Review
von Gonzo
"Hard Boiled" ist für mich das hyperaktive Kind aus der John Woo-Familie welches immer die meiste Aufmerksamkeit bekommen hat. Natürlich ist das auch nicht ganz unverdient aber in der hinteren Ecke des Spielzimmers saß immer ein kleines Kind das schon lange vorher aus Klötzchen Beeindruckendes gebaut hat aber nur Wenigen augefallen war. Deswegen sind meine heimlichen Woo'schen Pre-US-Highlights "The Killer" und noch etwas mehr sogar "A better Tomorrow 2".
Während der erste Teil noch recht zaghaft das Heroic Bloodshed Genrebegründete treibt es der direkte Nachfolger dann auch gleich auf die Spitze. Irgendwie erinnert es mich aus heutiger Sicht an das Verhältnis von "The Raid" zu "The Raid 2" (oder
"Expendables" zu "Expendables 2"). Der erste Teil fühlt beim Publikum vor, generiert gegebenenfalls das Cash das notwendig ist um dann ein bombastisches Feuerwerk auf die nun frisch generierte Fangemeinde loszulassen. Im Grunde das was man von vornherein im Sinne hatte nur dieMenscheit (und in erster Linie sind hier die Penunzenspender gemeint) dafür noch nicht bereit gehalten hat.
Apropos "Feuerwerk"ein passenderes Stichwort für diesen Film könnte es dann auch gar nicht geben. Was in den zahlreichen Shoot-Outs zertrümmert und zersprengt wird ist einfach atemberaubend. Wohl gemerkt, wir sprechen hier von einer Zeit als große CGI-Effekthaschereien noch nicht einmal geboren waren. Es raucht und qualmt in jedem einzelnen Frame, wobei Realismus
John Woo-typisch nicht unbedingt groß geschrieben wird aber wir haben auch keine Hüpfakkrobatik oder Nonsens wie man ihn heute so oft erlebt. Eher der Bodycount und die Explosionen sind etwas übertrieben, wobei es keine Rolle spielt dass, unsere Helden teilweise so professionell mit ihren Schießeisen rumfuchteln wie ein paar Bälger auf dem Kindertagesstätten-Spielplatz.
Dabei bleibt die gesamte
Erzählweise angenehm düster und ernst. Zumindest so ernst wie
es die Schauspielleistung und die deutsche Synchronisierung noch rüber bringen kann. Denn das Schauspiel und Rahmenskript ist auch heute noch für westliche Sehgewohnheiten etwas... nunja, gewöhnungsbedürftig.
Dafür erhält man viele beeindruckende Bilder und Zeitlupenaufnahmen die sich im Kopf verankern. Vorallem das Finale weiß hier einiges beizusteuern,
wenn unsere Trenchcoat behangenen, Zündhölzer kauenden Antihelden ganze Gegnerhorden sehr effektvoll niedermähen.
Trotz gewisser Schwächen ist er für mich ein Meilenstein des Action-Kinos der dessen heutiges Erscheinungsbild entsprechend mitgeprägt und sich seine Relevanz in meiner Sammlung redlich verdient hat.