Review

Zuweilen sollten bestimmte Streifen nicht mit festgelegten Erwartungen angegangen werden, denn das führt unweigerlich zu Enttäuschungen. Wie im Fall „Wanja“, der trotz interessanter Ausgangslage erst gar nicht versucht, dramaturgisch ansprechende Momente einzubauen.

Die 40jährige Wanja (Anne Ratte-Polle) hat nach sieben Jahren Knastaufenthalt wieder Freigang und versucht sich als Praktikantin auf einem Reiterhof. Hier trifft sie auf die 16jährige Emma (Nele Trebs), die augenscheinlich ein Problem mit Drogen und Alkohol hat.
Wanja versucht Emma vor dem Totalabsturz zu bewahren, droht dabei jedoch selbst in alte Verhaltensmuster zu verfallen…

Über die Vorgeschichte erfährt man nichts, auch nicht, was es mit einer angesprochenen Drogenkarriere der Titelfigur auf sich hatte. Wanja bezieht eine heruntergekommene Wohnung, in der sich alsbald ungewöhnliche Haustiere wie Krähe und Enten wieder finden, - ein Zeichen für die Suche nach Nähe, welche sie zu Menschen nicht aufbauen kann, selbst nach einem One-Night-Stand aus der Kneipe nicht. Wanja ist eine komplett unnahbare, oftmals schroff und zu keiner Zeit freundlich wirkende Person, was den Zugang zu ihr nahezu unmöglich macht.

Das Drumherum wirkt indes beliebig, wie die feiernden Jugendlichen, der bemühte Bewährungshelfer oder die sturen Amtsschimmel, wo wir gerade beim Leben auf dem Ponyhof sind. Auf diesem ereignet sich ebenfalls nicht viel außer Stall ausmisten oder Hottemax striegeln. Vielleicht wollte Autorin und Regisseurin Carolina Hellsgård, dass dem Zuschauer ein latentes Gefühl von Fremdheit und Distanziertheit entgegen weht. Ist gelungen.

Dass es dabei zu gelegentlichen, surreal anmutenden Einschüben kommt, gehört wahrscheinlich dazu und spiegelt offenbar Wanjas individuelle Wahrnehmungen wider. Ein Raubüberfall und kostümierte Figuren um ein Waldfeuer herum reißen zumindest für Momente aus einer gewissen Lethargie.

Während die Kamera immerhin ein paar interessante Perspektiven anbietet und Anne Ratte-Polle ein gewohnt starkes Schauspiel abliefert, plätschert das Portrait einer Frau ohne Perspektive ohne Höhepunkte vor sich hin. Isolation, Abhängigkeit, Reue und Suche nach Nähe schimmern in dem wortkargen Drama zwar immer mal wieder durch, doch angesichts zahlreicher Oberflächlichkeiten führt das im Endeffekt nirgendwo hin.
Knapp
4 von 10

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