Review

kurz angerissen*

Ein ehrenwerter Versuch, aus der Ödnis des deutschen Genrefilms auszubrechen und an die längst vergessenen prägenden Zeiten des deutschen Kinos anzuknüpfen. Jörg Buttgereit eröffnet mit dem vermeintlich universellen „Final Girl“, das sich handlungstechnisch überall auf der Welt ereignen könnte, erzählt die eigentliche Geschichte aber nicht über die neutralen Monologe der Hauptfigur, sondern in den Hintergründen. Blur Shots, Close Ups und Schwenks geben zaghaft Ausschnitte einer Berliner Plattenbauwohnung preis und stellen somit doch einen subtilen Bezug zur Thematik her. Michal Kosakowski sucht mit dem Mittelstück „Make A Wish“ die Verbindung zur deutschen Geschichte und lässt sie in einer Outsider-Perspektive mit der Gegenwart kollidieren, wobei die Körpertauschidee in Verbindung mit Rassismusthemen inzwischen aufgrund seiner nahe liegenden Natur ein Klischee darstellt. Andreas Marschall zuletzt zeigt sich mit „Alraune“ überdeutlich vom großen Berlinfilm „Possession“ inspiriert, eine sinnliche, beinahe egoperspektivisch erzählte Geschichte, die sich von der Nüchternheit der ersten beiden Beiträge abhebt.

Technisch erweisen sich alle Filme als unvollkommen; sperrig und schwer zugänglich sind sie ohnehin. Viel wichtiger erscheint die Tatsache, dass überhaupt die Anstrengung gewagt wird, aus den Dogmen auszubrechen, die einheimische Filme seit langem ihre Artenvielfalt und vor allem ihre Unverkrampftheit kosten. „German Angst“ ist insofern nicht nur ein Kommentar zu den ungreifbaren Ängsten der Deutschen im Generellen, sondern lässt sich auch speziell auf dessen Filmlandschaft anwenden. Bleibt zu hoffen, dass andere Filmemacher den Mut aufgreifen und Risiken eingehen in der Hoffnung, dass sich das Selbstverständnis des deutschen Films endlich wieder zur Kunst hinwendet.

*weitere Informationen: siehe Profil

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