Die junge Spanierin Victoria, tagsüber in einem Cafe als Aushilfe tätig (und entsprechend unterbezahlt) gönnt sich eine Nacht in einem Berliner Club. Als sie geht, trifft sie auf vier Kerle mit den sonderbaren Namen Fuß, Boxer, Sonne und Blinker. Man streunt entspannt und ziellos durch die fast verlassenen Straßen. Sonne beginnt einen Flirt mit Victoria. Doch dann fordert eine Knastbekanntschaft von Boxer, der ihm im Gefängnis Protektion gewährt hatte, eine Gefälligkeit in bar, einzulösen mittels Bankraub. Dabei muss Victoria für den völlig betrunkenen Fuß als Fahrerin einspringen. Der Raub gelingt zwar, doch werden die Protagonisten von einer Zivilstreife entdeckt und dann gejagt. Nur eine Person wird diese Nacht überleben.
Dass dieser in einem Take gedrehte Film eine logistische Meisterleistung darstellt, ist unbestritten. In die einhelligen Lobeshymnen der bürgerlichen Presse mag ich dennoch nicht einstimmen. Zum einen ist das beileibe nicht der erste Film dieser Art (siehe z.B. LA CASA MUDA). Zum anderen stottert nach starkem Auftakt der Rhythmus erst einmal beträchtlich. Das ist ca. 60 Minuten sehr sehr zäh, hat kaum Tempo, dafür aber zu viele überflüssige Dialoge. Dynamik kommt erst auf als der Film zum Genrebeitraf mutiert.
Leider ist die Auftaktszene dazu in einer Tiefgarage mit dem "Bösen" und seinen Schergen geradezu lächerlich überzeichnet. Weitere Unglaubwürdigkeiten folgen: Warum fordert der Chef nur 10.000 € von der Beute, wo er die Gruppe doch gar mit - sicher teuren - Feuerwaffen ausgestattet hat/ wieso gelingt der - nicht gezeigte - Raub derart problemlos/ wieso lassen sich die vier auf banalste Weise erwischen ... aber entkommen dann genau so einfach wieder/ wieso erhalten Victoria und der angeschossene Sonne, sich sehr verdächtig aufführen, in einem luxuriösen Hotel ohne Aufhebens ein Zimmer??? Das alles ist angesichts der unbestreitbaren Qualitäten des Films irgendwie schade. Vor allem die Schauspielerleistungen sind für einen deutschen Film nämlich überzeugend, vor allem von Laia Costa als Victoria. Endlich einmal keine hölzernen Figuren, sondern echt wirkende Charaktere.
Dennoch empfehle ich insgesamt gesehen ein koreanisches Remake, da zu zwiespältig und nicht mehr als solides Mittelmaß.
5/10