Vor 3 Jahren waren Dani (Merlin Rose), Rico (Julius Nitschkoff), Pitbull (Marcel Heupermann), Mark (Joel Basman) und Paul (Frederic Haselon) noch Jungpioniere in Leipzig, nun erforschen sie die neue Zeit: sie klauen Autos, probieren Drogen und eröffnen in einer alten Lagerhalle einen Technoclub. Dieser erweckt bereits am ersten Abend das Interesse junger Rechtsradikaler…
Andreas Dresen (geb. 1963 in Gera) dreht bereits in der Schweriner Oberschule Amateurfilme, macht später ein Volontariat bei der DEFA und absolviert von 1986-91 sein Regiestudium an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg. Nach Arbeiten fürs Fernsehen ist „Nachtgestalten“ (1999) sein erster Kinofilm, es folgen erfolgreiche Produktionen, wie „Halbe Treppe“ (2002), „Sommer vorm Balkon“ (2005), „Whisky mit Wodka“ (2009) und „Halt auf freier Strecke“ (2012), der 4 Deutsche Filmpreise erhält.
In seinem auf der Berlinale 2015 uraufgeführten Drama „Als wir träumten“ widmet sich Andreas Dresen dem munteren Treiben 5 junger Männer in den frühen 90er Jahren als in Leipzig die „Wir sind das Volk Rufe“ längst verklungen sind. Ihre Aufgeschlossenheit für alles Neue, aber auch die Ziellosigkeit ihres Handelns stehen stellvertretend für eine ganze Generation. Der gleichnamige Roman von Clemens Meyer wird episodenhaft präsentiert, die einzelnen Charaktere werden erst nach und nach vorgestellt, wobei auch Rückblenden ins Pionierleben genutzt werden, welche die einseitige Schulbildung in der DDR dokumentieren. Dresen ist immer ganz nah bei seinen Figuren, nutzt fast ausschließlich Porträt- und Halbporträtaufnahmen und baut seine Geschichte sehr flott auf. Nach stakkatoartigen Szenen im bezeichnender weise „Eastend“ genannten Technoschuppen und einer letzten dramatischen und blutigen Auseinandersetzung mit den widerlichen Jung-Nazis gibt es einen kleinen Bruch in der story, die nun überraschend ruhig zu ende erzählt wird. Der Tempoverlust wird inhaltlich durch die dramatische Entwicklung der Jugendlichen wettgemacht. Mit engagierten, jungen Darstellern in einem authentischen Szenario zeichnet Andreas Dresen ein realistisches Porträt der Nachwendezeit. (8,5/10)