Review

Staffel 1

Staffel 1


Hustle & Slow

"Breaking Bad" als großen Bruder zu haben, schlägt gleichzeitig angenehme Brücken & legt einem riesige Steine in den Weg. Hohe Erwartungen & Hoffnungen gingen einher mit einer treuen Fanbase. Darauf & deswegen kann sich das Spin-Off zur vielleicht besten Serie aller Zeiten, aber nicht allzu lange ausruhen. Teilweise macht man in dieser ersten Staffel leider ein paar Nickerchen zu viel, andererseits beläuft man genug Ebenen, die sich weit genug von Walther White & Co. weg befinden. Am Ende ist die erste Staffel "Better Call Saul" eine klassische gemischte Tüte, ein Fundament auf dem man aufbauen kann, dass aber nie an seinen großen Bruder rankommt & das weiß er selbst. Verbesserungen müssen in den kommenden Staffeln her, es gibt noch eine Menge Optimierungsbedarf. 

Erzählt wird die Vorgeschichte des charismatischen Anwalts aus "Breaking Bad", Saul Goodman, oder besser gesagt damals noch Jimmy McGill. Bob Odenkirk zeigt eine nuancierte & glaubhafte Performance als sich wortwörtlich aus dem Müll hoch kämpfender Anwaltsversager. Sein beliebter Charakter wird sinnvoll vertieft & ohne ihn, wäre die Serie nichts. Seine Talente, sein Geschick, seine Unsitten, seine Familie, seine (wenigen) Freunde, einfach die hellen & dunklen Facetten seines vielseitigen Charakters - sehr interessant & sicher der sinnvollste Ansatz, das BB-Universum zu erweitern. Auch Jonathan Banks als grimmig-versierter Schrankenwächter/Neuzeit-Ronin, kriegt mehr als nur einen Gastauftritt. Ganze Nebenstories mit ihm über 3-4 Folgen, machen ihn fast zum gleichberechtigten Partner, um mal in der Anwaltssprache zu bleiben. Erst recht, wenn seine Episoden zu den Highlights gehören & er mit einer ungeheuren Präsenz jede Szene stiehlt, in der er ist. Der Rest des Cast ist ebenfalls handerlesen & fügt sich nahtlos in das komplexe Universum ein. Besonders ein paar alte Bekannte & allgemein größere Easter Eggs aus der Vorgängerserie, machen besonders Spaß. Dazu kommt noch ein glänzender Stil, irgendwo zwischen bitterböser Hochglanz-Parodie & lockerleichtem Wüstendrama, was seinem erkennbaren Vorbild nicht nach steht. Ganz im Gegenteil, eher baut man auf dessen Know-How auf, mischt es mit einer gehörigen Portion cleverem Humor ab.

Die Serie ist also hübsch, top besetzt & bietet einen erfrischenden 50/50-Genre-Mix aus Comedy & Drama. Warum bleibt dann trotzdem ein übler Nachgeschmack? Warum kann man nicht ansatzweise mit den besten Anwaltsserien wie "Suits" mithalten? 

Stichwort: Tempo. "Better Call Saul" fährt die ganze Zeit mit Leerlauf, wenn man glücklich ist, bekommt man 1-2 Highlights pro Folge. Der Rest ist stilvolles Sich-Selbst-Feiern, Auf-der-Stelle-Treten & Müde-Machen. Hier & da was zu Schmunzeln & grandioses Darsteller-TV auf Kinoniveau - aber im Endeffekt ist man nach den 10 Folgen vorangekommen wie eine Schnecke, eher noch rückwärts gelaufen. Ich weiß, auch "Breaking Bad" brauchte Zeit, nahm sich Zeit & definierte diese neu - hier wirkt es meist aber einfach nur noch nervig, aufgesetzt & sich wiederholend. Nennt mich keinen wahren BB-Fan oder ungeduldig - für mich war hier Vieles schlicht unnötig & langweilig. Viel Build Up & wenig Pay Off. Weit weg von einer durchschnittlichen Serie, es kommt einem jedoch oft länger vor, als es eigentlich geht. Meine Hoffnung an die Serie ist noch lange nicht weg, dazu ist Slippin' Jimmy einfach zu interessant & voller Möglichkeiten. Wenn ich mir seinen noch langen Werdegang aber mal so angucke, ahne ich nichts Gutes & noch einige, langatmige Staffeln...

Fazit: nicht auf dem Level von "Breaking Bad", aber unverkennbar in dessen Stil & Stimmung, mit mehr Humor & noch entschleunigter. Positiv gedreht: eine mutige Mischung, sozusagen Slowmotion-Comedy. Die Anfänge Saul Goodman reichen von extrem zäh bis einfach genial & lassen auf Steigerung in folgenden Staffeln hoffen! (6,5/10)

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