Im vierten Teil der "Lone Wolf and Cub"-Reihe gibt es erstmals einen Wechsel auf dem Regiestuhl zu vermerken. Statt Kenji Misumi vermerkt der Vorspann nun Buichi Saito als Regisseur. Und sonst? Sonst ist fast alles beim Alten geblieben. Elegante Schwertkampfkunst, schöne Bilder, ein fantastischer Tomisaburo Wakayama. Und doch ist "Die tätowierte Killerin" der schwächste Teil der "Okami"-Reihe.
Die Geschichte gibt Itto Ogami gleich zu Anfang einen heiklen Auftrag. Er soll eine tödliche Kriegerin namens Oyuki ermorden, die metzelnd durch das Land zieht. Sie entehrt ihre Opfer und deren Familien, indem sie die Haarknoten der Toten abtrennt. Oyukis Trick: Sie entblößt ihre tätowierten Brüste, um die Konzentration ihrer Gegner zu schwächen - und dann sticht sie zu. Die Geschichte, die Saito erzählt, ist jedoch höhepunktlos und eher leidlich spannend. Viel zu sprung- und episodenhaft kommt dieser vierte Teil daher. Sicherlich merkte man auch den vorherigen Filmen an, dass ihre Drehbücher auf verschiedenen Comics basierten, und dass daher einige Plots miteinanderverwoben wurden. Doch hier mag das ganz und gar nicht gelingen.
Saito versucht beim Storytelling "back to the Roots" zu gehen (ein Hinweis darauf ist schon die Titelsequenz, bei der Ausschnitte aus den bisherigen Filmen zu sehen ist), und knüpft an Misumis "Okami"-Erstling an, indem er Rückblenden und unchronologische Szenen einstreut. Jedoch besitzt Saito nicht jenes brillante Händchen für Erzählweisen, wie es Misumi hatte. Wo wir uns in der Geschichte gerade befinden, wird nicht elegant über Schnittweise und Dialoge bekannt, sondern Saito legt einen plumpen Off-Kommentar über die Szenen. Keine besonders hübsche oder im Kontext bemerkenswerte Lösung für ein solches Problem. Die restliche Geschichte ist dann ähnlich gewöhnlich: Zwar fügt sich "Die tätowierte Killerin" nahtlos in die "Okami"-Reihe ein, bleibt aber der unbedeutendste Vertreter der Serie. Aus der titelgebenden Killerin wird nie eine wirkliche Bedrohung, und die anderen Storylines, die die Vergangenheit Ogamis beleuchten, und auf Daigoro eingehen, bleiben belanglos. Das harte Erwachsenwerden Daigoros ist im fünften Teil deutlich besser gelöst, als hier. Insgesamt wirkt das ganze Drehbuch sehr unbefriedigend und keineswegs rund.
Doch ist "Okami 4 - Die tätowierte Killerin" ein schlechter Film? Bei weitem nicht. "Okami 4" ist immer noch ein Festmahl für Eastern-Freunde. Allein die Präsenz von Itto Ogami alias Tomisaburo Wakayama macht den Film sehenswert. Und ob all den erzählerischen Fehlern, schafft es Saito immer noch schöne Bilder zu zaubern, prächtige Landschaften, die als Hintergrund für die epischen Schlachten dienen. Aber auch für die Actionfans gibt es hier einen Dämpfer. Zwar hat "Die tätowierte Killerin" wieder schier unglaubliche Schwertkampfszenen inne, jedoch geht es hier vergleichsweise unblutig zu. Für Freunde von angenehmen Eastern-Splatters, wie man es im zweiten Teil nur all zu deutlich sah, ist "Okami 4" sicherlich nichts. Vielmehr geht diese Folge in eine ganz andere Richtung, die zwar schon im Vorgänger eingeschlagen wurde, aber erst hier konsequent durchgesetzt wurde: Itto Ogami und seine Gegner scheinen Ninja-Fähigkeiten zu haben, und springen dementsprechend während des Kampfes herum. Das sieht sicherlich ganz nett anzuschauen, jedoch geht dabei der Flair um Itto Ogami etwas verloren.
Abschließend kann man durchaus erwähnen, dass dieser Ausrutscher in der "Okami"-Reihe einzigartig blieb. Waren die ersten beiden von hervorragender Qualität, der dritte immer noch sehr gut, sind wir mit dem vierten Teil, der immer noch mit dem Prädikat "gut" versehen werden kann, auf dem "Tiefpunkt" der Reihe angelangt. Für den fünften "Okami"-Streifen kehrte Kenji Misumi als Regisseur zurück. "Okami 4" ist und bleibt ein "Okami"-Film - zwar ein nicht so aufregendes und unikes Werk, wie die anderen, aber immer noch ein "Okami".