Tony Stark, erneut von Robert Downey jr. gespielt, versucht einen Schutzmechanismus zu entwickeln, der die Menschheit anstelle der Avengers vor allerlei Bedrohungen schützt. Er erschafft die künstliche Intelligenz Ultron, die ihren Auftrag jedoch ins Gegenteil verkehrt und sich gegen ihren Schöpfer sowie die übrigen Avengers wendet. Als das Programm, das schließlich in Form eines Superroboters physisch Gestalt annimmt und sich wie ein Virus im Internet verbreitet, alle Hebel in Bewegung setzt, um die gesamte Menschheit auszulöschen, beschließen die Avengers, dem teuflischen Treiben ein Ende zu setzen. Dabei erhalten sie unverhoffte Unterstützung.
Joss Whedon stand bei „Age of Ulron“ vor einigen Herausforderungen, nachdem er mit „The Avengers“ die bisher erfolgreichste Comic-Verfilmung aller Zeiten inszeniert hatte, weil er damit wohl nicht zufrieden sein konnte, bzw. er dufte es vermutlich auch nicht. Denn die fatale Logik der seit nunmehr sieben Jahren in regelmäßigen Abständen aufeinander folgenden Marvel-Filme besteht seit jeher darin, Action, Handlung und Figuren Film für Film zu steigern, die Zuschauer mit immer größerem Bombast-Kino bei der Stange zu halten und die Heldenfilme dabei verstärkt zu vernetzen. Am überfrachteten Inhalt mit allzu vielen Figuren und Nebenschauplätzen sind daher unter anderem „Iron Man 2“ und „Thor 2“ gescheitert und auch „The Avengers“, der stets darum bemüht war, jedem seiner Hauptfiguren einige coole Auftritte, One-Liner und Dialoge zuzugestehen, war bereits haarscharf an der Grenze des Overkills. Und das war Whedons Dilemma. Auf der einen Seite waren die Erwartungen an das Sequel sehr hoch, auf der anderen Seite hatten seine Avengers bereits in einem fulminanten Showdown, einem Alien-Krieg mitten in New York, die Welt gerettet, sodass eine Steigerung dessen nur im Overkill enden konnte. Die Sequel-Falle stand also gewissermaßen bereit und Whedon tappte mitten hinein.
„Avengers: Age of Ultron“ ist vor allem deshalb schwächer als der Vorgänger, weil Whedons Story vor Fehlern nur so strotzt. Er integriert noch mehr Figuren ins Geschehen, unter anderem zwei Mutanten aus den „X-Men“-Comics, die hier natürlich nicht Mutanten heißen durften, außerdem James Rhodes alias War Machine, den Androiden Vision und einige mehr. Damit ist die Figurenkonstellation derart überfrachtet, dass es kaum noch möglich war, jedem Charakter gerecht zu werden, wenngleich sich der Autor und Regisseur bemüht u.a. Hawkeye gegenüber dem ersten Teil zu vertiefen und eine kleine Love-Story zwischen Bruce Banner und Black Widow einbaut. Thor beispielsweise hat dagegen im Endeffekt nichts Sinnvolles zu tun, weil vor allem Tony Stark und Steve Rogers alias Captain America die Arbeit im Team bestimmen und die Handlung vorantreiben. Daher wird er auf einen unnötigen Kurztrip geschickt, der die Handlung letztendlich überhaupt nicht voranbringt. Auch den Action-Szenen sieht man in erster Linie das Bemühen Whedons an, jedem seiner Helden einige Sekunden Ruhm zu verschaffen. Fatal ist auch, dass Ultrons Beweggründe bis zum Ende fast unverständlich bleiben, was auch für den von ihm zum Leben erweckten Androiden Vision gilt. Es wird nicht einmal wirklich deutlich, worin der Konflikt zwischen Ultron und seinem Schöpfer Tony Stark eigentlich genau besteht. Aber nicht nur in Hinblick auf die Figuren und Schauplätze wäre hier weniger definitiv mehr gewesen, sondern auch bezogen auf den Plot, der sehr verworren ist und zu einer sehr umständlichen Erzählweise führt, was wiederum vermeidbare Brüche und kleinere Längen im Mittelteil zur Folge hat.
