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80er Jahre: Robert Rother (Tom Schilling) und Gries (Frederick Lau) kotzt ihre von Hippies überflutete Schule in einer westdeutschen Kleinstadt an. Als Gries den Schulverweis erhält, schneidet sich Robert einen Irokesen und geht nach Berlin. Dort vermittelt ihm sein alter Freund Schwarz (Wilson Gonzales Ochsenknecht) einen Job als Putzmann in einer Peep-Show…

Oskar Roehler (geb. 1959 in Starnberg) ist zuerst als Autor tätig und schreibt u.a. Drehbücher für Christoph Schlingensief und Niklaus Schilling. 1995 debütiert er mit „Gentleman“ als Regisseur, 5 Jahre später entsteht sein bisher erfolgreichster Film, „Die Unberührbare“ (2000), der den Deutschen Filmpreis in Gold erhält. Es folgen Filme, wie „Der alte Affe Angst“ (2003), „Elemementarteilchen“ (2006) und „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ (2010), bis Roehler mit „Tod den Hippies!! Es lebe der Punk“ seinen Roman „Mein Leben als Affenarsch“ verfilmt, in dem er seine Jugenderinnerungen als Punk verarbeitet.
Lehrer- und Schülerschaft sind durch die Bank Hippies, der einzige Freund von der Schule geflogen und die Freundin faselt vom Lehramtsstudium, klar, dass Robert hier weg muss. Die Mama hat auch noch einen guten Rat parat, „Wenn Du Geld brauchst, musst Du zu Deinem Vater gehen, der war immerhin Kassenwart der RAF!“. Kein leeres Versprechen, wie sich später herausstellen wird, wenn Robert seinem Erzeuger gegenüber tritt und dieser in einem volltrunkenen Monolog erklärt, dass er noch 160.000 DM für Gudrun (Ensslin) verwahrt. Zuvor streift der junge Punk durch das West-Berlin (vornehmlich Kreuzberg) der 80er Jahre, säuft und zieht Speed, trifft Nick Cave und Blixa Bargeld und schrubbt in der Peep-Show rekordverdächtige Mengen Sperma von den Scheiben. Das alles finanziert das Sozialamt mit 1400 DM im Monat bzw., wie Schwarz erklärt, „Die west-deutschen Spießer zahlen und wir setzen ihr Geld in Alkohol, Zigaretten und Drogen um“. Oskar Roehlers Film hat lustige, wie dramatische Szenen, ist aber weder Komödie, noch Drama, eher eine Groteske, deren Storybogen etwas brüchig ist, so dass vieles episodenhaft wirkt, was der autobiografischen Vorlage geschuldet sein könnte. Der Schluss dürfte allerdings frei erfunden sein und ist so schlecht, dass er den Gesamteindruck trübt. Wie auch die Sache mit dem künstlichen Darmausgang…
Die Darsteller sind allerdings über jeden Zweifel erhaben, allen voran natürlich „Oh Boy“ Tom Schilling als staunender Neu-Berliner ohne Anpassungsprobleme, aber auch Alexander Scheer („Westen“ 2013) als zugedröhnter Blixa Bargeld und Frederick Lau („Victoria“ 2015) als bekennend schwuler Neonazi bleiben in Erinnerung. (6,5/10)

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