Die achtzehnjährige Teresa landet im Internat der strengen Madame Fourneau. Hier wartet neben der alles erstickenden Disziplin auch manch schreckliches Erlebnis. Denn nicht nur scheinen hier einige der jungen Damen zu verschwinden, auch sind Teresa nicht alle Mitschülerinnen wohlgesonnen.
„The House That Screamed“ bzw. „La residencia“ ist thematisch durchaus vielschichtig, vermischt etwas Coming of Age, die aufkeimende sexuellen Begierde mitsamt deren Unterdrückung und manchen Machtkampf auf diversen Ebenen, sowohl unter den Schülerinnen, als auch mit der Obrigkeit. Hinzu fließen Elemente aus Giallo und Drama mit ein; der Mix wirkt auf dem Papier recht interessant.
Spanischer Film, da drängen sich ein paar politische Untertöne geradezu auf, bedenkt man, dass das Land 1969 noch unter der Diktatur Francos stand. Sicherheitshalber (?) verlegte man die Handlung also ins Frankreich des 19. Jahrhunderts und trotzdem ist es leicht, faschistoide Darstellungen auszumachen. Das beginnt bei der militärischen Disziplin im Haus. Weiterhin drakonische Strafen für diejenigen, die sich beim Diktat widersetzen, wenn völlig emotionslos vorgegeben wird, was man über einen Künstler zu denken hat. Und auch optisch-organisatorisch, wenn die rechte Hand der Leitung in bräunlicher Uniform sich wie eine Art unterdrückerische Geheimpolizei aufspielt. Machtausübung ist einer der zentralen Punkte in „La residencia“, quasi einem Mikrokosmos, der die in der Realität herrschenden Mechanismen abbildet.
Hinzu kommen noch Mord, Religion und ein ödipaler Jungspund, der unter der Herrschaft seiner Mutter leidet. Alles Einzelteile, Regisseur Narciso Ibáñez Serrador bastelt an (zu) vielen Baustellen und so kommt es zu einer Inkohärenz in der Erzählung – rein subjektiv, manche mögen das als spannend empfinden und man mag annehmen, das dies alles beabsichtigt ist.
Der Exploitation-Verdacht schwingt manchmal mit, wobei man hier nicht in die Vollen geht – was auch auf andere Aspekte zutrifft. Denn Serrador erschafft durchaus Stimmung, vernachlässigt in meinen Augen aber beispielsweise den durch die Morde angefütterten Plot um den/die Täter/in. So lenkt er die Geschichte wieder davon weg, greift dies erst gegen Ende noch mal auf und serviert dazwischen Drama und Ränkespiele. Man macht einige Fässer auf, nicht jedes ist aber ausreichend gefüllt.
Aus dem Ensemble stechen eine Handvoll Figuren heraus, Lili Palmer als strenge Schulleiterin bleibt da im Gedächtnis, ebenso Mary Maude als ihr quasi-Abbild. Die Filmmusik dröhnt mitunter aus den Boxen, der Score von Waldo de los Rios kommt stellenweise überdramatisch daher. Dafür ist die Kameraarbeit gelungen und bietet in kräftigen Farben manch ansprechendes Bild (wenn es das Filmmaterial noch hergibt). Das Setdesign macht es der Linse aber auch nicht allzu schwer, die Einrichtung der Schule sorgt für Atmosphäre und ist durchgehend stimmungsvoll.
Trivia am Rande: Dies war der erste spanische Film, der eine komplette englische Synchronisation erhielt.
„The House That Screamed“ kann mit seiner atmosphärischen Kulisse punkten, mit dem insgesamt gut aufspielenden Ensemble und einem überraschenden Ende. Dieser sich dort abschließende Mörderplot lässt sich, sofern man den angesprochenen Genres zugetan ist, alsbald erraten. Und doch ist die Auflösung wirkungsvoll inszeniert, wirkt ob der vorher gesetzten Schwerpunkte jedoch etwas drangeklatscht.
Was mich nicht so recht abgeholt hat, sind die gewollten Brüche, die Serrador einstreut. Zwar ist es eine nette Spielerei, per Schnitt unerwartete Zeitsprünge einzubauen, inhaltlich aber wirkt die stete Verlagerung von einem Handlungsstrang zum anderen und der später wechselnden Figurenzentrierung flattrig. Man kommt nicht umhin, dem Film hierbei Absicht zu unterstellen, muss man eben mögen oder nicht.
Trotzdem konnte der Film mich nicht vollends mitreißen ob der Gewichtung, die das Szenario in anderer Ausführung für mich spannender gemacht hätte.