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Einen passablen Grusler als Film der Woche abzuliefern ist gar nicht so leicht, wie ich mir inzwischen erarbeitet habe, doch manchmal kann man auch mit kleinen Sachen Zuschauern große Freude machen.
Eins der gruseligen Highlights unter den Filmen der Woche aus dem Studio ABC ist „Daughter of the Mind“, der das Thema konstruktiv von der parapsychologischen Seite angeht, zumindest für Hälfte 1.

Ray Milland, seines Zeichens Oscarpreisträger und im Alter meist missmutig unterwegs, spielt einen Kybernetikwissenschaftler, der Zielleitsysteme für die US-Raketen zusammenpuzzelt. Gene Tierney („Laura“) spielt in einem ihrer raren TV-Auftritte seine Gattin. Leider kam vor ein paar Monaten seine kleine Tochter Mary um Leben (die Ray übrigens so Mitte 50 angesetzt haben müsste, wenn ich richtig rechne), die ihm nun aber geisterhafte Nachrichten schickt und dann auch noch vor und an seinem Auto auftaucht. Sie warnt ihn, man ließe sie nicht mehr zu ihm, wenn er nicht aufhöre und das interpretiert er als Hinweis auf seine Regierungsarbeit.
Milland, zunächst noch gut ansprechbar, wendet sich nun aber an einen Fachmann, der für ihn prüfen soll, ob hier ein Schwindel vorliegt oder ob er an ein Leben nach dem Tod glauben darf. Don Murray spielt den wackeren Parapsychologen Lauder, der fortan plötzlich alle Hände voll zu tun hat, weil nämlich der Prof tatsächlich schon abgehört wird, allerdings nicht aus dem Jenseits, sondern vom Geheimdienst, der durch Edward „Lou Grant“ Asner vertreten wird. Doch vorerst bleibt die Chose wasserdicht und als man sich mit einem freundlichen Medium und allerlei Sicherheitsmaßnahmen zu einer Séance trifft, fliegen den meisten die Zweifel um die Ohren. Geister-Mary wird hörbar, sichtbar für alle Anwesenden und hinterlässt auch noch eine Wachshand in einem Wasserkrug.

Der Zuschauer wird geschickt auf die Position Millands und Lauders geschickt, nämlich Zweifer zu sein und gleichzeitig immer wieder überrascht zu werden. Schon laufen die letzten Fristen ab, ob Daddy nun seinen Job hinschmeißt, als Lauder einen Tipp bekommt, der ihn das Problem von der anderen Seite sehen lässt und sitzt kurz darauf in einem tödlichen Agententhriller fest.

„Daughter of the Mind“ ist mehr als solider TV-Stoff, der immer wieder mit überraschenden Wendungen aus der Hüfte schießt. Die Geistererscheinungen sind gut gemacht, der Umgang damit ist interessant und die Stars nerven auch nicht, auch wenn der Film eindeutig Murray und Asner gehört. Im letzten Drittel, einem Rennen gegen die Uhr, gerät der „brave scientist“ dann in tödliche Gefahr, weil er der Wahrheit zu nahe kommt und die Chose bekommt noch richtig Drive mit allerlei technischen Kinkerlitzchen.
Wenn ich dem Skript etwas vorwerfen kann, dann dass es zuviel Tragik für Milland und Tierney enthält und Murray zu lange nicht von der Stelle kommt, während das druckvolle Finale und die dringend benötigten Erklärungen praktisch im Rausgehen erledigt werden. Schön auch das viel zu kurze Intermezzo, in dem John Carradine in seinem Zauberarchiv wichtige Hinweise an den Newcomer weitergibt.

Murray (der mit 93 Jahren übrigens immer noch unter uns weilt) war mit diesem Film dann tatsächlich eine Art Vorbild für eine TV-Serie, „The Sixth Sense“, deren Darsteller in einem ähnlichen Institut und mit ähnlichen Fällen arbeiteten. Dort übernahm allerdings Gary Collins die Hauptrolle. Die Serie kam 1972 bei schlechten Quoten in zwei Halbstaffeln dann aber doch auf 25 Folgen.

„Daughter“ sei allen Genrefans durchaus empfohlen, die nicht die üblichen ausgetretenen Skriptpfade gehen wollen und auch wenn man vorab ahnt, dass die Chose nicht koscher ist, hängt man doch erfreulich lang an den Erklärfäden. Wohlige 7/10.

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