"A real hero remains accountable to the end."
Bei aller Kritik an dem Alterswerk von Jackie Chan, der den Unkenrufen zum Trotz immer noch weiterhin aktiv und dies mit ausnehmenden Erfolg gerade im Mutterland China ist, kann man nicht umhin, der Person und seinen Filmen Konstanz und Abwechslung zugleich zu bescheinigen. Neues wird versucht, aber Altes nicht umgangen oder aufgegeben, vielmehr gestalten sich die letzten Arbeiten jeweils unterschiedlich zu der vorherigen, auch oder wenn gerade zwei Fortsetzungen, eine direkte und eine indirekte darunter inkludiert sind. Dragon Blade geht abermals einen ungewohnten Weg, wird nun ausgerechnet das Genre der historical war drama, eigentlich schon einige Jahre nach dem Höhepunkt der Gattung und so im Grunde als Nachzügler, abseits und außerhalb der Welle bedient. Dabei ist Jackie Chan im Kostüm immer ein seltener und nicht nur deswegen ungewohnter Anblick, der bspw. dem Little Big Soldier allerdings viel besser als dem Mischmasch aus Allem und Nichts The Myth gelingt, in dessen Richtung auch hier der Prolog und ein wenig auch das Vielerlei aus Karneval und Schminke, aus Euphorie, Aktionismus (bestenfalls aus Belagerung und Ausbruch dessen fundamentiert) und Fremdscham zielt:
Im Westen von China, an der Seidenstraße, im Jahre 48 vor Christus. Die Wüstenregion ist von verschiedenen Rassen weit umkämpft; einzig die Silk Road Protection Squad unter Führung von Huo An [ Jackie Chan ], einem Ziehkind des legendären chinesischen Generales Huo Qubing [ William Feng ], und seinem Deputy Yin Po [ Choi Shi-won ] sorgen für Frieden unter den Völkern. Alle Bemühungen um eine Verständigung scheinen umsonst, als er und seine Einheit aufgrund einer falschen Anschuldigung bezüglich Mord und Goldschmuggel zum weitab gelegenen Wild Geese Gate deportiert werden, um dort beim Wiederaufbau der Grenzstadt zu sorgen; gerade in dem Moment, als eine 800-Mann starke Armee der Römer, angeführt von Lucius [ John Cusack ] vor den Toren der Stadt stehen. Beide eint bald eine gemeinsame Bedrohung in Form von Tiberius [ Adrien Brody ], der den von Lucius beschützten Thronfolger, das von ihm selber geblendete Kind Publius [ Jozef Waite ] ergreifen und töten will. In den Machenschaften um Feinde vor dem Haus und auch in den eigenen Reihen werden selbst Huo Ans Frau Xiuqing [ Mika Wang ] hineingezogen, was wiederum neue Verbündete, allen voran die Southern Huns Tache [ Li Zhenqi ] und Prinzessin Cold Moon [ Lin Peng ] plus Bruder Red Sun [ Sammy Hung ] auf den Plan ruft. Eine Konfrontation ist unvermeidlich.
Erstaunlich dabei sind gleich mehrere Dinge, die den Film selber in seiner Qualität nicht besser, sondern eher schlechter, aber gleichzeitig auch köstlich und peinlich im Anblick und irgendwie unterhaltsam auf die naive und altmodische Art machen; ein Spagat, der heutzutage so Wenigen und in seiner Dauerhaftigkeit und Prägnanz direkt vergleichbar eigentlich Niemanden mehr außer dem Leidensmimen Chan und seiner Gesinnung gelingt. So hat zwar offiziell Daniel Lee das Handwerk und damit die Führung des Projektes inne, wird für das Drehbuch und die Regie und damit auch eine Weiterleitung seines bisherigen Schaffens von Three Kingdoms: Resurrection of the Dragon (2008), 14 Blades (2010) und White Vengeance (2011), drei wesentlichen Teilnehmern der period piece Garnituren zitiert. Dennoch und trotz der bisherigen Erfahrung von Lee, der nun auch schon im Stars von großen Kalibern und Mitspracherecht zusammengearbeitet hat, wirkt das vorliegende Szenario von Beginn weg an nicht wie sein, sondern (abgesehen später Brutalitäten und Gewalttätigkeiten) wie Chans Angelegenheit.
