Von Regisseur Eli Roth ist man spätestens nach zwei Teilen "Hostel" eine relativ brachiale Gangart gewohnt, - die FSK16 für seinen nunmehr fünften Film überrascht demgegenüber. Ebenso ungewöhnlich ist, den vornehmlich auf Action abbonierten Keanu Reeves in einer reinen Opferrolle vorzufinden, wobei der Verlauf in einer Mixtur aus "Eine verhängnisvolle Affäre", "Funny Games" und ein wenig "Wild Things" leider kaum in Erstaunen versetzt.
Architekt und Familienvater Evan (Reeves) verbringt ein Wochenende allein im Haus, um an neuen Plänen zu tüfteln. Als die Freundinnen Bel (Ana de Armas) und Genesis (Lorenza Izzo) völlig durchnässt und auf dem Weg zu einer Party fehlgeleitet bei ihm klingeln, lässt er die jungen Damen zögerlich herein, woraus sich eine heiße Liebesnacht entwickelt. Doch dann zeigen die Frauen ihr wahres Gesicht...
Die Geschichte basiert vage auf dem Exploitationer "Tödliche Spiele" von 1977. Die damaligen Hauptdarstellerinnen Sondra Locke und Colleen Camp haben die Neuauflage mitproduziert, während Roth in Sachen Home Invasion eine vergleichsweise harmlose Gangart einschlägt.
Nach kurzer Einführung des harmonischen Familienidylls (mit Ausnahme der sexuellen Befriedigung von Evan am Vatertag), macht sich mit Einsatz einer Gewitternacht zwar eine beklemmende Stimmung breit, doch die Altersfreigabe spricht eine deutliche Sprache bezüglich der wenigen Gewalteinlagen.
Treffend inszeniert ist im ersten Drittel primär die zunehmende Anspannung bei Evan, der den offenherzigen Ausführungen seiner attraktiven Gäste mit stetiger Abstandsuche begegnet.
Die angeblichen Stewardessen setzen ihre Verführungskünste treffsicher ein und beim eigentlichen treuen Familienvater, der bis zu einem bestimmten Zeitpunkt noch völlig korrekt handelt, schaltet sich schließlich doch die Vernunft ab.
Was folgt, sind einige Psychospielchen, Provokationen und Intrigen, doch wirkliche fiese Momente sind bei alledem nicht auszumachen. Vielmehr erhalten Evans irrationale Verhaltensweisen fast satirische Züge, denn der hangelt sich von einer blöden Reaktion zur nächsten unwahrscheinlichen Maßnahme, wobei auch die Mädels ein paar dumme Aktionen hinlegen, was die Pointe teilweise ad absurdum führt.
Der völlige Kontrollverlust und die totale Machtlosigkeit sind indes das, was Roth gerne bei seinen Stoffen aufgreift und auch hier teils atmosphärisch dicht verpackt, was nicht zuletzt der überraschend guten Leistung von Reeves zu verdanken ist, der immer dann stark aufspielt, wenn er emotionsgeladen nach Antworten sucht. Aber auch de Armas und Izzo performen solide und wissen die Grätsche zwischen bewusstem Overacting, erotischen Posen und impulsiven Ausbrüchen gut zu meistern.
Dass der Streifen letztlich nicht deutlicher überzeugt, liegt am wenig überraschenden Verlauf, der weder Raum für augenzwinkernde Momente bietet, noch unerwartete Wendungen einstreut. Score, Kamera und Setting gehen in Ordnung, doch fesselnde Momente halten sich in Grenzen, womit Roth deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt.
6 von 10