Nachdem sie vor 15 Jahren im Streit um ihren damaligen Freund ihr Elternhaus verließ, hatte Loretta (Kathryn Hahn) den Kontakt zu ihren Eltern vollkommen abgebrochen. Dies galt auch für ihre mittlerweile 15 und 13 Jahre alten Kinder Rebecca und Tyler, die ihre Großeltern somit nie kennengelernt hatten. Eine Einladung von Oma und Opa soll dies nun beenden: Mama geht auf Urlaubsreise, und die beiden Kinder reisen mit dem Zug nach Pennsylvania, wo sie auf dem ländlichen Anwesen der Großeltern eine Woche verbringen sollen.
Das Denken und Handeln der beiden Teenager dreht sich zum Großteil um selbstgemachte Videoclips, und so zeichnen sie all ihre Flausen auf, wobei die Reise zu den Großeltern natürlich ganz besonders gewürdigt werden soll: Laptop, Kamera etc. gehören fix zum Reisegepäck.
Dort angekommen, stellen sich die beiden Senioren als nette Leute heraus, die sich sehr über den Besuch der Enkel freuen. Allerdings gibt es dann doch einige Merkwürdigkeiten, die den Geschwistern auffallen: besonders abends, nach der um 21.30 Uhr verordneten Nachtruhe, benimmt sich die ansonsten gefestigt wirkende Oma sonderbar: einmal erbricht sie sich hemmungslos, ein anderes Mal kriecht sie auf allen Vieren durchs Haus oder steht ohne Nachthemd vor einer Wand, die sie manisch mit den Fingernägeln kratzt. Die Kinder fragen dann später vertraulich den Opa Pop Pop, der ihnen stets eine plausibel klingende Erklärung vorlegt, doch auch Opa, der heimlich seine jeden Tag vollgeschissenen Windeln in der Scheune versteckt, scheint irgendwelche Probleme zu haben. Hierfür jedoch liefert wiederum die Oma eine Begründung, sodaß die beunruhigten Teenager sich ein ums andere Mal beschwichtigen lassen. Doch je länger ihr Aufenthalt dort dauert, desto seltsamer benehmen sich die Großeltern...
Mit dem 2015er Grusler The Visit kehrte der durch seinen 1999er Psychothriller The Sixth Sense bekannt gewordene indischstämmige US-Regisseur M. Night Shyamalan wieder ein wenig zu seinen Wurzeln zurück, nachdem einige seiner zwischenzeitlich produzierten Filme arg gefloppt hatten. Leider aber kann der ebenso korrekt wie einfallslos betitelte The Visit nicht wirklich überzeugen, was vor allem an den beiden jugendlichen Darstellern liegt, die einem mit ihrem pubertären Gehabe schon nach kürzester Zeit furchtbar auf die Nerven gehen. Die etwa 20 Minuten dauernde Einführung der beiden Teenies stellt den Zuschauer auf eine harte Geduldsprobe, erst dann beginnen die Ereignisse, langsam, ganz langsam interessant, sprich: unheimlich zu werden.
Die großelterlichen Darsteller Deanna Dunagan (als wechselnd toughe und einen Augenblick später vergeistigt wirres Zeug daherplappernde Großmutter Nana) und Peter McRobbie (der stets ruhig spricht, während er sich z.B. völlig falsch ankleidet) füllen ihre Filmrollen bestmöglich aus und erzeugen eine zunehmend als unangenehm empfundene Spannung, da man nie weiß, was für hanebüchene Verhaltensweisen wohl als nächstes folgen werden. Doch das reicht leider nicht, wenn als ihre "Gegenspieler" zwei weißgott wenig sympathische Kinder, die noch dazu die Perspektive des Publikums mittragen müssen, hinter ihr Geheimnis zu kommen trachten.
Am Ende gibt es noch einen nicht ganz unerwarteten Plot Twist, der wieder mehr auf Thriller-Elemente setzt, doch auch mit dieser sich am Schluß zuspitzenden Dramatik kann The Visit nicht mehr voll punkten. Die Regieeinfälle bezüglich des schrulligen Verhaltens der Senioren sind zwar ebenso bemerkenswert wie deren Darbietung, doch die sich kaum für ein Mitfiebern eignenden Rotzblagen wirken jedesmal wie der sprichwörtliche Eimer kaltes Wasser. Eine sorgfältigere Wahl der Teenager-Darsteller und der Verzicht auf Pseudo-Rappen und ähnlich uninteressante pubertäre Kinkerlitzchen hätte dem Streifen eine höhere Wertung beschert: 5 Punkte.