Review

Heroic Bloodshed (= „heroisches Blutvergießen“)
- ein Subgenre des Actionfilms, das man am besten an folgenden Merkmalen erkennt:
* viele Schlitzaugen
* viel Hongkong
* viele dunkle Sonnenbrillen
* viele Trenchcoats
* viel Armani
* viele Sakkos mit hochgekrempelten Ärmeln
* ein hoher, am besten beidhändiger Gebrauch von Schusswaffen
* viele blutige Schießereien
* viel hellroter Auswurf
* ein hoher Bodycount
* viele Einschüsse im Close Up
* ein hoher Verschleiß an Statisten, die in dem Moment, in dem sie zum ersten Mal zur Tür rein kommen, sofort durchsiebt zu Boden sinken
* viele Zeitlupen-Tänze im Kugelhagel
* viel splitterndes Holz
* viele explodierende Autos
* Hauptrolle (meistens): Chow Yun Fat
* Regie (immer): John Woo

Dies gepaart mit Waffen, denen nie die Munition ausgeht, Super-Armor, düdeliger 80er-Synthi-Mucke im „Klapperschlange“-Style und einer melodramatisch angehauchten Story, die meist zu Ungunsten des Titelhelden endet – das versteht man im Groben unter dem Begriff „Heroic Bloodshed“, dem von John Woo eigens ins Leben gerufene Untergenre des Actionfilms.

Einer seiner besten Vertreter, wenn nicht gar d e r Film, der dieser Bewegung zu seinem Ansehen verhalf:
„A Better Tomorrow II“ (Nein, nicht Teil 1! So toll ist der nämlich gar nicht…)

„A Better Tomorrow II“, den man übrigens auch checkt, ohne Teil 1 gesehen zu haben, handelt von Chow Yun Fat mit Streichholz im Mundwinkel, Chow Yun Fat, der über Reis philosophiert und Chow Yun Fat, der zusammen mit zwei Homies an die tausend Gangstern das Lebenslicht auspustet.
Die Guten – das sind Chow (hier nicht wie in Teil 1 als Mark, sondern als dessen Zwillingsbruder Ken unterwegs – selten dämlich, ey :-),
Ho, der im ersten Teil vom eigenen Bruder ins Kittchen befördert wurde, und
Onkel Lung – Chef eines großen Unternehmens, der aber von seinem Partner übers Ohr gehauen wird und alles samt Tochter, Beruf und Ansehen verliert.
Obwohl: Die Bezeichnung „die Guten“ trifft hier nicht wirklich zu, da die Kameraden, die in diese Sparte fallen, auch reichlich Dreck am Stecken haben.
Unterschied aber ganz eindeutig: die Sympathisanten lassen sich nicht von niederen Motiven leiten wie „die Bösen“. Ahhh…

Folglich geht’s freilich wieder um Rache, angeknackstes Ehrgefühl, Freundschaft, Loyalität… doch um ehrlich zu sein, interessiert das doch keine alte Sau!
Was wir sehen wollen, sind einzig und allein ein paar schießwütige Revolverhelden und coole Gangster, die in möglichst vielen lässigen Posen möglichst viele Statistenschurken mit möglichst viel Blei voll pumpen und dabei ein möglichst großes Blutbad anrichten.
Und genau das und nicht mehr bekommt man hier auch geboten.
Die Formel lautet wieder:
Wenn einer der Protagonisten einen Schuss abfeuert, fallen mindestens fünf Hanseln tot und durchsiebt zu Boden.
Wenn aber einer der Hauptfiguren einen Schuss abbekommt, wird es so lange als Fleischwunde abgetan bis entweder dessen Rolle ausgeschöpft und überflüssig ist und ein Heldentod die Dramaturgie des Moments hervorheben soll,
oder eine neue Szene einsetzt, in welcher der just noch tödlich Verwundete wieder quicklebendig durch die Strassen hetzt.
John Woo wie er leibt und lebt…

„Was ist?“
- „`Ne Sternschnuppe.“
„Oder ein Flugzeug.“
- „Man sagt immer, dass es Unglück bringt, wenn man eine Sternschnuppe sieht.“
„So ein Quatsch. Irgendwann müssen wir alle mal sterben.“

Einerseits gänzlich hohle Hau-drauf-Action, andererseits so blutig, so faszinierend und ästhetisch in Szene gesetzt, dass man meinen könnte, Gott selbst wäre im Ego-Shoot-Modus.
…und ganz andererseits hat der Streifen so ungefähr den krassesten, furiosesten und orgiastischsten Showdown seit Adam Vs. Eva zu bieten.
Allein Fats Duell mit dem stummen chinesischen Auftragskiller und der recht unorthodoxe Gebrauch des Katanas sind so cool, so arsch-fucking cool, dass man im direkten Vergleich Ballerbubis wie „Matrix“, „True Romance“ oder „Reservoir Dogs“, welche ja alle drei ihren Style sowie viele Ideen von Filmen wie diesem übernommen haben, einfach nur eintüten kann.
Fehlt eigentlich nur ein bisschen Kung Fu und Cynthia Khan und die hier an den Tag gelegte Coolness würde das ganze Universum vereisen.

Fazit daher:
Chow trägt Trenchcoat und Sonnenbrille,
Chow rutscht rücklings die Treppen runter und nagelt dabei noch einen Typen an die Wand,
Chow spuckt sein angekautes Streichholz auf den erlegten Rivalen…
… - ein Hongkong-Actioner aller erster Güte (bildgewandt, ästhetisch und sehr geschmeidig inszeniert!), ein wahres Body Count-Hochfest und auch so ziemlich Woo’s Bester („Hard Boiled“ war mir irgendwie zu langwierig und bei „The Killer“ gefiel mir das Finale nicht, in dem Chow blind am Boden rumkrabbelt…)!

“Pistol Grip Pump at my Lap at all Times,
They Can Be Fucking with other Niggaz, but They Can’t Be Fucking with mine…”
“Der Pate” im Hongkong-Style – ein absoluter Gottfilm, verteufelt „heroisch“ und einfach nur scheiße geil!
Amen, Bruder.

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