Review

Stadt der Hoffnung


Taxis waren im Arthousebereich der Kinolandschaft schon immer gerne genommene Spiegelbilder von Gesellschaften und Zeitpunkten in der Geschichte, von Menschen und deren Einstellungen, von Ländern und Städten. „Taxi Teheran“ von Jafar Panahi entführt uns semi-dokumentarisch in die titelgebende Hauptstadt Irans. Genauer gesagt in ein Taxi, gefahren vom Regisseur selbst, in dem wir ein paar Stunden mit mehr oder minder versteckter Kamera Fahrer, Fahrgäste und die Gesellschaft und Stadt in derem natürlichen Fluss und Chaos begleiten. Selbstredend gescriptet, was man bei einigen der Laiendarstellern auch merkt, dennoch erstaunlich natürlich, homogen, frisch und ehrlich. Mal steigt ein Filmverticker ein, der die neuesten, illegal gebrannten Hollywoodblockbuster an den Mann bringen will und großer Fan des iranischen Ausnahmeregisseurs ist, mal muss ein vielleicht tödlich verletzter Mann ins Krankenhaus gefahren werden, mal wird sich über das strenge Staatssystem unterhalten und dann erzählt die Nichte des Fahrers/Regisseurs von ihrem Schulprojekt auf den Spuren ihres Onkels - alles setzt man als Zuschauer in Bezug und Verbindung zu den unterdrückenden und undemokratischen Verhältnissen im Land und Teheran insbesondere, ohne jedoch Leidenschaft, Herz und Zuversichtlichkeit dieser Stadt aus den Augen zu verlieren...

„Taxi Teheran“ ist mehr als ein winziges Filmexperiment. Die persönlichen Schicksale scheinen klein und intim - doch als Gesamtbild ergeben sie etwas Intensives und Bleibendes. Nicht einseitig oder zu kritisch, alles andere als hoffnungslos und verbittert, sondern sehr leichtfüßig und „nebenbei“. Panahi, der in seinem Land sehr kritisch beäugt und von der Regierung nahezu verfolgt wird, diesen Film auch mehr oder weniger „undercover“ drehen musste, scheint ein unheimlich sympathischer und positiver Zeitgenosse zu sein, dem die Zustände (vor allem für Filmemacher) in seinem Land nahe gehen und sicher auch aufregen, der sich dadurch aber nicht fertig oder klein oder mundtot machen lässt. Beeindruckend wie er hier wortwörtlich durch den Film und die Straßen führt. Teheran sieht man nicht allzu oft im Kino und die Stadt erscheint sehr interessant, lebhaft, facettenreich und quirlig. Natürlich unterschwellig auch gefährlich und gesellschaftlich/sozial in Ketten - doch nach „Taxi Teheran“ sieht man genug Luft in den Lungen dieser Millionenmetropole, um diese zu sprengen. Irgendwann. Hoffentlich. Friedlich. Ein ganz spezielles und bitter-süßes Gesellschaftsporträt. 

Fazit: „Taxi Teheran“ ist nur ein kleiner Auszug - fühlt sich gleichzeitig aber ganz groß an. Irgendwo zwischen Jarmusch und Kiarostami. Alltag und Kunst, Normalität und Kino, Taxi und Terror, Kontrolle und Freiheit. Sau kurzweilig für anspruchsvolles bzw. „arthousiges“ Kino. 

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