kurz angerissen*
“This is the future. This is the year 1997”. Mit diesem unmissverständlichen Anachronismus hängt normalerweise jeder Anhänger retrofuturistischer Konzepte am Haken. Die von gleich drei Regisseuren gehievte Dystopie wird nachfolgend wie eine Playmobil-Szene aus der Kategorie Science Fiction Teil für Teil nachgebaut, also von der Gedankenwelt in die physische Realität gepflanzt: Vergangenheitsrelikte werden modellartig überall in dieser Wüste platziert, die wie ein weißes Blatt Papier die zu füllende Grundebene stellt. Mühen werden dabei keine gescheut, um die Zielgruppe der Erwachsenen zu überzeugen, die als Kind selber mal mit all diesen Accessoires koexistiert haben und somit über eine gewisse Expertise verfügen: Hintergründe beleben die vergessene Kunst der Matte Paintings wieder und die beachtlichen Massen an Splatter und Gore basieren weitgehend auf Handwerkskunst anstatt auf Einsen und Nullen. So, wie es all die Jahre seit der cineastischen Computerrevolution gefordert und nur allzu selten erhört wurde, bis die Nostalgie zuletzt endlich an Macht gewann. So befindet sich auch der 80s-Synthie-Soundtrack neben „It Follows“ und anderen in bester Gesellschaft anstatt auf weiter Flur.
Problematischerweise ist sich die fertige Modellandschaft selbst bereits genügsam. Jauchzt das Kind im Manne zuerst noch, meldet sich dann doch irgendwann der Mann zurück, oder wenigstens das, was er noch an Geist besitzt – fehlt da nicht eine Metaspiegelung? Der weite Weg in die Vergangenheit, nur um in ihr zu verweilen und nichts mit ihr anzustellen? Die rohe Gewalt beginnt, fehl am Platz zu sein, das kindliche Gemüt der überdrehenden Laurence Leboeuf wirkt nicht länger befreiend, sondern beengend, die individuelle Selbstentfaltung entwickelt sich zurück – das ist es nicht, was Retro-Sci-Fi bezwecken sollte.
Um die Anerkennung für die punktgenaue Rekonstruktion einer Jahrzehnte zurückliegenden Zukunftsvorstellung kommt man nicht umhin. Davon abgesehen ist „Turbo Kid“ aber ähnlich erkenntnisbringend wie die Neusichtung einer früheren Kinderserie wie „M.A.S.K.“ oder „Thundercats“: Man beginnt zu realisieren, dass manche Dinge in den Erinnerungen besser aufgehoben sind als in aufpolierten Bildern.
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