kurz angerissen*
Einmal das Mädcheninternat betreten, gibt es kein Zurück: „Das Versteck“ sperrt den Beobachter mit einer Gruppe junger Mädchen in einen kleinen Mikrokosmos und verriegelt den Weg in die Zivilisation, um die von Bigotterie und konservativer Strenge geführte Erziehung zur Entfaltung zu bringen. Als Ausgleich allerdings nimmt sich Narciso Ibáñez Serrador viel Zeit, um uns das von bedrohlich großen Räumen, dunklen Ecken und edlen Fassaden bestimmte Innenleben der Einrichtung näher zu bringen.
Wenn von direkten Einflüssen auf Dario Argentos später entstandenen „Suspiria“ die Rede ist, bezieht man sich hauptsächlich auf das unsichtbare Wirken des Bösen hinter einer kommunenartig strukturierten Zusammenkunft formbarer Unschuld. Serrador geht dabei etwas stilorientierter vor als sein italienischer Kollege und bevorzugt enge Tunnel aus Licht mit partieller Freilegung geheimnisvoller Ecken des Gewölbes gegenüber einem hemmungslosen Farbenbad.
Der Kern der Geschichte hingegen führt eher zu ödipalen Konstrukten wie jenem aus „Psycho“, was durch Lilli Palmers diabolische Präsenz nochmals unterstrichen wird. Man hätte nicht unbedingt ein größeres Geheimnis daraus machen müssen, wohin die Handlungsfäden führen, aber trotz der relativen Übersichtlichkeit des Plots versteht der Regisseur sich sehr darauf, Suspense zu erzeugen und Terror zu schüren; Kamera- und Schnittexperimente wie Freeze Frames oder schnelle Wechsel zwischen Totalen und Schräg- oder Seitenwinkel-Körperaufnahmen werden mit Bedacht und stets in Hinblick auf einen Klimax eingearbeitet.
Auch wenn eine Handvoll Filmemacher auf dem gleichen Gebiet noch tiefere Spuren hinterlassen haben, so kann Serrador mit dieser Perle des spanischen Horrorkinos immerhin mithalten, die auch fast fünfzig Jahre nach Entstehung ihren Glanz bewahrt hat.
*weitere Informationen: siehe Profil