Im Kopenhagen der Gegenwart kämpfen rivalisierende Clans arabisch-palästinensischer wie auch dänischer Herkunft um die Vorherrschaft im (Haschisch-)Drogenmilieu - der Polizei ist es bisher nicht gelungen, die ausufernde Kriminalität, die es immer wieder bis in die Schlagzeilen schafft, einzudämmen. Erst kürzlich wurden in einem Kellerraum einer Garage acht Leichen rumänischer Staatsbürger (darunter ein Kind) entdeckt, die auf dem Papier millionenschwere CEOs diverser Briefkastenfirmen waren - der öffentliche Druck auf die Polizei wächst...
Auch in der 3. Staffel der dänischen Thrillerserie Follow the Money dreht sich wieder alles um schmutziges Geld: standen in der 1. Staffel das Greenwashing einer angeblichen Ökofirma und in der 2. die krummen Machenschaften hinter den Kulissen einer Bank im Vordergrund, so liegt der Fokus dieser 3. Staffel auf Geldwäsche und Drogenhandel. Auch hier stehen wieder drei verschiedene Proponenten im Mittelpunkt, deren Situationen zunächst getrennt beleuchtet und dann Stück für Stück zusammengeführt werden.
Da ist zunächst der chinesischstämmige Ermittler Alf Rybjerg (Thomas Hwan), der sich nach dem Ausstieg seines Partners (Ende der 2. Staffel) zu der auf Drogen spezialisierten Sondereinheit Task Force Nørrebro versetzen lassen hat und dort nach kurzer Zeit Teamleiter wird: eine Position, die er nicht ganz auszufüllen in der Lage ist, da er private Probleme nicht mehr von seinem Job zu trennen vermag. Sowohl seine Schlaflosigkeit, die er mit auf der Straße gekauften Schlaf- wie Aufputschmitteln bekämpft als auch sein heimliches Liebesverhältnis zu Staatsanwältin Isa (Marie Askehave) werden nämlich beobachtet, ohne daß er es merkt. Zahlreiche Fehl-Einschätzungen und -Entscheidungen begleiten den mit der Konkurrenz zum bisherigen Teamleiter kämpfenden, nicht einmal Hilfe von seiner wohlgesonnenen Kollegin Stine (Marijana Jankovic) annehmen wollenden neuen Teamchef Alf, der immer mehr zum Risiko nicht nur für seine Einheit, sondern auch für sich selbst wird.
Ebenfalls aus den ersten beiden Staffeln bekannt ist der ehemalige kleinkriminelle Automechaniker Nicky Rasmussen (Esben Smed), der sich nach Spanien abgesetzt hatte und nun, nach 2 Jahren dort, mit blondgefärbten Haaren wieder nach Dänemark zurückgekehrt ist. Der dezent auftretende und mit größter Vorsicht arbeitende Nicky (mit konspirativer Zweitwohnung gleich neben der ersten) betreibt mit einem arabischen Kompagnon eine Saftbar, hinter deren tarnender Kulisse er als mittlerweile größter Haschisch-Importeur Dänemarks die Fäden zieht und große Mengen Drogengelder waschen muß. Sein einziger wunder Punkt ist sein 5-jähriger Sohn, der inzwischen bei Pflegeeltern wohnt und den er unbedingt wieder zurückhaben will, wofür er dann im Lauf der Zeit Kompromisse eingehen und beträchtliche Risiken auf sich nehmen muß.
Neu in dieser 3. Staffel ist die Bankangestellte Anna Berg Hansen (Maria Rich), eine brave und fleißige Mitarbeiterin Mitte Vierzig, deren wenig spektakuläres Berufs- wie Familienleben eines Tages aus den Fugen gerät: obwohl karrieremäßig wenig ambitioniert, fühlt sie sich fürchterlich übergangen und gekränkt, als ihr bei der Wahl zur neuen Filialleiterin eine jüngere Mitarbeiterin vorgezogen und sie selbst mit ein paar nichtssagenden Worten vom Chef abgespeist wird. Anna, deren Kurzhaarfrisur und maskuline Gesichtszüge sie wie einen Mann erscheinen lassen und die selbst für ihren Ehemann Søren (Jacob Lohmann), einen langweiligen Kleinunternehmer, längst jegliche Attraktivität verloren hat, beschließt, in ihrem Leben endlich etwas zu verändern: als sich die Gelegenheit ergibt, genehmigt sie erstmals einen faulen Kredit und gerät durch Mundpropaganda recht bald in die Interessensphäre der Drogengangster, die große Summen Schwarzgeld reinwaschen müssen und willige Bankhelfer wie Anna natürlich hofieren - zumindest eine zeitlang...
Als der sichtlich aufblühenden Anna die Dinge über den Kopf zu wachsen drohen, muß sie einige harte und äußerst zweifelhafte Entscheidungen treffen, die man ihr nicht zutrauen würde - trotz dieser sich oftmals eher auf privater Ebene abspielenden Ereignisse ist der bemerkenswert ambivalente Filmcharakter dieser trotz aller Brisanz bisweilen linkisch auftretenden Anna Berg Hansen der mit Abstand interessanteste dieser 3. Staffel.
Nach bewährtem Muster (Jeppe Gjervig Gram war wieder maßgeblich am Drehbuch beteiligt) sind es auch diesmal 10 Episoden zu jeweils knapp unter einer Stunde Lauflänge, in denen sich mühsame, manchmal von ganz oben ausgebremste Polizeiarbeit mit privaten Schicksalen vor dem Hintergrund finsterer Drogengeschäfte und Geldwäschekriminalität abwechseln. Ein mißtrauischer Dealer mit überbordenden Vatergefühlen, ein tablettensüchtiger Cop, der langsam die Kontrolle über sich selbst verliert, eine Bankerin, die ihr lange unterdrücktes Selbstbewußtsein entdeckt, finstere Drogendealer beim Golfspielen und eine graue Eminenz, die im Hintergrund die Fäden zieht: wem die ersten beiden Staffeln von Follow the Money gefallen haben, der wird auch hier wieder auf seine Kosten kommen: 7 Punkte.