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Bewährtes Team um einen herum, ein Witz als Einleitung, vorgetragen vor der Kamera, eine Metapher, eine Wiederholung, Groucho Marx wird erwähnt, als Alter angesprochen, Annie Hall erwähnt, viele Identifikationen, in Brooklyn ist man hier, nicht in Manhattan, es wird erklärt und aufgeräumt mit den Gedanken, eine Jugenderinnerung, ein Erwachsener Mann sitzt zwischen Kinder in der Schulklasse, das Gute und das Schlechte in den Menschen gesehen. Der Freund rät zum Umzug nach Kalifornien, das nun auf gar keinen Fall. Viel verschiedene Drehbuchfassungen existieren, Co-Autor Brickman wird mit dem Arbeitstitel Anhedonia (=die Unfähigkeit, Freude zu empfinden) zitiert, eine erste Schnittfassung mit 140 Minuten, in der Diane Keaton nur kleine Auftritte hatte, später das Visier darauf, zusätzlich mit Ähnlichkeiten zwischen dem Realen und dem fiktiven Leben, die Kritiken vollkommen unterschiedlich.

Der Komiker Alvy Singer [ Woody Allen ] versucht zu verstehen, warum seine Beziehung mit Annie Hall [ Diane Keaton ] ein Jahr zuvor endete. Alvy versucht, wieder mit jemandem auszugehen, wird jedoch durch eine Neurose und ein enttäuschendes sexuelles Erlebnis getrübt, das unterbrochen wird, als Annie mitten in der Nacht anruft und ihn drängt, sofort vorbeizukommen, um eine Spinne in ihrem Badezimmer zu töten. Es kommt zur Versöhnung, verbunden mit dem Schwur, zusammenzubleiben, komme, was wolle. Ihre getrennten Gespräche mit ihren Therapeuten machen jedoch deutlich, dass eine unausgesprochene und unüberbrückbare Kluft besteht. Bald verliert er sie wieder, an den Plattenproduzenten Tony Lacey [ Paul Simon ].

Mysteriöse Treffen werden hier geboten, Bergman läuft im Kino, 2 Minuten hat man verpasst schon, dafür werden andere Ansichten gehört und abgelehnt, eine Menschenschlange bewegt sich nicht nach vorne, man hört alles mit, man bekommt alles mit, popkulturelle Referenzen, die vierte Wand durchbrochen, eine Interpretation, ein Standpunkt, eine Philosophie, die Trennung längst geschehen, hier in der Rückblende gezeigt, im Nachhinein. Der Frau nimmt man den Titel weg, dem Mann weist man ihn zu, eine Verquerung der Umstände, es dreht sich um sie, er ist bloß der Begleiter für einen Augenblick, mal der Gegenpol, mal der Mitstreiter, oft eine Verallgemeinerung. Schnelle Schnitte hier zuweilen, die Kamera von Gordon Willis ruhig, diesmal die Personen begleitend, Verschwörungstheorien als Entschuldigung für verweigerten Sex, zwischendurch hat man eine Küche voller Hummer, eine chaotische Beziehung, es wird in die Vergangenheit gereist, Dimensionen übersprungen, einander vorgestellt, eine halluzinatorische Reise. Frühere Ehefrauen werden 'versucht', frühere Liebhaber, eine Reduktion auf psychoanalytische Analogien, mal wird auch auf die Therapeuten und deren Meinungen eingegangen, oft unterschiedliches gesprochen, Anschlüsse gesucht und vermieden, es werden Einladungen ausgesprochen.

Miss Hall ist aus Wisconsin, "Die schlechteste Autofahrerin", die je gesehen wurde, eine Verbindung aufgenommen, Keaton ist wieder das Hauptinteresse, sie hat viel zu berichten, viel zu erzählen, der "typische Jude" sich vorgestellt, mal die Gedanken anders als das Gesprochene, der Anfang einer Zweierbeziehung, eine traurige Kunstform eigentlich, die zweite Ehe und Scheidung ein konzentrierter Vitaminstoß, die erste Ehe eher so bescheiden, das Schreckliche und das Unmögliche demnach, in allen Bereichen des Lebens, in zwei Kategorien nur zu unterteilen, es gibt Schlüsselfragen, es gibt keine Antworten, es geht über die Wohnungsdiskussion zu einem Ausflug aufs Lande, von der Hanfzigarette zum Therapeuten, auch hier sind viele Leute Kreative, Schreiberlinge, für die große Lektüre und die kleinen Witze.

Selbst den Eltern wird man vorgestellt, gibt es kleine Cameo, wendet man sich an das Publikum, ein Durchbrechen der vierten Wand. Verändern tut sich die Dramaturgie, nichts mehr mit Friede, Freude, Eitelkeiten, wird einander und fremd analysiert, wieder Sinatra auftauchend, in Gedanken zumindest, "Liebe vergeht", popkulturell ist man hier noch deutlicher, sexuell auch, feindseliger auch, offensiver im Gebaren. Die Frau, das unbekannte Wesen, die Liebe hier verständlicher, nicht überlastet, die Trennungen schmerzvoller, konzentrierter, fokussierter, selbst eine Tour aus der Komfortzone hinaus nach Los Angeles gibt es hier, die Bequemlichkeit verlassen, hinein in den Trubel, hinein in die Massen.





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