Review

Der Gesellschaftsquerschnitt sucht auf einem Landgut sein Heil. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Begehren nach Heilung: für die Eheprobleme, für die emotionale Verschlossenheit oder für den Altersverdruss nach der Pensionierung eines Managerherzes. Das zweiwöchige Selbsterfahrungseminar leitet Dr. Roman Romero, Guru in den Augen seiner Patienten, geradezu Erlöserfigur in denen seiner Mitarbeiter. Und hinter der Kulisse? Da ist alles weniger Post-New-Age und körperliche wie seelische Entschlackung, da schielt der Sarkasmus nicht nur mal eben um die Ecke, da ist die Rede vom Haufen Elend, den „Gesichtsbaracken“, die den Krankheitszustand unserer Welt dokumentierten. Tatsächlich aber sind einige der therapeutischen Erfahrungen derart erfahrbar in Szene gesetzt, dass man annehmen muss, Regisseur Christian Frosch wolle uns hier wirklich zuschauen lassen, wie die Teilnehmer von ihren Alltagsneurosen befreit werden. Und das ist im Grunde schon das ganze Problem des Filmes. Er ist gewissermaßen eine Esoterik-Satire mit seinen propagandistisch hochstilisierten Werbespots, mit seinen Therapiesitzungen, bei denen Hintergrundmusik gänzlich überhöht in irgendwelche meditativen Sphären vorzudringen versucht.

Doch sollen seine Protagonisten keine bloßen Gesichtsbaracken sein. Man spürt, dass es Christian Frosch hier auch um Ernsthaftigkeit geht, wenn sich die zivilisationskranken Menschen entladen und die Kontamination freigelegt wird. Nur bleibt da immer dieser zynische Ton des Gurumeisters im Hinterkopf und so scheint das Sujet entgrenzt von mitfühlendem Anspruch und belustigender Persiflage. Die Trennlinie ist einfach nicht existent, sodass bei den psychotherapeutischen Sitzungen alles möglich ist an Gefühlsregungen des Zuschauers. Entweder man ist von leichter Beklemmung ergriffen oder man rollt sich vor lauter Theatralik auf dem Boden. Das gilt jedoch nicht für die zweite Hälfte des viel zu langen Filmes: Da hat sich dann jeder garantiert feucht gelacht und das Zwerchfell hat die dicken Tränen geysirartig aus den Drüsen schießen lassen. Nach dem Ausraster des stillen Wassers der Gruppe schert sich Frosch um keinerlei Plausibilität mehr und inszeniert ganz fröhlich, im Rahmen seiner Möglichkeiten, das Therapiemassaker. Totalität, das heißt Radikalkahlschlag und bringt eine schöne Umkehrung mit sich: Eigentlich Gesunde werden krank und totgemacht, während die Kranke sich selbst heilt. Ein also im Ganzen prächtig unorganisiert erscheinender Film, der in dieser Unorganisiertheit allerdings ganz eigen ist und deshalb ein bisschen sehenswert.

Details
Ähnliche Filme