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Für den fünften Teil "Der weisse Pfad der Hölle" der "Okami"-Reihe kehrte der Regisseur Kenji Misumi zurück, um sich von albernen Ninja-Sprüngen und Kanonen im Kinderwagen zu verabschieden, und um den Höhepunkt der "Babycart"-Reihe zu drehen. Neben dem "Okami"-Erstling ist dies der beste Film der Reihe. Das liegt vor allem an der einwandfreien Geschichte, die Itto Ogami nicht nur an körperliche Grenzen, sondern auch an seelische bringt.

Itto Ogami erhält wieder einen Mordauftrag. Diesmal soll er jedoch erprobt werden, bevor er sich an die Ausführung macht. Der Kuroda-Klan steht kurz vor dem Zerfall. Ein Mord soll den Klan vor dem Untergang bewahren. Ogami muss fünf Angreifer, die je 100 Goldstücke und je ein Fünftel an Informationen an Ogami weitergeben, sobald er sie getötet hat. Die Lehnsmänner des Kuroda-Klans sind seine Prüfung, kann er seine Angreifer umbringen, erklären sie ihm sterbend die Zusammenhänge, die wichtig sind, für das korrekte Ausführen des Mordes. Schließlich setzt sich das Puzzle zusammen, und Ogami erfährt folgendes: Jahre lang konnte der Fürst seine Mitglieder für dumm verkaufen, indem er die Tochter seiner Nebenfrau als seinen rechtmäßigen, männlichen Erben einsetzte. Der um sein Prinzenamt betrogene Jüngling wurde weggesperrt. Das Dokument, das diese gräßliche Tat beweist befindet sich in der Hand des altehrwürdigen Mönchs Jikei, der wiederum mit dem Yagyu-Klan konspiriert, und deshalb das Mord-Opfer werden soll. Yagyu-Oberhaupt Retsudo würde gern die skandalöse Information gegenüber dem Shogunat preisgeben, um den Kuroda-Klan zu stürzen. So wird der Auftrag sogar durch persönliches Interesse Ogamis gewürzt, schließlich war es Retsudo Yagyu, der einst seine Frau ermorden ließ. Doch es kommt noch besser: Ogami trifft auf die dem Kuroda-Klan ergebene Lady Hamachiyo, die dem "einsamen Wolf" weitere 500 Goldstücke anbietet, wenn Ogami mit dem erbeuteten Dokument in das Haus der Kuroda zurückkehrt, um den Fürsten, seine Konkubine und die verkleidete Tochter zu töten, um die Ehre des Klans wieder herzustellen.

Was für eine wuchtige, verwobene Story. Waren bisher die "Okami"-Filme eher geradlinig angelegt, ist dies ein hochgradiger Thriller, bei dem es einen wirklich brillant ausgepfeilten Spannungsbogen gibt. Und es bleibt nicht mal bei der Grundgeschichte. Kenji Misumi erzählt gegen Mitte des Films eine Parallelgeschichte einer wandlungsfähigen Taschendiebin. Eher unfreiwillig wird Daigoro zum Komplizen der Diebin und muss eine harte Prüfung über sich ergehen lassen. Als er der Taschendiebin begegnet, bittet sie ihn, eine gerade erbeutete Brieftasche zu halten, und zu versprechen, es niemanden zu erzählen, da ihre Verfolger schon auf den Versen sind. Daigoro wird mit dem gestohlenen Portemonnaie gefunden. Die Polizisten lassen Daigoro öffentlich auspeitschen, und appelieren an die im Publikum befindliche Taschendiebin, doch hervorzukommen, um den kleinen Jungen sein Leid zu nehmen. Schnell enttarnt sich die Diebin und versucht Daigoro zu retten. Doch als der Junge gefragt wird, ob es wirklich die Diebin sei, verneint er, um sein Versprechen nicht zu brechen. Interessant hierbei bleibt die Reaktion Ogamis: Anstatt Schwert schwingend zwischen die brutale Szenerie zu springen, bleibt er stiller und stolzer Beobachter der stoischen, edlen Entschlossenheit seines Sohnes. Aber auch Itto Ogami hat es nicht leicht: Sein anvisiertes Opfer, der Mönch Jikei wird als "lebender Buddah" angesehen. Ogami hadert mit seiner eigenen Spiritualität.

Doch nicht nur story-technisch ist "Der weisse Pfad der Hölle" exzellent. Die Action ist ebenso hochwertig wie das Drehbuch. In der ersten Hälfte kämpft Ogami gegen fünf kostümierte Lehnsmänner, die alle ein Tuch mit einem Symbol darauf ihr Gesicht verdecken lassen. Diese Kämpfe haben die typische "Okami"-Dynamik. Schnelle, sehr blutige Schwertkämpfe, bei denen Darsteller Tomisaburo Wakayama wieder einmal seinen Mitstreitern hoffnungslos überlegen ist. Hier zeigt er die komplette Palette seines Können, sogar der im Wasser angewandte Suio-Stil, der bisher nur im ersten Film "Das Schwert der Rache" zu sehen war, wird wieder auf eindrucksvolle Weise durchgeführt.

"Der weisse Pfad der Hölle" ist der einzige "Okami"-Film, in dem keine nackten Frauenbrüste zu besichtigen sind. Es wäre auch gar kein Platz für deplazierte Erotik, in dem straffen, brillanten Höhepunkt der Reihe. Schönheit und Gewalt, Inhalt und Optik - alles ist qualitativ sehr, sehr hochwertig.

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