kurz angerissen*
Ein niedliches kleines Einmal-hin-und-zurück-Abenteuer, das so einfach ist, wie das Leben schon seit jüngster Kindheit nicht mehr. Keine übergeordnete Motivation, kein gesprochenes Wort. Die größte Errungenschaft, aber auch der größte Fluch sprachlicher Verständigung ist es vielleicht, dass sie ein Bewusstsein für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schuf. Als Reminiszenz an die goldene Stummfilmzeit verzichtet die dialogfreie Filmversion der ebenfalls dialogfreien Animationsserie "Shaun das Schaf" auf diesen Zugewinn an Kontext und gibt sich ganz und gar der Gegenwart hin. Es herrschen keine Sorgen darüber, welche Gefahren in der Stadt lauern könnten, denn als die Reise beginnt, ist ja noch gar nicht klar, wohin sie eigentlich führt. Die Aardman-Studios zeigen anhand ihrer niedlichen Kreaturen aus Knete und Wolle, was auch eine kreative Lemminge-Verfilmung hätte bewerkstelligen können: Naive, runde Kugelaugen, dumm blökende Münder und der gedankenlose Schritt nach vorne in den Abgrund sind alles, was diese Herde benötigt.
Dass in solch einer unschuldigen Welt dennoch Filmzitate für Erwachsene hinterlegt sind ("Das Schweigen der Lämmer"), deutet darauf hin, dass sie gar nicht mal in erster Linie für Kinderfreuden erschaffen wurde; vor allem soll sie die Entwachsenen daran erinnern, woher sie ursprünglich stammen. Solange der Ausflug dauert, geht der Plan aufgrund der wie gewohnt herrlich physischen Animation auch auf. Dass die Schafe nicht mit allzu viel Substanz gefüttert sind, ist dann die letzte Erkenntnis im Abspann, von der man nicht so recht weiß, ob man sie dem Film vorwerfen soll oder dem eigenen erwachsenen Ich.