Eineinhalb Jahre nach dem Konkurs der betrügerischen Öko-Firma ENERGREEN und dem spurlosen Verschwinden seines CEO Sødergren sind die Beamten aus dem Dezernat für Wirtschaftskriminalität Mads Justesen (Thomas Bo Larsen) und Alf Rybjerg (Thomas Hwan) weiterhin mit der Suche nach Delikten beschäftigt - aktuell geht es um langfristige Bankkredite für Kleinunternehmer, die aus heiterem Himmel plötzlich zurückgefordert werden und so manche Selbständige in den Ruin treiben. Als ein betroffener Schreiner aus Verzweiflung eine Geiselnahme in einer Bank verübt und vor den Augen des als Vermittler tätigen Mads von einem Sonderkommando per Kopfschuss liquidiert wird, gerät das Blut des sozial denkenden dänischen Ermittlers wieder einmal in Wallung: Wer treibt aus welchem Grund solche Kleinunternehmen bewußt in den Konkurs?
Bei seiner Suche in Bankierskreisen findet er heraus, daß die solchermaßen Bedrängten allesamt Kunden einer größeren Bank waren, die kleinere Kreditinstitute per feindlicher Übernahme zu schlucken versucht. Im Dunstkreis von deren Aufsichtsrat stößt Mads dann auf einen alten Bekannten, den undurchsichtigen Multimillionär Knud Christensen (Waage Sandø), der schon bei den EVERGREEN-Ermittlungen als graue Eminenz im Hintergrund aufgetaucht war - doch dem vorsichtigen Christensen war bis jetzt nichts nachzuweisen.
Auch Claudia Moreno (Natalie Madueño), einst Chef-Justitiarin bei EVERGREEN, ist wieder mit von der Partie: Nach eineinhalb Jahren Haft wegen guter Führung vorzeitig entlassen, versucht die umtriebige Dunkelhaarige wieder Fuß zu fassen. Tatsächlich gelingt es ihr nach anfänglichen Schwierigkeiten, in den Vorstand der kleinen Absolon-Bank einzusteigen, die von dem ungleichen Geschwisterpaar Simon (David Dencik) und Amanda Absalonsen (Sonja Richter) geleitet wird.
Und schließlich ist da noch der kleine Ganove Nicky (Esben Smed) und sein Kumpel Bimse (Lucas Hansen), die nach wie vor eine Autowerkstatt führen, wobei Nicky immer seltener dort anzutreffen ist, da ihn der hauseigene Auftragskiller von EVERGREEN, jener "geheimnisvolle alte Schwede" (Claes Ljungmark) mit immer anspruchsvolleren und gefährlicheren Aufträgen als seinen legitimen Nachfolger aufbauen will...
Nach dem Erfolg der 1. Staffel lag es für Drehbuchautor Jeppe Gjervig Gram und seine Co-Autoren natürlich nahe, eine 2. Staffel von Follow the Money abzudrehen, welche storytechnisch auf den Ereignissen der 1. Staffel aufbaut. Wieder geht es um undurchsichtige Transaktionen diverser Banken und internationaler Geldgeber, deren Ziele (Gewinne lukrieren) zwar logisch erscheinen, deren Methoden auch nicht neu sind (über Leichen gehen), deren finale Stoßrichtung aber bis zum Ende dieser Staffel im Dunklen bleibt. Erneut stochern die kleinen Beamten Mads und Alf ziellos in diesem Sumpf herum, bis sie mehr zufällig eine Blase fauligen Gases anstechen und langsam aber sicher auf die richtige Spur kommen.
Bezüglich der Darsteller spielt neben den beiden bekannten Ermittlern (Mads Frau wird übrigens schwanger) auch wieder Claudia Moreno eine Hauptrolle - um deren Wiedererscheinen auf der Bildfläche nach einem Gefängnis-Aufenthalt zu rechtfertigen, setzt die 2. Staffel erst eineinhalb Jahre nach dem Finale der 1. ein. Moreno ist inzwischen ein wenig gereifter, jagt weniger ihrem in Paris beim Ex-Mann lebenden Sohn hinterher, sondern konzentriert sich mehr auf ihre beruflichen Skills, besonders, nachdem sie in Christensen jenen Finanzjongleur ausmacht, dem sie ihren Karriereknick zu verdanken hat.
Dieser Christensen, der über ein äußerst feingesponnenes Netz an Finanzunternehmen und Beteiligungen verfügt (zur Tarnung zum Teil seiner senilen Gattin in einem Altersheim überschrieben), stellt sich schon bald auch als Auftraggeber des schwedischen Berufskillers heraus, der unter gesundheitlichen Problemen leidet und seine Aufträge zeitweilig vom Krankenbett aus vergibt. Während Automechaniker Nicky dadurch immer mehr zum Berufskriminellen wird (seine Rolle wird durch diverse Aktionen zunehmend unsympathischer) tauchen mit den Bankiers-Geschwistern Simon und Amanda zwei neue Hauptpersonen auf, die dem vielfältigen, erneut mit vielen privaten Befindlichkeiten garnierten Geschehen zwar eine weitere Note verleihen, jedoch keinen entscheidenen Stempel aufdrücken können.
Tatsächlich fehlt dieser Folgestaffel eine charismatische Figur wie Alexander Sødergren (Nikolaj Lie Kaas), der, wie man sich erinnert, auf den letzten Metern der 1. Staffel hingerichtet wurde. Sein Tod bleibt allerdings lange unentdeckt und spielt später auch keine Rolle mehr, verdeutlicht aber ein weiteres Prinzip der Serie: Der Zuschauer ist vom Wissensstand her den einzelnen Akteuren immer ein stückweit voraus. Dass dabei dennoch keine Langeweile bei dem wieder in 10 Folgen zu je etwa 1 Stunde abgedrehten Wirtschaftskrimi aufkommt, spricht für das abwechslungsreiche Drehbuch, das seine Proponenten erneut temporeich durch diverse Höhen und Tiefen jagt: 7 Punkte auch für diese 2. Staffel.