Das alles soll jedoch nicht heißen, dass der Film schlecht wäre. Es gibt reichlich sehenswerte Action-Sequenzen mit gewohnt guten Spezialeffekten zu sehen, überzeugende Kampfszenen, gewaltige Zerstörungsorgien und alles, was sonst noch so dazu gehört. Hinzu kommen das futuristische Design der Stark-Laboratorien sowie allerlei technische Spielereien, die von der Kreativität der Macher zeugen. Was die Action-Szenen angeht, bekommt der geneigte Zuschauer also einmal mehr genau das geboten, was er sich von einem Blockbuster aus dem Hause Marvel erwarten kann, wenngleich die Umsetzung in 3D nicht unbedingt von Nöten gewesen wäre. Kritisch zu sehen ist allenfalls, dass die Action-Sequenzen mitunter zu sehr an den Vorgängerfilm erinnern, so läuft auch diesmal ein entfesselter Hulk Amok, sodass er von seinen Mitstreitern gestoppt werden muss, während der Showdown in seiner Machart phasenweise an den in Manhattan erinnert. Aufgrund der wohlwollenden Dosierung und des qualitativ hohen Niveaus der Action-Szenen ist aber durchgehend für einen ordentlichen Unterhaltungswert gesorgt.
Auch die reichlich eingestreuten Gags, die das Geschehen auflockern und vermeiden, dass sich der Film mit seiner dürftigen Story allzu ernst nimmt, tragen zu einem insgesamt gelungenen Kinoabend bei. Zwar überzeugen nicht alle One-Liner und auch ansonsten lässt sich der eine oder andere Rohrkrepierer nicht leugnen, die Mehrzahl der Gags ist aber durchaus amüsant und garantiert auch dann einen ordentlichen Unterhaltungswert, wenn gerade nicht gekämpft oder geschossen wird. Besonders die kleinen Scharmützel zwischen Captain America und Tony Stark sorgen wie schon im ersten Teil für einige Lacher, aber auch der zynische Ultron ist gar nicht so humorlos, wie er aussieht. Besonders Robert Downey jr., der einmal mehr voll in der Tony Stark-Rolle aufgeht, hinterlässt mit witzigen Sprüchen, starkem Spiel und großer Präsenz dabei einen sehr guten Eindruck. Sehr überzeugend sind aber auch Mark Ruffalo und Scarlett Johansson, die diesmal die ernsteren Parts im Team übernehmen. Und auch die übrigen Darsteller aus dem sehr prominent besetzten Cast hinterlassen keinen Grund zur Beschwerde. Selbiges gilt für den gelungenen Score von Brian Tyler und Kult-Komponist Danny Elfman.
Fazit:
Schon der Vorgänger war mit seinen sechs Helden und den zahlreichen Nebenfiguren etwas überfrachtet, weil jeder Akteur seinen großen Auftritt und den einen oder anderen One-Liner brauchte. Daher war es ein Fehler von Joss Whedon mit „Age of Ultron“ noch einen Schritt weiter zu gehen, noch mehr Figuren und Schauplätze ins Geschehen zu integrieren. Das führt zu einer überladenen Story, wobei auch der verworrene Plot und die umständliche Erzählweise zu bemängeln sind. Die gut aufgelegten Darsteller, die für einige humorvolle Momente sorgen und die furiosen Action-Sequenzen hieven den Film nichtsdestotrotz ins obere Mittelmaß, im Gegensatz zum Vorgänger aber nicht darüber hinaus. Der dritte Teil, „Infinity War“, soll ein Zweiteiler mit noch größerem Bombast und Mega-Budget werden. Schwer zu sagen, ob man sich darauf nun freuen soll.
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