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Als die Waliser Maklerin Mrs. Connelly (Tessa Wood) einem einsamen Gast aus London sein selbstgewähltes Feriendomizil zeigt, ahnt der im Horrorsegment tätige Drehbuchautor John Davies (Lee Bane) noch nicht, worauf er sich da eingelassen hat: zwar liegt das alte Haus mit seinem verwilderten Garten etwas abseits und scheint dem unter einer Schreibblockade leidenden Gast durchaus die ersehnte Ruhe zu gewähren, allerdings wohnt unter dem Dach noch Agnes, eine blinde ältere Dame, wie die Maklerin ganz zum Schluß der Visite noch anmerkt. Man würde durch sie allerdings keineswegs gestört, da sie das Zimmer nie verlasse. Davies fühlt sich ein wenig getäuscht, da dies in der Anzeige für das Haus nicht vermerkt war, dann jedoch beschließt er, es drauf ankommen zu lassen und doch dazubleiben.
Kurz darauf inspiziert er im Garten ein Baumhaus für Kinder, als sich eine rothaarige Frau unten auf den Schaukelreifen im Baum setzt. Sie hat einen Korb voll Brombeeren aus seinem Garten geklaut und offensichtlich nicht damit gerechnet, daß jetzt jemand dieses Haus bewohnt. Doch statt davonzulaufen, als sie John erblickt, verfällt sie lächelnd in ein bißchen Smalltalk, den der perplexe John erwidert. Wenn sie mal Zucker brauche, solle sie an seine Tür klopfen, sagt er noch zum Abschied. Schon bald klopft es an seiner Tür, und draußen steht jene Cassie (Georgina Blackledge), die sich Zucker borgen will. John bittet sie herein und führt dann bei einem Glas Wein lang(-atmige) Gespräche mit ihr.
Durch diese Begegnung löst sich John Schreibblockade, und man sieht ihn wieder am Laptop arbeiten. Gleichzeitig jedoch plagen ihn Alpträume, er hört unheimliche Geräusche und jede Nacht springt der Plattenspieler im Untergeschoß wie von Geisterhand berührt von selbst an und weckt ihn mit einem scheußlichen Männerchor.
Cassie, der er davon erzählt, hält dies für eine inspirierende Einbildung - schließlich sei er ja Horrorfilm-Autor - , doch John glaubt langsam, daß die alte Dame unter dem Dach, Agnes (Vivien Bridson), die er bislang tatsächlich noch nie gesehen oder gehört hat, etwas damit zu tun hätte...

Der vom Titel her frech bei zwei berühmt-berüchtigten Horror-Vorbildern trittbrettfahrende Last House on Cemetery Lane gehört zu jenen Amateurstreifen, bei denen die vage Vorstellung einer aus zahlreichen Versatzstücken anderer Gruselfilme bestehende Geschichte das übliche Drehbuch ersetzen muß. Daß der dabei herausgekommene Plot tatsächlich noch um Lichtjahre besser ist als dessen technische Umsetzung, spricht Bände über Qualität und Anspruch dieses Möchtegern-Haunted-House-Filmchens. Selbst Streamingigant Netflix, sonst um kein noch so langweiliges Orchideenthema verlegen, nahm hier von einer Synchronisierung Abstand und beließ es bei Untertiteln - was den Zuseher in die seltene Lage bringt, beim vorliegenden britisch-walisischen Original nicht mehr zwischen Filmmusik und Film-Geräuschkulisse unterscheiden zu können.

Die völlig unzureichenden Mittel beim Ton setzen sich freilich auch bei der Bildregie fort, welche das außerordentliche zähe Geschehen häufig aus einem schrägen Winkel von unten aufzeichnet - vermutlich sparte man auf diese Weise einen Kameramann ein, als man das Ding einfach auf dem Boden abstellte. Beim Zoomen auf die Figur einer Spieldose schafft es die Kamera nicht, diese scharf abzubilden und liefert ein völlig verschwommenes Bild, von diversen seltsam abgeschnittenen Köpfen reden wir erst lieber gar nicht. Die wenigen Gruseleffekte erschöpfen sich in einer zuschlagenden und sich selbst verriegelnden Tür, einer Schrift auf einem beschlagenen Badezimmerspiegel, einer stinknormalen Puppe und einer Flaschenpost mit einem Zettel "Gefunden". Dazu kommen noch der erwähnte Plattenspieler sowie Blutstropfen in der Dusche, die John zuerst gar nicht bemerkt und danach auch nicht weiter untersucht. Zu diesen Unzulänglichkeiten gesellen sich dann auch einige merkwürdige, in jedem Fall aber völlig unrealistische Verhaltensweisen der wenigen Laiendarsteller.

Da wäre zum einen Cassie Conrad, eine attraktive Mittdreißigerin, die anscheinend noch nie in ihrem Leben einen Mann gesehen hat, von John daher fasziniert ist und von der ersten Minute an wie eine langjährige, alte Freundin ihm gegenüber auftritt. Zum anderen wäre da John, ein langer, hagerer Brite mit ungepflegtem Vollbart und kleinen Blinzelaugen, der meist im Morgenmantel herumläuft und definitiv nicht Gottes Geschenk an die Frauen darstellt. Dieser John, der sich nach Cassie alle 10 Finger abschlecken müßte, verhält sich allerdings eher abwartend und stellt noch dazu die völlig falschen Fragen. Denn statt zu fragen: "Was machst du eigentlich so den ganzen Tag" oder "Hast du eigentlich keinen Stech... ...enden Schmerz im Hirn, wenn du mich so verliebt anschaust" redet er über belanglose Dinge wie seine verstorbenen Eltern. Somit erfährt auch der Zuschauer nichts über Cassie. Und auch nichts über die Vorgeschichte des Hauses oder die Hintergründe der nächtlichen Spukerscheinungen. Die muß schließlich die alte Dame Agnes liefern, die seit Jahrzehnten stumm und blind nur von Licht und Luft in ihrem Dachkämmerchen lebt und all ihr Wissen ungefragt auf einmal heraussprudelt, kaum daß mal Besuch kommt.

Was diesen miserablen Null-Budget-Streifen vor dem völligen Absturz rettet, ist allerdings das redliche Bemühen vor allem des Hauptdarstellers, ernsthaft und seriös aufzutreten. Nach zwei Dritteln Filmlaufzeit setzt sich John mitsamt ein paar Kerzen vor ein Ouija-Brett, simuliert eine Séance und schafft es dabei tatsächlich, angestrengt zu wirken und nicht zu lachen, während erkennbar er selbst ein umgedrehtes Wasserglas zu den gewünschten Buchstaben führt. Nicht, daß dadurch die angestrebte Gruselatmosphäre auch nur im Ansatz erreicht worden wäre (was übrigens für sämtliche diesbezüglichen Ambitionen des ganzen Films gilt) stellt dieses angestrengte Gläserschieben immerhin eine - bescheidene - Leistung dar. Vollends vorbei mit der Beherrschung ist es jedoch für all jene Zuschauer, die bis zur 74. Filmminute durchgehalten haben, ohne vorher einzuschlafen: der dargestellte "Kampf" mit der Würgeszene (Stichwort: Zunge!) gehört mit zum Lächerlichsten, was jemals unter der Bezeichnung Horror-Action abgefilmt wurde - ein lautes Lachen kann hier niemand mehr unterdrücken. Vermutlich nicht einmal Regisseur Andrew Jones, der dieses hanebüchene Käsefilmchen verbrochen hat. 2 Punkte.

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