der Mimik eines Felsens, und David Campbell glänzt als psychopathischer, von Haß zerfressener Rächer, der nun endgültig übergeschnappt ist. Alle zelebrieren ihre Rollen mit heiligem Ernst. Es gibt wieder einige nette Squibs, fiese Booby-Traps, etwas hüftsteif choreographierte Kämpfe, viel Geballer sowie ein paar Explosionen zu bestaunen, und der eine oder andere splattrige Abgang inmitten des lächerlich hohen Bodycounts darf natürlich ebenfalls nicht fehlen.
Wenn man also imstande ist, über die billige Optik hinweg zu sehen, dann bekommt man mit Deadliest Prey genau das, was man erwarten durfte. Nämlich eine sympathisch-unterhaltsame Hommage an den tumben Actionfilm der 1980er-Jahre, wo sich eine unaufhaltsame Ein-Mann-Armee durch Horden von Gegnern pflügt, unterstützt von wummerndem Synthesizer-Geklimper und so manch lässigem Spruch auf den Lippen, und umweht von einem Hauch Nostalgie. Nur daß dieses Mal halt alles, dem Alter geschuldet, etwas langsamer und gemächlicher vonstattengeht. Und daß man schon weiß, wie der Hase bzw. der Mike laufen. Nur hin und wieder gibt es Ergänzungen (etwa der Subplot mit drei nerdigen Hackern, die unserem Helden helfen wollen) bzw. Abweichungen im launigen Geschehen, meist leichte, gegen Ende auch ein paar größere. Im Interview meint David A. Prior, der im Film übrigens ein Cameo hat, daß er sich vorstellen könne, in fünfundzwanzig Jahren einen dritten Teil zu drehen, dann mit seinem Neffen Michael Charles Prior in der Hauptrolle. Dazu wird es leider nicht kommen, hat ihm der Krebs doch einen Strich durch sein Leben gemacht. Er starb am 16. August 2015 in Mobile, Alabama. Sein filmisches Vermächtnis lebt weiter und bereitet viel Freude.