Guillermo del Toro galt bislang als Garant für nachhaltige Unterhaltung aufgrund überragender Optik und fantasievollen Horror - und Gruseleinlagen, doch im vorliegenden Fall kommt die lahme Geschichte einfach nicht mit der starken Ausstattung mit.
Anno 1901 zieht es die angehende Schriftstellerin Edith (Mia Wasikowska) nach dem Tod ihres Vaters von New York nach Allerdale Hall, dem britischen Landsitz ihres frisch angetrauten Ehemannes Thomas (Tom Hiddleston), welcher hier mit seiner Schwester Lucille (Jessica Chastain) lebt. Anfangs fühlt sie sich noch wohl, doch zunehmend scheinen ihr Verstand und ihre Wahrnehmung unter der vorherrschenden Einsamkeit zu leiden...
Anleihen bei klassischen Gruselproduktionen sind mehr oder minder ersichtlich, denn Mary Shelley wird von Edith direkt als Lieblingsautorin erwähnt, ihr Nachname ist Cushing (den sie mit einem der bekanntesten Mimen der Hammer-Studios teilt) und um ihre große Liebe scheint sie mit einem einflussreichen Gegenpart kämpfen zu müssen, was ein wenig an "Bis das Blut gefriert" erinnert. Obgleich die Hauptfigur in den ersten Minuten Interesse schürt, schon allein, weil sie nach eigenen Aussagen regelmäßig Besuch vom Geist ihrer Mutter erhält, mutiert sie spätestens kurz nach der Ankunft auf dem Landsitz zum Spielball perfider Pläne, welche bereits früh durchschaut sind.
Zweifelsohne macht die Optik einiges her, - die Ausstattung, insbesondere die detailreich ausgearbeiteten Kostüme sind prächtig in Szene gesetzt und auch das in kontrastreiche Töne verpackte Geisterschloss erscheint gruselig-märchenhaft, zuweilen gar völlig surreal.
Doch inmitten der schönen Momentaufnahmen und des tollen, angenehm eingängigen Scores mäandert das Treiben eindimensional vor sich hin, als stamme die Story ebenfalls aus dem vorigen Jahrhundert.
Die tragische Liebesgeschichte mit kriminellem Background bildet das Hauptaugenmerk, wogegen Geister oder gar übernatürliche Schockmomente deutliche Mangelware bilden. Auch in Sachen Gewalt hält sich der ansonsten auf eruptionsartige Einlagen setzende del Toro merklich zurück. Ein Klingenduell gegen Showdown bringt ein paar nette schneeweiß-rot Kontraste hervor und ein Schädel an den Waschbeckenrand gerammt ist auch recht derb, der Atem stockt dem Genrefreund bei alledem jedoch nie.
Gleiches gilt für einige der Effekte, deren Computerhintergrund deutlich als solches auszumachen ist. Primär einige Geistererscheinungen und Materialisierungsmomente wirken arg künstlich, allerdings sind sämtliche Hintergründe, Wetterkapriolen und technische Anlagen gestalterisch ansprechend ausgefallen und auch die variable Kamera fängt eine Handvoll kreativer Momente ein.
Die durchweg fähigen, jedoch größtenteils unterforderten Mimen untermauern das uninspirierte Treiben ohne Überraschungen, selbst Jessica Chastain spult ihr Programm zwischen routiniert und gelangweilt ab, während Mia Wasikowska teilweise selbst zum bleichen Geist zu mutieren scheint.
Del Toro hat es gewiss gut gemeint, doch die altbackene Geschichte ohne Twist und doppelten Boden zündet überhaupt nicht. Teils tolle Bilder und ein atemberaubender Sound, dagegen eine Erzählung, die phasenweise auf dem Niveau eines Groschenromans anzusiedeln ist. Uninteressante Figuren und ausbleibende Emotionen geben dem Ganzen den Rest.
Knapp
5 von 10