Review

Marotten im mysteriösen Mädcheninternat

Spanien kann Genre, Grusel, Gothic. Früher wie auch heute noch. Aber dass ich in deren Historie noch einen solchen Hochkaräter wie „Das Versteck“ aka „La Residencia“ aka „The House That Screamed“ finden würde, das hätte ich nicht unbedingt gedacht. Dieses pompös ausgestattete Psychodrama spielt in einer prachtvollen Mädchenschule, wo unter der herrischen Leitung einer fiesen Frau drangsalieret und schikaniert wird, Mädchen spurlos verschwinden und in den schattigen Gängen gerade nachts unheimliche Dinge vor sich gehen…

Bis die Monatsblutung gefriert…

In der Tradition von „The Haunting“ oder „The Innocents“. Mit Spuren von Giallos, Slashern oder gar „Suspiria“. Ebenfalls vorwegnehmend sowas wie „The Others“, „Das Waisenhaus“ oder Guillermo Del Toros filmische Schauermärchen. „La Residencia“ ist ohne Frage ein geschliffener Topaz des späten 60er-Euro-Gruselkinos. Mit psycho-sexuellen Facetten wie bei Hitchcock, mit einer der feinsten Ausstattungen und einem der erhabensten Herrenhäusern überhaupt. Zwischen Freud und Leid. Zwischen Zickereien und Mordslust. Zwischen tödlichen Geheimnissen und versteckten Gängen. Zwischen Hammer und dem berühmten „Picnic At Hanging Rock“. Ein Zungeschnalzer. Erst recht jetzt in HD. Ein Augenschmaus. Hübsche Mädchen, ein gepimpter Women-In-Prison-Film auch irgendwie. Von drehenden Schrauben und heissen Duschen. Hier gibt Spanien in Sachen Feeling, Vibes, Textur wirklich alles. Das braucht sich nicht vor Hollywood, nicht vor England, vor niemandem zu verstecken. Wendeltreppen & Wandgemälde. Spinnweben & Spleens. Zwischen Bava und Burton. In Frankreich. Mit spanischen Morbiditäten. Und einem Gänsehaut-Piano-Score. Hier laufen einfach verdammt viele Stricke zusammen… für meinen Geschmack. 

Mir kommt hier etwas spanisch vor…

Fazit: in Sachen Dekor, Stimmung, Aussagen und (Slowburn-)Grusel muss man „La Residencia“ mit dem heutigen Wissen Eckpfeiler des spanischen Horrorkinos nennen. Unfassbar exquisit, luxuriös, texturiert, atmosphärisch. Und alles andere als hohl in seinen femininen Untertönen. Stilbildend. Langsam aber noch immer effektiv. Pflichtprogramm. 

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