600 Meilen, - eine lange Strecke, die sich beim Debüt des mexikanischen Regisseurs und Co-Autors Gabriel Ripstein noch weitaus länger anfühlt. Das Zwei-Personen-Roadmovie ist zwar hervorragend besetzt, erzeugt jedoch zu keiner Zeit Suspense.
Der junge Arnulfo (Kristyan Ferrer) eifert den Gangstern, vor allem seinem Onkel, einem Kartellboss nach und transportiert regelmäßig Waffen von Arizona nach Mexiko. Zollfahnder Hank (Tim Roth) hat sich bereits an seine Fersen geheftet, doch aufgrund einer Unachtsamkeit landet er im Kofferraum des unerfahrenen Waffenschmugglers…
Die ersten Szenen untermauern bereits den beinahe dokumentarischen Charakter des Streifens, der mit seiner Handkamera und dem ausbleibenden Score recht schnörkellos daherkommt.
Zunächst fallen die Vorbereitungen mit Ausspionieren im Waffenladen und Treiben auf einer kleinen Messe nicht uninteressant aus, da sie weitgehend authentisch wirken und nicht lange um den heißen Brei geredet wird. Mit dem Kidnapping könnte schließlich der Hebel zu spannungsgeladenen Situationen umgestellt werden, doch genau das bleibt aus.
Zaghaftes Austauschen persönlicher Erfahrungen zwischen Täter und Opfer bringen wenig Interessantes, Zwischenstationen und Kontrollen verlaufen reibungslos und erst als Arnulfo bei seinen Verwandten anklopft, kommt ein wenig Abwechslung ins Spiel. Doch auch in diesem Kontext werden Konfrontationen bewusst dröge gehalten, um die Authentizität des Treibens beizubehalten. Weiterhin verharrt die Kamera oftmals lange in einer Position und während Arnulfo die Hälfte der Zeit heulend in der Ecke kauert, scheint der stoische Hank bereits das Interesse am Geschehen verloren zu haben, - ganz wie der Zuschauer.
Bezeichnenderweise endet die Chose so unausgegoren wie sie insgesamt erzählt wird. Zumindest lässt der offene Ausgang einigen Interpretationsfreiraum zu, eine Pointe wird indes nicht nachgeschoben, so dass auch in diesen Belangen ein unbefriedigendes Gefühl zurückbleibt.
Einzig dem ausgewogen Spiel beider Hauptdarsteller ist es zu verdanken, dass das Unterfangen nicht zur kompletten Gurke mutiert.
Es mag zahlreiche Arthouse-Fans geben, die dem lahmen Treiben etwas abgewinnen könnten, wer jedoch Spannung, eine dichte Atmosphäre oder gar Action erwartet, kann nur enttäuscht werden.
3,5 von 10