Nach dem Abspann fragte ich mich, warum der Regisseur Ibanez Serrador nach LA RESIDENCIA (aka DAS VERSTECK, italienischer DVD-Film-Titel: GLI ORRIRI DEL LICEO FEMMINILE) nicht die ganz grosse Karriere gemacht hat. Wie ungerecht! Sein WHO CAN KILL A CHILD ist nämlich auch ein kleiner Klassiker des Genrefilms. Eigentlich müsste er mindestens auf der Stufe eines Dario Argento (und zwar zu seinen besten Zeiten) stehen...
Warum? Na, weil LA RESIDENCIA einfach atemberaubend bombig ist. Da stimmt wirklich alles: die megafette Breitwand-Ästhetik (es gibt etliche Fassungen, die nach den Credits in Vollbild übergehen - die italienische DVD dagegen sieht wirklich doll aus), die knallige Farbfotografie, der wundervolle Score, die (wenigen) sensationell gefilmten Morde (speziell der erste in Zeitlupe!), die Darstellerleistungen (von Lilli Palmer bis in die kleinsten Nebenrollen einfach brilliant) und die extrem unheimliche Atmosphäre, die eine Magie ausstrahlt, die einen den Atem nimmt - zumindest wenn man sich konzentriert (am besten alleine und tief nachts) in einen Film fallenlassen kann...
Zu den Dialogen kann ich nicht besonders viel sagen, denn die italienische DVD bietet "nur" spanischen und italienischen Ton an - es gibt auch keine englischen UT, was ich bei vielen DVDs aus Spanien und Italien vermisse. Wollen die ihre DVDs denn nicht exportieren, oder wie??? Ich würde mir noch viel mehr solche tollen Scheiben kaufen, wenn sie denn wenigstens englische UT hätten! Auch wenn ich schon ein wenig spanisch/italienisch verstehe - das ist schon ein Nachteil. Dennoch konnte ich dem Film sehr gut folgen, weil ich mich bestens über LA RESIDENCIA im WWW informiert habe... Und weil in der zweiten Hälfte des Films wenig geredet wird - da regiert der reine Suspense!
Der Film spielt im 19. Jahrhundert in einem Mädchenpensionat, in dem der Butzemann umgeht. Lilli Palmer gibt die fiese Direktorin, die auch schon mal ein armes Mädel auspeitschen lässt. Auch sonst sind die Sitten ziemlich rauh - die Mädchen müssen zum Beispiel in Nachthemden duschen, und wer das nicht tut, bekommt gemeine Strafen aufgelegt. Schon in den ersten Szenen spürt man eine unheimliche Atmosphäre, die nichts Gutes verheisst. Eines nachts geschieht dann ein Mord (wirklich atemberaubend gefilmt - da werden Erinnerungen an Mario Bavas BLUTIGE SEIDE wach) und ab diesem Zeitpunkt darf der Zuschauer fleissig rätseln, wer denn der Butzemann sein könnte. Dabei ist der Film nicht mit Edgar-Wallace-Krimis oder ähnlichem zu vergleichen. Ich weiss nicht wie Regisseur Serrador es geschafft hat, mit so einem relativ niedrigem Budget solch eine Atmosphäre zu schaffen. Das Ganze wirkt wie ein Alptraum aus Angst, Wahnsinn, erwachender Sexualität und Tod - und erinnert damit teilweise an die finstersten Szenen aus den alten Edgar-Allan-Poe-Klassikern wie LEBENDIG BEGRABEN und DAS PENDEL DES TODES - auch wenn die Geschichte und der Stil von LA RESIDENCIA völlig anders ist...
Fazit: ganz, ganz grosse Klasse! Abgesehen davon, dürfte der Film Giallo- UND Fans von atmosphärischen Grusel-Epen gefallen... Einfach doll!