Da wäre der Einstieg in der Gegenwart, der Prolog der Erkundung zweier Archäologen [ Cameo von Vanness Wu und Karena Lam ], der für die eigentliche Handlung mehr oder minder nutzlos ist, aber den Abenteuerquatsch und auch da schon die Fahne von Reliquie und Heldenverehrung und dies fortführend bis zur Vergötterung hoch und aufrecht hält. Auch die Einführung von Huo An als Friedensbeschwörer, der gar nicht richtig kämpft, sondern sich nur verteidigt und selbst da eher zimperlich und auf den Gegner Rücksicht nehmend ist, wirkt wie altbekannt und schöpft aus unzähligen bekannten Szenen und Mechanismen und Manierismen seines Hauptdarstellers; eine Mischung des Banalen, die weit gegen den Horizont schon vorhersehbar und in seiner Wiederholung fast schon wie ein running gag, oder noch eher fan service ist. Der Friedens-Onkel mit der großen Nase, den vor allem die Kinder am lieben sind und der für alle moralischen Werte, die man sich denken kann am Eintreten, und dies möglichst heroisch und pathetisch und nicht ohne Ansprache vor versammelter Mannschaft, also im pompösen Auftritt ist.
Ethos und Pathos sind sowieso zwei der Faktoren, die so ein wenig an der Mauer dieser Unterhaltungsbombe nagen und zehren; gibt es doch auch manche Szenen, die in ihrer plumpen Darstellung und der Verehrung, der viel zu seichten Ikonisierung, die dann auch regelrecht nach hinten in die Abschreckung losgeht, auf das Simpelste zu sehr geeicht sind. Da muss alles in Worte gekleidet werden und noch einmal repetiert, obwohl ein Blick oder die Handlung selber reichen tät. Zweimal wird im Propagandamodus gar gesungen, was nun in einem vor sich geht. Überhaupt hinkt der Rhythmus etwas, wird sich in Rückblenden von Rückblenden verzettelt, die eben nicht gescheit in der Handhabung einer dramaturgischen Erzählung, sondern niederstes Niveau von Charakterisierung und Motivation sind. Ein zwischenzeitliches Abgleiten in die Parodie, zumindest in die Humoristik, die sicher nicht gewollt ist, aber vor allem durch das Schauspiel, eigentlich auch den Leuten von der Ausstattung, gerade auch den Maskenbildnern, vor allem den Angestellten mit den Schminkkoffern und Puderdosen durchaus forciert wird.
So richtig stören tut das aber nicht, oder nur den Kleingeist, oder den, der schon gar keine Sympathie für den Meister aller Klassen mehr hat. Die Auswahl von Cusack und besonders Brody als weitere Interessen ist äußerst geschickt, da Beide ebenso wenig in das Setting passen, aber ihre Anwesenheit schon für Aufmerksamkeit sorgt und Hakennase Brody als Diablo auch so verkehrt gar nicht, mit großen Abstand auch eigentlich der einzige richtige Darsteller hier ist. Darüber hinaus hat man seine üblichen Zutaten derlei Werke, die Massenszenen, die emsige Statisterie, die vor der finalen Schlacht derart aufgetürmt ist, dass man sich fast nur noch mit stetigen Luftaufnahmen zur Überschaubarkeit behilft, das Klirren der Waffen, der Zücken der Schwerte und Surren der Pfeile und Steinschleudern, dazu ein epochaler und genauso unmemorabler Soundtrack, der die Breite der Bilder und den Aufwand der Produktion mit ihrem Budget von 65 Mio. USD. entsprechend bedient. Gekämpft wird auch, Mauern erst errichtet und dann wieder zerstört, oder den Gegner mit dem Bogen bzw. der Armbrust an den Rand des Aufgebens oder weiter in den zahlreichen Tod geschickt. So richtig aufregend oder gar für die Ruhmeshalle ist dies weiß Gott nicht, einigen treffsicheren effect shots zum Trotz, die gerade bei der furiosen Attacke einer Verräterbande in der engen Stadt und dem noch engeren Schulgebäude und einer ebensolchen Eruption aus dem Gefängnis hinaus in die Weite der Wüste hinein zu sehen sind.