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Staffel 1

Ein Toter im Hafenbecken von Kopenhagen erregt die Aufmerksamkeit von Ermittler Mads Justesen (Thomas Bo Larsen), ganz besonders, nachdem sich herausstellt, daß der Ukrainer offenbar völlig unzureichend gesichert bei Taucharbeiten in einem Windpark ums Leben gekommen ist. Der ruhige Mads verspricht daraufhin den um ihre Arbeit bangenden und daher schweigsamen Arbeitern, daß Dänemark ein Rechtsstaat sei und Verstöße gegen das Arbeitsrecht erfolgreich angezeigt werden können - doch damit kommt er schon bei seinem Vorgesetzten nicht durch, der keinen Ärger mit dem Auftraggeber riskieren will: schließlich ist ENERGREEN ein erfolgreich expandierendes Öko-Unternehmen mit Perspektiven für einen Einstieg in den internationalen Aktienmarkt und somit der Shootingstar schlechthin unter den dänischen Firmen. Verbittert muß Mads erleben, daß nicht nur die ganzen Arbeiter kurz darauf gekündigt werden, sondern sich der Vater des Ertrunkenen angesichts dieser Machtlosigkeit selbst der Polizei resigniert erhängt.
Doch damit ist das Interesse von Mads an den Machenschaften des ENERGREEN-Konzern erst recht geweckt, dem er mit dem chinesischen Kollegen Alf (Thomas Hwan) vom Dezernat für Wirtschaftsbetrug - zunächst erfolglos - auf die Pelle rücken will. In deren splendider Chefetage versucht sich derweil die in der Rechtsabteilung tätige Claudia Moreno (Natalie Madueño) durch Fleiß nach oben zu arbeiten, als ihr einige Fehler in Verträgen auffallen, die dem CEO Alexander Sødergren (Nikolaj Lie Kaas) bekannt gewesen sein müssen. Als sie diese Ungereimtheiten anspricht, löst sie damit eine Kette von Ereignissen aus, die ihren Abteilungsleiter den Kopf kosten und sie selbst noch am gleichen Tag zur Chef-Justitiarin machen. Fortan muß Claudia, die stets zwischen buchstabengetreuer Pflichterfüllung und den ungeahnten Möglichkeiten ihrer neuen Position changiert, mit den Marotten des Chefs Sødergren, einer schillernden Persönlichkeit, umzugehen lernen.
In einer weiteren Parallelhandlung wird das wenig glamouröse Leben des jungen Vaters und Automechanikers Nicky (Esben Smed Jensen) geschildert, der mit seinem nicht sonderlich intelligenten Kumpel Bimse (Lucas Hansen) langsam aber sicher auf die schiefe Bahn gerät.

Der Titel Follow the money ist Programm - alle 3 parallelen Erzählstränge dieser dänischen Produktion richten sich mehr oder weniger nach der unwiderstehlichen Anziehungskraft des Geldes: Während der allein lebende und entscheidende Alexander Sødergren sich im Laufe der Zeit ein ebenso raffiniertes wie undurchsichtiges Netz an Scheinfirmen und Tarngesellschaften aufgebaut hat und nun als Krönung für seine nach außen hin bis dato bestens beleumdete Ökofirma ENERGREEN auf den Aktienmarkt drängt, sind die beiden Ermittler Mads und Alf eher im trüben Kielwasser dieser schier unglaublich erscheinenden Erfolgsstory tätig. Noch wesentlich kleinere Brötchen backen müssen dagegen die beiden Mechaniker, bei denen der tüchtige Nicky sich von seinem linkischen Freund dazu überreden läßt, Luxuskarossen per Software-Manipulation an die serbische Mafia zu verkaufen...

Der dänischen Originaltitel Bedrag, den man sinngemäß am besten mit "Täuschung" bzw. "Betrug" übersetzen könnte, kommt der eigentlichen Handlung am nächsten: wird es den Ermittlern gelingen, die sich nach und nach ergebenden zahlreichen Verfehlungen des ENERGREEN-CEOs in vor Gericht verwertbarer Form aufzudecken? Oder wird der charismatische Sødergren, der über Leichen geht, wieder mit irgendeiner Finte den Nachstellungen entkommen?
Die sich in 10 Folgen zu je etwa einer Stunde entfaltende Story bietet dem Zuschauer ein abwechslungsreiches Geschehen, das hauptsächlich von Nikolaj Lie Kaas (Milleniums-Trilogie) getragen wird, dessen nonchalantes Lächeln zu seinen unberechenbaren Aktionen so etwas wie das Gesicht der Serie darstellt. Daneben geraten die Rollen der frisch gebackenen Chef-Justitiarin Claudia und ihrer privaten Probleme (Sorgerechtsstreit), des ebenso biederen wie beharrlichen Ermittlers Mads (mit seiner an MS erkrankten Gattin) wie auch der Kleinkriminellen Nicky und Bimse ein wenig ins Hintertreffen - authentisch dargestellt sind sie jedoch allemal.

Fazit: Von der Thematik her (mühsame Polizeiarbeit sowie ein Blick hinter die Kulissen wirtschaftsmächtiger Firmen) zwar nichts bahnbrechend Neues, dennoch durch ambivalente Charakterzeichnungen stets sehenswert - 7 Punkte für die 1. Staffel von Follow the money, der alsbald eine weitere folgen sollte.

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